Bar Convent BerlinKater ja, schlechtes Gewissen nein

In Berlin treffen sich gerade fast 4000 Barkeeper aus Deutschland und Europa, um über neue Trends und Bio-Cocktails zu diskutieren. Und um an Drinks zu nippen. von 

Der Bar Convent Berlin findet in diesem Jahr zum vierten Mal statt

Der Bar Convent Berlin findet in diesem Jahr zum vierten Mal statt  |  © Bar Convent Berlin

"Jeder mit viel Zeit und einem Internetzugang kann heutzutage einen guten Cocktail machen!" ruft Phil Duff ins Publikum. Die Barkeeper vor der Bühne nicken, blättern etwas desinteressiert durch die Werbeheftchen der Spirituosenindustrie und nippen an den Drinks, die an den umliegenden Messeständen ausgeschenkt werden.

Es ist der erste Tag des Bar Convent Berlin , einer Fachmesse für Barkeeper und Alkoholproduzenten. Das Publikum ist mehrheitlich männlich, die Belegschaft hinter den Messeständen im Neonlicht mehrheitlich weiblich.

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Fast 4000 Teilnehmer hat die Veranstaltung im alten Berliner Postbahnhof im vierten Jahr ihrer Existenz bereits. Sie lockt, wie man dem Stimmenwirrwarr entnehmen kann, nicht nur Deutsche, Österreicher und Schweizer. Auf der Treppe im Innenhof stehen rauchende Tschechen neben einer Gruppe Franzosen, die in einer Plastiktüte mit Alkoholpröbchen wühlen. Ein Japaner in feinem Zwirn steht etwas verlassen am Wurststand im Innenhof.

Philip Duff , ein knuffiger Ire mit professionell guter Laune, ist währenddessen bei der nächsten steilen These zur Zukunft des Barwesens angelangt. Duff gilt als Experte für alle Fragen rund um die Drinkkultur, schließlich ist er nicht nur Inhaber einer Bar namens Door 74 in Amsterdam, sondern ein weltweit agierender Berater für die Spirituosenindustrie und Trainer in Bars gehobenen Anspruchs. Duff ist eine gute Besetzung für vermutlich jedes Podium rund ums Trinken. Für diese Diskussion hier ist er geradezu perfekt – schließlich geht es um Einflüsse, Prognosen, Trends.

Die Kunst des Cocktails hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Und obwohl Barkeeper generell den 1920ern als goldene Zeit huldigen, ist die Branche nicht gegen den Zeitgeist gefeit. Vor wenigen Jahren war es die Zickenserie Sex in the City , die den Cosmopolitan zum Lieblingsdrink jedes Mädelsabend und somit zum Pflichtrepertoire jeder noch so mittelmäßigen Bar machte. Mittlerweile diktiert die amerikanische Werberserie Mad Men ihren Zuschauern, welche Trendgetränke der Sechziger sie zu trinken haben, um der Coolness ihrer Leinwandhelden wenigstens nahe zu kommen.

"Gin!" ruft Duff nun ins Publikum. "Wir werden bald feststellen, dass die Nachfrage nach Gin vor allem in Europa deutlich ansteigen wird. Nach besonderem und gutem Gin. Wodka hat diesen Aufschwung bereits hinter sich hat, nun schauen sich die Leute nach etwas Neuem um, das aber ähnlich schlicht und klar ist."

Auch wenn Duff die meiste Zeit redet, ist er nicht allein auf der Bühne. Neben ihm sitzt, etwas verkrampft, ein Mann mit Hornbrille namens Camper English, der sich als Cocktailblogger aus San Francisco zu erkennen gibt.

Leserkommentare
  1. Korrektur: Philip Duff ist nicht mehr Eigentümer von Door 74. Er verkaufte seine Anteile vor einigen Monaten und ist derzeit ausschließlich freier Berater für Hotelketten und Spirituosenmarken.

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  • Schlagworte Getränk | USA | Amsterdam | Berlin | Europa | New York
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