Traditionen : Französische Küche zum Weltkulturerbe ernannt

Lammkeule, Rotwein, eine delikate Käseauswahl: Die Spezialitäten haben auch die Unesco überzeugt: Sie hat die "Cuisine Française" als immaterielles Kulturgut anerkannt.
Das Pariser Restaurant "Le Train Bleu" bietet seinen Gästen eine riesige Käseauswahl © Luis Davilla/Getty Images

Für Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy war die Sache klar: "Wir haben die beste Küche der Welt!" So selbstbewusst hatte er im Februar 2008 die Bewerbung seines Landes für die Liste der immateriellen Kulturgüter verkündet. Nun hat ihn die Unesco erhört und die französische Küche zum Weltkulturerbe ernannt. Die Cuisine française sei in Frankreich die gebräuchliche Art, die "wichtigsten Momente im Leben zu feiern", begründete die Weltkulturorganisation ihre Entscheidung.

Unterstützt hatten die Kampagne Sterneköche wie Paul Bocuse und Alain Ducasse. Sie wollten verdeutlichen, dass in Zeiten des Fast Foods auch im Land des guten Essens immer mehr Familien in den Schnellimbiss gehen oder zu Tiefkühlkost greifen. Das traditionelle Essen mit Apéritif, Vorspeise, Hauptgericht, Nachtisch, Käse und Kaffee finde nur noch selten statt und müsse deshalb als Kulturerbe besonders geschützt werden.

Kritische Stimmen allerdings stellten diese Argumentation infrage. Sie bezweifeln, dass die französische Küche wirklich so sehr vom Verfall bedroht ist, dass sie eine Aufnahme ins Kulturerbe braucht. 

Diese Zweifel wies das Bewerberkomitee jedoch zurück. "Die Mahlzeiten werden immer kürzer", bemerkte das Mitglied Annick Vin und verwies auf das Ziel der Bewerbung, vor allem die junge Generation anzusprechen. "Es ist notwendig, die Kinder hier zu erziehen, um einem neuen Trend vorzubeugen". Auf dem Bewerbungsvideo ist deshalb zu sehen, wie Kinder in der Küche mithelfen, um dann am liebevoll gedeckten Tisch zu sagen: "Es schmeckt gut".

Die Unesco hat seit 2006 eine Konvention, die auch den Schutz von "immateriellem Weltkulturerbe" zulässt. Dazu gehören Bräuche, Handwerkstechniken, Tänze und auch Speisen. Bislang wurde aber noch keine Landesküche anerkannt. Beworben hatte sich in diesem Jahr auch die Mittelmeerküche, deren Chance auf einen Titel durch die Entscheidung für Frankreich aber arg geschwunden sein dürfte.

Noch bis kommenden Freitag beraten die Unesco-Experten über zahlreiche weitere Vorschläge. Beantragt wurde eine besondere Anerkennung etwa für die Peking-Oper oder die Springprozession im luxemburgischen Echternach. Insgesamt gab es dieses Jahr 51 Kandidaten für den Titel des nicht materiellen Kulturerbes, darunter auch der spanische Flamenco, das kroatische Gewürzbrot und die tschechischen Faschingsmasken.

Kommentare

32 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Nicht das Essen,

sondern die Küche. Das ist das was vor dem Essen kommt und mehr umschließt als eine Mikrowelle.

Außerdem ist unterernährten Menschen nicht geholfen, wenn man selber hungert. Saisonales Kochen mit Zutaten aus der Region, vom Erzeuger Ihrer Wahl ist nachhaltig. Und zu einem kleinen Teil nutzt es auch den Unterernährten.
Um das zu erklären reichen 1500 Zeichen nicht aus.
Leider macht die haute cuisine hier noch zu wenig.

Aber irgendwie übertreibt es die UNESCO mit ihren Weltkulturerben.

MfG
AoM

dass irgendwelchen Urwaldpoeten der Literaturnobelpreis

von gutmenschelnden Hanseln aus Gründen der Political Correctness hinterher geworfen wird, ist man ja schon gewöhnt.

