Ich esse wahnsinnig gerne Thunfisch – aber ich weiß, wie viel Schindluder da getrieben wird. Muss ich aufhören, Thunfisch zu essen?

Ehrlich gesagt: Ja.
Zumindest wenn es um roten Thunfisch geht. Laut einer Analyse des WWF werden im Mittelmeer schon 2012 keine roten Thunfische mehr schwimmen. Der Fisch ist so beliebt, dass Länder wie Spanien und Frankreich die Fangquoten weit überschreiten. Hinzu kommt die illegale Fischerei. Sushi-Liebhaber sollten sich diese Delikatesse also jetzt lieber verkneifen, damit es sie ihn Zukunft noch gibt.

Im Grunde geht es bei dieser Frage aber nicht nur um Thunfisch, sondern darum, dass es überhaupt immer weniger Fische gibt, die man mit gutem Gewissen essen kann. Der Thunfisch ist nur ein sehr bekanntes Beispiel für allgemeine Missstände im Fischfang – und vermutlich deswegen so berühmt geworden, weil zu den Opfern des Thunfischfangs der Sympathieträger Delfin gehört.

Fisch hat als Nahrungsmittel ein gutes Image, das längst nicht mehr gerechtfertigt ist. Viele Fische sind mit Umweltgiften belastet, die meisten Arten überfischt. Fischer ziehen also mehr Tiere aus dem Wasser, als durch natürliche Vermehrung nachwachsen können. Aquakulturen, in denen Fische gezüchtet werden, sind nur dann eine Alternative, wenn man Massentierhaltung in Ordnung findet: Die Probleme an Land und im Wasser (hoher Energieaufwand, Antibiotika, Tierquälerei) sind hier sehr ähnlich.

Aber auch die Fangmethoden im offenen Meer lassen, milde gesagt, zu wünschen übrig: Beim Thunfischfang werden Millionen anderer, unerwünschter Tiere als Beifang sinnlos getötet. Darunter nicht nur Delfine, sondern auch Haie, Schildkröten, Vögel und sogar Wale.

Die gute Nachricht lautet, dass es Labels gibt, die akzeptablen Fisch kennzeichnen. Das kalifornische Earth Island Institute vergibt das Siegel "Safe" an Firmen, die an einem Kontrollprogramm teilnehmen, das den Tod von Delfinen beim Tunfischfang verhindern soll. Auf der Website www.delfinschutz.org kann man eine entsprechende Liste delfinfreundlicher Thunfischmarken herunterladen.

Anders als das neue Siegel "Safe", das ein geschütztes und eingetragenes Warenzeichen ist, sind viele Siegel oder Aufdrucke wie zum Beispiel "delfinfreundlich gefangen" in Deutschland nicht markenrechtlich geschützt. Sie können daher auch von Importeuren verwendet werden, die nicht dem Kontrollprogramm angeschlossen sind. Das bestätigen sowohl Greenpeace wie auch die Gesellschaft zur Rettung der Delfine (GDR).

Ein weiteres gutes Label ist das MSC Siegel des Marine Stewardship Council, das Fischer ausweist, die auf Nachhaltigkeit achten. Auch Fisch aus Öko-Aquakulturen ist akzeptabel, da ökologische Fischfarmen tier- und umweltfreundlicher arbeiten. Neben dem Fischführer von Greenpeace ist auch der Einkaufsratgeber "Fisch und Meeresfrüchte" des WWF beim Fischkauf eine gute Entscheidungshilfe. Sie zeigen auf einen Blick, welche Fische man guten Gewissens kaufen kann – und welche man lieber beim Händler liegen lässt.