Wein und WahrheitBio ist nicht immer besser

Was fürs Essen gilt, gilt inzwischen auch für den Wein: Biodynamisch muss er sein. Schmeckt ja auch besser. Von wegen!, sagt unser Experte Manfred Klimek. von Manfred Klimek

Verzweifelt schweifen die Augen der Frau über das Etikett der Weinflasche. Sie suchen und suchen. Und finden nichts. Wir befinden uns in einem Supermarkt am Prenzlauer Berg in Berlin. Hier lebt die neue sensible Elite Deutschlands. Manche sagen: Hier leben die neuen Spießer. Ich weiß, dass ich hier lebe.

Die Frau sucht einen Hinweis. Einen Hinweis, ob dieser Wein biodynamisch hergestellt wurde. "Organic", wie es auf den meisten internationalen Etiketten heißt.

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Biodynamischer Wein ist der neue Hit, mit den Nachfragen nach biologisch zertifiziertem Wein kann jeder Weinhändler sein Lager tapezieren. Biologisch, biologisch-organisch, biodynamisch: Das ist der eine Schuh. Autochthon, also lokal verankert und quasi eingeboren, spontanvergoren, in der Amphore gereift: Das ist der andere Schuh. Ein populäres Paar, das aber nicht zwingend passen muss.

Ich begrüße jeden Winzer, der sich für biologisch-dynamischen Weinbau entscheidet. Das hat unbestreitbare Vorteile. Es ist gut für Boden, Traube und Mensch. Sowohl für den arbeitenden als auch für den konsumierenden Mensch. Ich habe enormen Respekt vor jenen Weinbauern, die sich die Umstellungsphase von normalem Weinbau auf biodynamischen Weinbau antun. Man kann wirklich von "antun" sprechen, denn in den ersten Jahren kommt es häufig zu Ernteeinbrüchen, Fehlentwicklungen und Krankheiten. Ein bestens bewährtes und den Pflanzen vertrautes System wird aufgegeben und durch ein naturnahes System ersetzt. Das birgt Risiken. Jede Menge Risiken.

Manfred Klimek
Manfred Klimek

Manfred Klimek sagt über sich selbst, er habe ein populistisches Weinverständnis mit individueller Note. Alle Weinkolumnen von ihm auf ZEIT ONLINE finden Sie hier.
 

Doch am Ende steht ein Wein, der sich praktisch selbst und ohne Zusatz von Zuchthefen zur Gärung führt; ein Wein, der auf einem gesunden Boden gewachsen ist und folglich kaum chemische Wirkstoffe transportiert; ein Wein, der aus Trauben gepresst wurde, die nie einen Tropfen Herbizide, Fungizide und Pestizide abbekommen haben.
So ein biologisch hergestellter Wein schmeckt automatisch besser.

Eben nicht. Bei vielen Blindverkostungen großer Händler schneiden biodynamische Weine oft schlechter ab als solche, die aus herkömmlichem Weinbau stammen. Sie haben öfters Fehltöne und wirken instabil. Dieser Generalisierung muss man gleich entgegensetzen, dass es eine Menge Biowinzer gibt, die extrem gut arbeiten und fantastische Weine keltern. Aber es sind noch zu wenige, um der Bewegung jenen Rückhalt zu geben, den sie benötigt.

Biodynamischer Wein könnte besser schmecken, wenn sich Teile der Bewegung von den Gurus lossagen würde, von jenen Einsagern, die etwa zur Verwendung archaischer Amphoren statt Fässer raten; von jenen, die dem Winzer erklären, der Weg zur gesunden Traube führe über die abgewehrte Erkrankung; von jenen, die in der Natur eine zwingend Verbündete der Rebe sehen (was sie gewiss nicht ist). Und die brutale Fehltöne als Zeichen der Lebendigkeit und Diversifikation verklären. Aber jede Mode braucht offenbar Theater als Legitimation.

Leserkommentare
  1. Gerade im Weinbau sowie im Obstbau sind sich die konventionelle und die biologische Wirtschaftsmethode besonders nahe. Zum Beispiel dürfen im biologischen Weinbau durchaus Kupferpräparate zum Einsatz kommen, die sonst wegen ihrer toxischen Wirkung nicht erlaubt sind.Zudem kommt, daß heute bio ein großer Markt ist und wegen der großen Nachfrage auch hier auf Masse produziert werden muss. Das ist nicht immer der Qualität zuträglich. Außerdem unterliegt auch der biologische Anbau den Faktoren von Witterung und Lage. Viele besonders gute Lagen werden konventionell bewirtschaftet. So ist es wohl bei Biowein wie beim konventionellen. Nur wer sich ein wenig mit Herkunft, Art des Anbaus usw beschäftigt, findet auch einen guten Wein. In Bezug auf den Artikel sei besonders bemerkt, dass auch die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Anbaumethoden mehr Qualität hätte bescheren können. Biodynamisch ist nämlich bei weitem nicht mit "Organic" gleichzusetzen. Hinter der Bezeichnung biodynamisch und dem dafür eingetragenen Warenzeichen Demeter, verbirgt sich eine von Rudolf Steiner 1924 in einer Vortragsreihe umrissene auf eine mehrdimensionale Weltsicht fußende Anbaumethode, die sich deutlich von anderen, wie der erst 1974 entstandenen biologisch organischen Methode unterscheidet. Die Qualitätsfrage ist eben eine der schwierigsten und ist von unglaublich vielen Faktoren abhängig.