Aber kroatisches Gewürzbrot? Faschingsmasken? Das soll also auszeichnungswürdig sein. Aha. Ganz große Momente menschlicher Genialität, wenn eine kroatische Bäuerin so einen Teig zusammenknetet. Schwammiges Weißbrot, gereicht zur original Französischen Stopfleber, direkt von der gemästeten Gans.

Man wartet auf den Tag, an dem sich die UNOESCO selbst zum sakrosankten Kulturerbe der Menschheit erklärt. Denn was so dämlich ist, muß ja irgendwie einzigartig sein.

Urwaldpoet???

Mich würde schon sehr interessieren, wen Sie denn mit "Urwaldpoet" meinen.

Mich stört der von Ihnen verwendete Begriff "gutmenschelnde Hanseln" doch sehr.
Gute Menschen brauchen wir nämlich in dieser abgefuckten Welt deutlich mehr statt weniger, also Menschen, die über ihr eigenes Handeln reflektieren und sich für Handlungen und Dinge entscheiden, die das Leid der Welt vermindern.

Ich ernenne, also bin ich...

Was sollen diese lächerlichen Ernennungen zu irgendwas? Wen interessierts? Was ist der Sinn des ganzen? Wer hat die unesco beauftragt irgendwelche Dinge zu betiteln? Wer hat sie zum Ernenner ernannt? Ich ernenne die unesco jetzt zur "Ist- fürn- Hintern- Institution". Glückwunsch.

Kulturerbe...

...das kann heute eigentlich alles sein.

Warum denn nicht die Müllhalde von nebenan? Als Erinnerung an die ökologischen vergehen des Menschen?

Bisher hat man in eigentlich schöne Landschaften und historische Monumentalbauten auf die Liste des Weltkulturerbe gesetzt.

Bei den Bauten mag man streiten - ich mag historische Gebäude, andere werden sie weniger interessant/wichtig finden.
Landschaften - diese sind durchaus schützenswert - auch alleine weil Zerstörung a la "abtragen eines Berges" nicht ohne weiteres rückgängig gemacht werden können, dennoch muss man auch in diesem Fall immer hinterfragen ob eine Landschaft schützenswert ist.
Ein Feld ist es nicht, ein Flusstal kann es durchaus sein.

Aber Speisen? Und wenn die Französische Küche verloren geht, na und? Wen stört es? Das heißt wohl dass es den Leuten nicht mehr schmeckt.
Vor allem kann man Gerichte eigentlich immer nachkochen - auch in 20 Jahren, vorausgesetzt das Rezept bleibt erhalten - es ist nicht einzigartig und ohne weiteres unrekonstruierbar wie historische Gebäude oder Landschaften.
Und die Französische Küche - warum denn nicht die polnische, russische, Englische (Fast Food - "So ungesund kann der Mensch leben")? Über Geschmack kann man ja bekanntlich streiten - was dem einen schmeckt mag ein anderer als ungenießbar bezeichnen.

Es scheint mir als ob die Unesco nach neuen Aufgaben sucht - aber bitte, dann nicht indem man jede Kleinigkeit zum Weltkulturerbe ernennt.

Ups... sollte Korrekturlesen:

Der Satz "Landschaften - diese sind durchaus schützenswert - auch alleine weil Zerstörung a la "abtragen eines Berges" nicht ohne weiteres rückgängig gemacht werden können, dennoch muss man auch in diesem Fall immer hinterfragen ob eine Landschaft schützenswert ist."

Sollte eher folgendermaßen lauten:
"Landschaften - diese sind durchaus schützenswert - auch alleine weil Zerstörung a la "abtragen eines Berges" nicht ohne weiteres rückgängig gemacht werden kann, dennoch muss man auch in diesem Fall immer hinterfragen ob eine Landschaft schützenswert ist."

Und es gibt auch noch ein paar andere Tippfehlerchen...