GewissensbisseWelchen Apfel soll ich kaufen – den aus Neuseeland oder den aus Deutschland?

In der Serie "Gewissensbisse" erläutert Theresa Bäuerlein Grundfragen des Essens. Welchen Apfel soll ich kaufen, wenn es Winter wird – den aus Neuseeland oder den aus Deutschland? von 

Äpfel im Supermarkt: Apfel ist nicht gleich Apfel

Äpfel im Supermarkt: Apfel ist nicht gleich Apfel  |  © Gero Breloer/dpa

Es ist Februar, ich stehe vor dem Obstregal und will unbedingt einen Apfel essen: welchen nehme ich – den aus Neuseeland oder den aus Deutschland?

Das kommt drauf an, was Sie wollen: Den politisch korrekten Apfel – oder den leckeren.

Saisonales Obst schmeckt am Besten, weil es so lange wie möglich am Baum reift und so auch Äpfel. Die Haupterntezeit für Äpfel ist in Deutschland von August bis Anfang November, danach werden die Früchte im Kühlhaus eingelagert. Im Februar, wenn bei uns die letzten Äpfel aus den Lagerhäusern kommen, werden die ersten Früchte in Neuseeland gepflückt. Es ist also gut möglich, dass der Saisonapfel vom anderen Ende der Welt dann wirklich besser schmeckt, als das deutsche Lagerobst.

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Was aber ist besser für das Klima? Äpfel aus dem Kühlhaus oder Äpfel, die um die halbe Welt reisen, bevor sie im deutschen Obstregal landen? Das lässt sich nicht klar beantworten.

Theresa Bäuerlein
Theresa Bäuerlein

1980 in Bonn geboren. Studium der Journalistik an der Deutschen Journalistenschule und der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2003 ist Theresa Bäuerlein Autorin, vor allem für Neon, Essen & Trinken und die Süddeutsche Zeitung. Sie wohnt in Tel Aviv und Jaibling, Bayern.

Intuitiv scheint es natürlich besser, den regionalen Apfel zu wählen. Das ist aber nur begrenzt richtig. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und die Universität Bonn haben den Energieverbrauch neuseeländischer Äpfel mit dem von Äpfeln aus dem Kühllager verglichen und tatsächlich, der Energieverbrauch der neuseeländischen Äpfel war um 27 Prozent höher.

Aber die Transporteffizienz ist – auf den einzelnen Apfel umgerechnet – zweitrangig. Wichtiger als die Wahl zwischen regionalem und Überseeapfel ist nämlich die Frage, ob der Käufer per Auto oder zu Fuß vor dem Obstregel gelandet ist. Wer mit dem Auto fährt, hat der niederländische Bio-Großhändler Eosta ausgerechnet, macht den Umweltvorteil des regionalen Apfels zunichte. Für ein gutes Klimagewissen heißt das also: Wenn Sie mit dem Auto einkaufen, nehmen Sie den regionalen Apfel. Sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, ist auch der Neuseeland-Apfel okay.

Für die Wahl des leckeren Apfels aber kommt noch ein weiterer Aspekt in Betracht. Deutsche Äpfel fallen in die gleiche Kategorie wie deutsches Brot und Bier – bei jedem Auslandsaufenthalt denkt man sehnsüchtig an sie zurück. Aus gutem Grund: Deutschland hat eine riesige Apfelvielfalt zu bieten, es gibt über 1000 Sorten. Der größte neuseeländische Apfelexporteur ENZA bringt zehn Apfelsorten nach Deutschland. Ob die deutsche Apfelvielfalt weiterhin existieren wird, hängt zum großen Teil davon ab, ob diese Äpfel auch gekauft werden.

Jetzt schon werden nur etwa dreißig Sorten im größerem Umfang vermarktet, Supermärkte bieten meist nur Standardsorten an: Elstar, Jonagold, Jonared, Braeburn, Gala, Boskop und Golden Delicious. Sollten Sie also das Glück haben, vor einem Obstregal zu stehen, das Sorten wie Goldparmäne und Jakob Lebel anbietet, lassen sie den Neuseeland-Apfel links liegen, Saison hin oder her. Die langweiligen Sorten können sie später im Jahr ja immer noch essen.

