Frisches Rindfleisch liegt in der Fleischtheke eines Bio-Supermarktes in Frankfurt am Main © Frank Rumpenhorst/dpa

Was soll ich kaufen: Biofleisch von Aldi oder das Schnitzel vom Metzger?
Das Schnitzel vom Metzger.

Aus drei Gründen: Sie unterstützen damit ein Handwerk, das unter Druck steht. Seit Anfang dieses Jahres noch mehr, da Metzger ihr Fleisch nur noch mit EU-Zulassung verkaufen dürfen. Es gibt immer weniger kleine Metzger, die handwerklich arbeiten. Und das ist nicht nur aus nostalgischen Gründen schade. Wenn ihr Metzger seinen Job gut macht, hat er mehr zu bieten, als ein Discounter es jemals könnte.

Das heißt erstens: Er kennt sein Produkt. Er kann Ihnen den Unterschied zwischen Gulasch vom Kamm und von der Hüfte erklären. Es gibt bei ihm nicht nur 08/15-Würste und -Steaks, sondern auch Spezialitäten, Suppenknochen, Innereien. Mindestens ebenso wichtig: Er schlachtet selbst oder kann zumindest sagen, wo sein Fleisch herkommt, und wie die Tiere behandelt wurden. Drittens schließlich besteht eine gute Chance, dass er mit Produzenten aus seiner Umgebung zusammen arbeitet. Den Tieren werden damit lange, qualvolle Transporte, eines der größten Probleme in der Fleischproduktion, erspart. Wenn Sie dann noch zu Fuß zum Metzger gehen, fällt die CO2-Bilanz ihres Schnitzels noch geringer aus – und das ist gut für’s Klima. Biosalami und Bioschnitzel von Aldi tragen das staatliche Biosiegel.

Man kann also davon ausgehen, dass die Wurst von einem Tier kommt, das etwas mehr Platz zum Leben hatte als ein Standardschwein. Zudem bekommen gesunde Tiere keine Medikamente und Hormone und fressen ökologisches Futter. Im Vergleich zu den Kriterien von Bioverbänden wie Demeter und Bioland sind die staatlichen Biosiegelansprüche aber vergleichsweise niedrig – so sind beispielsweise mehr Tiere pro Fläche erlaubt und bei der Verarbeitung Zusatzstoffe zugelassen. Außerdem können Tieren Hörner entfernt, Schnabelspitzen und Schwänze gestutzt werden. Ob Biofleisch wirklich gesünder ist als konventionelle Ware, ist eine Frage, die noch längst nicht wissenschaftlich geklärt werden konnte.

Zudem bedeutet "bio" nicht automatisch auch, dass die Produktions- und Verkaufsbedingungen fair sind. Aldis Biofleischsortiment etwa wird von einem der größten Fleischanbieter Europas, der B. & C. Tönnies Fleischwerk GmbH, bestückt. Groß heißt nicht unbedingt schlecht – nur hat Tönnies einen zweifelhaften Ruf. Das Unternehmen geriet in den letzten Jahren mehrfach in die Schlagzeilen, insbesondere wegen Dumpinglöhnen.

Auf der anderen Seite gibt es durchaus konventionelle Produzenten, die nach hohen Standards arbeiten. Die unter anderem vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und dem Deutschen Tierschutzbund gegründete Marke "Neuland" ist ein gutes Beispiel.

Allein ein kleines Ladengeschäft und das Schild "eigene Schlachtung" sind heute leider keine Garantie mehr für ein gutes Produkt. Viele Metzger verkaufen neben eigenen Würsten auch industrielle Massenware. Wenn Sie nicht sicher sind, wie sehr sie ihrem Fleischer vertrauen können: "Der Feinschmecker" hat eine Liste mit den 400 besten Metzgern Deutschlands herausgegeben. Besser noch: Reden Sie mit Ihrem Metzger. Verlassen Sie sich dabei ruhig ihrem Bauchgefühl. Es klingt schon fast wie ein Klischee, ist aber eine einfache Wahrheit: Fleischkauf ist Vertrauenssache.