Gewissensbisse Muss ich aufhören, Thunfisch zu essen?
Bio oder Fair Trade? Handwerk oder Siegel? In der Serie "Gewissensbisse" erläutert Theresa Bäuerlein Grundfragen des Essens. In der neuen Folge: Kann man überhaupt noch Thunfisch essen?
© Tim Brakemeier/dpa

Gewogen und mit Preisangaben versehen liegen Thunfische in einer Fischmarkthalle in Tokyo zum Verkauf aus
Ich esse wahnsinnig gerne Thunfisch – aber ich weiß, wie viel Schindluder da getrieben wird. Muss ich aufhören, Thunfisch zu essen?
Ehrlich gesagt: Ja.
Zumindest wenn es um roten Thunfisch geht. Laut einer Analyse des WWF werden im Mittelmeer schon 2012 keine roten Thunfische mehr schwimmen. Der Fisch ist so beliebt, dass Länder wie Spanien und Frankreich die Fangquoten weit überschreiten. Hinzu kommt die illegale Fischerei. Sushi-Liebhaber sollten sich diese Delikatesse also jetzt lieber verkneifen, damit es sie ihn Zukunft noch gibt.
Im Grunde geht es bei dieser Frage aber nicht nur um Thunfisch, sondern darum, dass es überhaupt immer weniger Fische gibt, die man mit gutem Gewissen essen kann. Der Thunfisch ist nur ein sehr bekanntes Beispiel für allgemeine Missstände im Fischfang – und vermutlich deswegen so berühmt geworden, weil zu den Opfern des Thunfischfangs der Sympathieträger Delfin gehört.
1980 in Bonn geboren. Studium der Journalistik an der Deutschen Journalistenschule und der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2003 ist Theresa Bäuerlein Autorin, vor allem für Neon, Essen & Trinken und die Süddeutsche Zeitung. Sie wohnt in Tel Aviv und Jaibling, Bayern.
Fisch hat als Nahrungsmittel ein gutes Image, das längst nicht mehr gerechtfertigt ist. Viele Fische sind mit Umweltgiften belastet, die meisten Arten überfischt. Fischer ziehen also mehr Tiere aus dem Wasser, als durch natürliche Vermehrung nachwachsen können. Aquakulturen, in denen Fische gezüchtet werden, sind nur dann eine Alternative, wenn man Massentierhaltung in Ordnung findet: Die Probleme an Land und im Wasser (hoher Energieaufwand, Antibiotika, Tierquälerei) sind hier sehr ähnlich.
Aber auch die Fangmethoden im offenen Meer lassen, milde gesagt, zu wünschen übrig: Beim Thunfischfang werden Millionen anderer, unerwünschter Tiere als Beifang sinnlos getötet. Darunter nicht nur Delfine, sondern auch Haie, Schildkröten, Vögel und sogar Wale.
Die gute Nachricht lautet, dass es Labels gibt, die akzeptablen Fisch kennzeichnen. Das kalifornische Earth Island Institute vergibt das Siegel "Safe" an Firmen, die an einem Kontrollprogramm teilnehmen, das den Tod von Delfinen beim Tunfischfang verhindern soll. Auf der Website www.delfinschutz.org kann man eine entsprechende Liste delfinfreundlicher Thunfischmarken herunterladen.
Anders als das neue Siegel "Safe", das ein geschütztes und eingetragenes Warenzeichen ist, sind viele Siegel oder Aufdrucke wie zum Beispiel "delfinfreundlich gefangen" in Deutschland nicht markenrechtlich geschützt. Sie können daher auch von Importeuren verwendet werden, die nicht dem Kontrollprogramm angeschlossen sind. Das bestätigen sowohl Greenpeace wie auch die Gesellschaft zur Rettung der Delfine (GDR).