  2. Sehr geehrter Herr Klimek,
    tut mir leid, ihr Artikel ist sehr schlecht recherchiert. Als erstes sollten sie mal nachlesen was der Unterschied zwischen Bio und Bio-dynamisch ist. Alle anderen Aussagen sind schwerr zu bewerten, da sie eben den Unterschied nicht kennen. Es gibt z.b. keinen Biodynamischen Wein "ohne esoterischem Unsinn". Sie haben sicherlich recht wenn Sie sagen, dass Bio-Wein oder Biodyn-Wein nicht besser schmecken muss als konventionell erzeugter. Ob "Bio-Weine" allerdings insgesamt mehr Fehler aufweisen als konventionelle Wein wage ich heutzutage zu allerdings zu bezweifeln. Beweisen kann ich es leider nicht.

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    Freier Autor

    ..zwischen "biologisch" und "biodynamisch" (oder "Demeter", etc..) ist völlig nebensächlich; der Konsument sucht "Bio-Weine" und bekommt oft unsaubere Säfte mit deutlichen Fehltönen, die dem Bio-Image schaden. Gerade eben hatte ich wieder so ein Beispiel im Glas..

    Ich finde diese Behauptung gewagt. Immerhin hat einer der besten Rieslingbetriebe Deutschlands Dr. Bürklin Wolf seit 2005 komplett auf Biodyn umgestellt. Ich weiß nicht, ob die esoterischen Unsinn treiben. Und als ex-Waldorfschüler habe ich dazu auch ein gespaltenes Verhältnis. Aber die meisten Weine von Bürlin Wolf (die ich mir leisten kann ;) ) sind sehr lecker.

    Ansonsten - und das werden Ihnen auch die meisten Winzer bestätigen - íst es immer eine gute Methode im Supermarkt ein paar Weine zu probieren. So findet man einfach die besten aus einem Jahrgang in einem guten Preissegment (kann schon bei 3 € anfangen) und merkt sich die. Das Spiel geht dann mit jedem neuen Jahrgang wieder von vorne los.

    Ganz ohne "esoterisches" ich tu so als schmeck ich was Getue, was einem untrainierten Geschmacksinn gar nicht auffallen kann.

    • wmebh
    • 23. September 2010 10:27 Uhr

    Aber mit Sicherheit teurer.

    Eine Leserempfehlung
  3. Leider ist es ja so, dass viele Bio-Weine (also nicht unbedingt biologisch-dynamisch im Sinne R. Steiners)von Menschen erzeugt werden, die hier nur das "Überleben" ihres Betriebs sicher stellen wollen (Öko hat Zukunft!). Wer vorher keinen guten Wein hin gekriegt hat, schafft es auch damit nicht.
    Umgekehrt wird allerdings ein Schuh draus. Wenn Könner die Methode übernehmen, dann "explodiert" die Qualität. Beispiele? Dagenneau, Lageder, Leroy, Basermann-Jordan, etc. etc.

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    Freier Autor

    ..dann werden Sie merken, dass ich sehr wohl anmerke, dass es viele "Bio"-Winzer gibt, die fantastisch arbeiten. Doch das sind maximal 5% aller Biowinzer. Zu wenige..

  4. Interessanterweise verzichten solche Winzer meist auf jegliches Bio-Etikett, Bio läuft quasi im Stillen mit, und wird nicht als Verkaufsargument "missbraucht".
    Hier steht nur die Qualität im Vordergrund - und der Name des Winzers bürgt dafür.

  5. Was der Autor nicht alles aus dem Wein herausschmecken kann: am Ende gar die Weltanschauung des Winzers, der ihn anbaut. Selten solchen Unfug gelesen.

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    Freier Autor

    ..dann sehen wir weiter, ob Ihr Argument Gewicht hat..

  6. Freier Autor

    ..dann sehen wir weiter, ob Ihr Argument Gewicht hat..

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  • Schlagworte Wein | Alkohol | Krankheit | Pestizid | Pflanze | Wirkstoff
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