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Leserkommentare
  1. Jetzt ist Apfelzeit in Deutschland.
    Also ißt man sie jetzt bzw. bis Ende Januar/Februar. Je nach Lagerfähigkeit. Wer einen Keller hat, ist klar im Vorteil.

    Danach verzichtet man auf den Genuß von Äpfeln. Verzicht führt dazu, daß die nächste Ernte um so besser schmeckt.

    Weiterer Vorteil: Keine Gewissensbisse - keine akademischen Tretübungen.

    2 Leserempfehlungen
    • redon
    • 21. Oktober 2010 16:52 Uhr

    Anmerkung: Bitte setzen Sie sich mit dem Artikel auseinander und üben Sie eine sachliche Kritik. Danke. Die Redaktion/km

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • redon
    • 21. Oktober 2010 17:56 Uhr

    Frau Bäuerle, ich habe etwas über ihre persönlichen Präferenzen gelernt. Elstar finde ich auch langweilig.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion/sh

    • Timo K
    • 21. Oktober 2010 16:52 Uhr

    Weil dem natürlich ein anderes Ergebnis auch sehr gelegen käme, man wird ja bestimmt auch als Händler regionaler Äpfel zum Großhändler.

    • redon
    • 21. Oktober 2010 17:56 Uhr

    Frau Bäuerle, ich habe etwas über ihre persönlichen Präferenzen gelernt. Elstar finde ich auch langweilig.

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion/sh

    Antwort auf "Qualitätsjournalismus"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Redon",
    Vielleicht haben wir in diesem Artikel (neben vielen anderen Informationen) auch etwas über Frau Bäuerleins persönliche Präferenzen gelernt. In Ihrem harschen Kommentar lerne ich jedoch auch lediglich etwas über Ihre Präferenzen, denn es geht darin vor allem um Ihr persönliches Geschmacksurteil und nicht um eine sachliche Kritik.

    Ich finde den Artikel jedenfalls interessant und informativ, ebenso wie den vorigen aus dieser Reihe.

    • Bo11
    • 21. Oktober 2010 18:18 Uhr

    Sind es Standartäpfel, weil die Vielfalt der Sorten von der Art des Standes (im Supermarkt) abhängt, oder sind es Standardäpfel, weil es häufige Sorten und damit durchschnittliche Apfelsorten sind?

    Soweit ich weiß, schreibt man im letzteren Fall weiterhin
    'Standard'

    Gruß,
    der Deutschlehrer

    Eine Leserempfehlung
  2. Diese Informationen kennt man doch schon. Interessant wäre mal ein Vergleich von unterschiedlichem Obst gewesen. CO2 pro Stück oder pro 100g aufgetragen über 12 Monate.

    Bananen
    Äpfel
    Kiwi
    Ananas
    etc.

    Und am besten das gleiche auch für Gemüse.

    ps: Ein sehr schöner Beitrag zu Ananas auf Guardian:
    http://www.guardian.co.uk...
    (Mir als Konsumenten geht es nicht nur um CO2)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Guardian-Ananas-Reportage hat übrigens einiges in Bewegung gesetzt: http://www.guardian.co.uk...

    Zugegebener Maßen sind die Zeit-Leser vielleicht nicht so engagiert, wie die des Guardian, aber vielleicht brauchen sie auch einfach den inhaltlichen Input...

  3. Die Guardian-Ananas-Reportage hat übrigens einiges in Bewegung gesetzt: http://www.guardian.co.uk...

    Zugegebener Maßen sind die Zeit-Leser vielleicht nicht so engagiert, wie die des Guardian, aber vielleicht brauchen sie auch einfach den inhaltlichen Input...

    Antwort auf "MEHR INFORMATIONEN!!!"

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  • Serie Gewissensbisse
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Energieverbrauch | Auto | Brot | Fahrrad | Neuseeland | Obst
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