Ein weiteres gutes Label ist das MSC Siegel des Marine Stewardship Council, das Fischer ausweist, die auf Nachhaltigkeit achten. Auch Fisch aus Öko-Aquakulturen ist akzeptabel, da ökologische Fischfarmen tier- und umweltfreundlicher arbeiten. Neben dem Fischführer von Greenpeace ist auch der Einkaufsratgeber "Fisch und Meeresfrüchte" des WWF beim Fischkauf eine gute Entscheidungshilfe. Sie zeigen auf einen Blick, welche Fische man guten Gewissens kaufen kann – und welche man lieber beim Händler liegen lässt.
- Datum 28.10.2010 - 16:06 Uhr
- Serie Gewissensbisse
- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich finde gut, dass die Zeit diese Serie weiterführt und bin schon gespannt auf das nächste Thema!
...auch wenn sich wieder welche finden werden die es nicht glauben wollen.
Thunfisch steht kurz vor dem aus und je seltener sie werden desto mehr Kollateralschaden entsteht wenn man ihm trotzdem fangen will.
Einfach mal ein paar alte Fischer fragen wie es aussieht im Meer.
Aber Vorsicht, die Antwort ist sehr deprimierend.
Ich glaube "siegeln" "Save" "Bio" oder "Fair trade" mittlerweile kein einziges Wort mehr. Tunfisch, esse ich seit 10Jahren nicht mehr. Das ist die einzigste Antwort die wirkt.
Ich traue auch irgendwelchen Siegeln nicht, ich würde es gern, aber es ist wahrscheinlich nur ein Marketinginstrument und eine Rechtfertigung für höhere Preise.
Verkneife mir seit einiger Zeit auch Thunfisch, nur ganz selten gönne ich mir mal eine Thunfischpizza, obwohl das meines Wissens nach nichtmal roter Thun ist.
Wenn man Thunfisch in Aquakulturen züchten könnte oder sogar künstlich herstellen würde ich das aber wieder ändern.
Schreiben Sie das nächste Mal "verloren" und das "einzige" und Sie werden auch von denen verstanden, die in der Schule besser aufgepasst haben.
Ich traue auch irgendwelchen Siegeln nicht, ich würde es gern, aber es ist wahrscheinlich nur ein Marketinginstrument und eine Rechtfertigung für höhere Preise.
Verkneife mir seit einiger Zeit auch Thunfisch, nur ganz selten gönne ich mir mal eine Thunfischpizza, obwohl das meines Wissens nach nichtmal roter Thun ist.
Wenn man Thunfisch in Aquakulturen züchten könnte oder sogar künstlich herstellen würde ich das aber wieder ändern.
Schreiben Sie das nächste Mal "verloren" und das "einzige" und Sie werden auch von denen verstanden, die in der Schule besser aufgepasst haben.
Sehr geehrte Frau Baeuerlein,
Schildkroeten Wale und Voegel sind keine Fische.
MfG, Mr-Burns
Lieber Mr-Burns,
Sie haben natürlich recht. Die Passage wurde geändert, nun ist statt von Fischen von Tieren die Rede.
Mit freundlichen Grüßen
Daniel Erk
Lieber Mr-Burns,
Sie haben natürlich recht. Die Passage wurde geändert, nun ist statt von Fischen von Tieren die Rede.
Mit freundlichen Grüßen
Daniel Erk
....müssen Sie es jetzt essen oder nie.
steht doch ganz deutlich im artikel drinne:
"Nehmen Sie mit was Sie kriegen können."
In paar Jahren werden Thunfische garnicht mehr fangbar sein oder sündhaft teuer. Machen Sie also mal am Wochenende eine Fischfressorgie mit beinah ausgestorbenen Tieren damit der Japp für die nächsten Jahre gedeckt ist. Und nicht vergessen das Gewissen auszuschalten, denn es gilt wie immer: "Hauptsache ich und nach mir die Sintflut."
steht doch ganz deutlich im artikel drinne:
"Nehmen Sie mit was Sie kriegen können."
In paar Jahren werden Thunfische garnicht mehr fangbar sein oder sündhaft teuer. Machen Sie also mal am Wochenende eine Fischfressorgie mit beinah ausgestorbenen Tieren damit der Japp für die nächsten Jahre gedeckt ist. Und nicht vergessen das Gewissen auszuschalten, denn es gilt wie immer: "Hauptsache ich und nach mir die Sintflut."
