Es ist Februar, ich stehe vor dem Obstregal und will unbedingt einen Apfel essen: welchen nehme ich – den aus Neuseeland oder den aus Deutschland?

Das kommt drauf an, was Sie wollen: Den politisch korrekten Apfel – oder den leckeren.

Saisonales Obst schmeckt am Besten, weil es so lange wie möglich am Baum reift und so auch Äpfel. Die Haupterntezeit für Äpfel ist in Deutschland von August bis Anfang November, danach werden die Früchte im Kühlhaus eingelagert. Im Februar, wenn bei uns die letzten Äpfel aus den Lagerhäusern kommen, werden die ersten Früchte in Neuseeland gepflückt. Es ist also gut möglich, dass der Saisonapfel vom anderen Ende der Welt dann wirklich besser schmeckt, als das deutsche Lagerobst.

Was aber ist besser für das Klima? Äpfel aus dem Kühlhaus oder Äpfel, die um die halbe Welt reisen, bevor sie im deutschen Obstregal landen? Das lässt sich nicht klar beantworten.

Intuitiv scheint es natürlich besser, den regionalen Apfel zu wählen. Das ist aber nur begrenzt richtig. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und die Universität Bonn haben den Energieverbrauch neuseeländischer Äpfel mit dem von Äpfeln aus dem Kühllager verglichen und tatsächlich, der Energieverbrauch der neuseeländischen Äpfel war um 27 Prozent höher.

Aber die Transporteffizienz ist – auf den einzelnen Apfel umgerechnet – zweitrangig. Wichtiger als die Wahl zwischen regionalem und Überseeapfel ist nämlich die Frage, ob der Käufer per Auto oder zu Fuß vor dem Obstregel gelandet ist. Wer mit dem Auto fährt, hat der niederländische Bio-Großhändler Eosta ausgerechnet, macht den Umweltvorteil des regionalen Apfels zunichte. Für ein gutes Klimagewissen heißt das also: Wenn Sie mit dem Auto einkaufen, nehmen Sie den regionalen Apfel. Sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, ist auch der Neuseeland-Apfel okay.

Für die Wahl des leckeren Apfels aber kommt noch ein weiterer Aspekt in Betracht. Deutsche Äpfel fallen in die gleiche Kategorie wie deutsches Brot und Bier – bei jedem Auslandsaufenthalt denkt man sehnsüchtig an sie zurück. Aus gutem Grund: Deutschland hat eine riesige Apfelvielfalt zu bieten, es gibt über 1000 Sorten. Der größte neuseeländische Apfelexporteur ENZA bringt zehn Apfelsorten nach Deutschland. Ob die deutsche Apfelvielfalt weiterhin existieren wird, hängt zum großen Teil davon ab, ob diese Äpfel auch gekauft werden.

Jetzt schon werden nur etwa dreißig Sorten im größerem Umfang vermarktet, Supermärkte bieten meist nur Standardsorten an: Elstar, Jonagold, Jonared, Braeburn, Gala, Boskop und Golden Delicious. Sollten Sie also das Glück haben, vor einem Obstregal zu stehen, das Sorten wie Goldparmäne und Jakob Lebel anbietet, lassen sie den Neuseeland-Apfel links liegen, Saison hin oder her. Die langweiligen Sorten können sie später im Jahr ja immer noch essen.