Das schlimme ist auch, dass man in jedem Billigdiscounter eine Regalfront mit zehn verschiedenen Thunfischprodukten findet. Oder dass Thunfisch der Standartfisch ist als Pizzabelag oder Sandwich. Alle geben dem weltweiten Sushi-Boom die Schuld. Ich bin kein Experte, aber es würde vielleicht auch schon helfen, wenn Thunfisch nur noch als Sushi gegessen und aus den Supermärkten verschwinden würde.
Ich selbst missionie schon seit einiger Zeit meinen Dunstkreis und versuche meine Mitmenschen mit wechselndem Erfolg für dieses Thema zu sensibilisieren.
Mal fünf Jahre keinen Thunfisch im Mittelmeer zu fangen wäre sicher keine schlechte Idee. Das drohende Aussterben kann auf den Konsumenten zweilerlei Wirkung haben. Man könnte wählen ihn nicht zu essen, damit man ihn in zehn Jahren noch essen kann. Man könnte ihn aber auch jetzt bevorzugt essen, weil es ihn in zehn Jahren nicht mehr geben wird.
Nicht die Dosen sind das Hauptproblem, sondern der Verzehr von Sushi. Neunzig Prozent des weltweit gefangenen Thunfischs wird in Form von Rohfischgerichten verzehrt, die restlichen Prozente wandern in Dosen und auf die erwähnten Pizzen. Das Problem verschärft sich noch dadurch, daß in den Rohfischgerichten nicht der zahlenmäßig vergleichsweise stabile und relativ schadstoffarme gelbe Thunfisch verwendet wird, sondern der akut vom Aussterben bedrohte und stärker mit Schwermetallen belastete rote Thunfisch.
Nicht die Dosen sind das Hauptproblem, sondern der Verzehr von Sushi. Neunzig Prozent des weltweit gefangenen Thunfischs wird in Form von Rohfischgerichten verzehrt, die restlichen Prozente wandern in Dosen und auf die erwähnten Pizzen. Das Problem verschärft sich noch dadurch, daß in den Rohfischgerichten nicht der zahlenmäßig vergleichsweise stabile und relativ schadstoffarme gelbe Thunfisch verwendet wird, sondern der akut vom Aussterben bedrohte und stärker mit Schwermetallen belastete rote Thunfisch.
Nicht die Dosen sind das Hauptproblem, sondern der Verzehr von Sushi. Neunzig Prozent des weltweit gefangenen Thunfischs wird in Form von Rohfischgerichten verzehrt, die restlichen Prozente wandern in Dosen und auf die erwähnten Pizzen. Das Problem verschärft sich noch dadurch, daß in den Rohfischgerichten nicht der zahlenmäßig vergleichsweise stabile und relativ schadstoffarme gelbe Thunfisch verwendet wird, sondern der akut vom Aussterben bedrohte und stärker mit Schwermetallen belastete rote Thunfisch.
Nicht die Dosen sind das Hauptproblem, sondern der Verzehr von Sushi. Neunzig Prozent des weltweit gefangenen Thunfischs wird in Form von Rohfischgerichten verzehrt, die restlichen Prozente wandern in Dosen und auf die erwähnten Pizzen. Das Problem verschärft sich noch dadurch, daß in den Rohfischgerichten nicht der zahlenmäßig vergleichsweise stabile und relativ schadstoffarme gelbe Thunfisch verwendet wird, sondern der akut vom Aussterben bedrohte und stärker mit Schwermetallen belastete rote Thunfisch.
Thunfisch essen wir schon seit etlichen Jahren nicht mehr.
Die im Beitrag geschilderten Probleme (Beifang, Überfischung) sind schon seit Jahren bekannt.
Lieber Mr-Burns,
Sie haben natürlich recht. Die Passage wurde geändert, nun ist statt von Fischen von Tieren die Rede.
Mit freundlichen Grüßen
Daniel Erk
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