Kann ich einfach guten Gewissens irgendeinen Honig kaufen? Oder gibt es etwas, worauf ich achten sollte?
Am besten kaufen Sie heimischen Honig. Wenn Sie den nicht kriegen, ist auch einer aus fairem Handel eine gute Wahl.

Bei kaum einem Lebensmittel ist die Auswahl so groß wie bei Honig. Das betrifft nicht nur Konsistenz und Aromen – von dunklem, flüssigem Tannen- bis zu hellem, streichfesten Kleehonig –, sondern auch die verwirrende Bandbreite an moralischen Fragen, die der Kauf aufwerfen kann. Es gibt sehr teuren und sehr billigen Honig, fair gehandelten, regionalen, deutschen, Import-Honig – und das alles sortenrein oder gemischt, ökologisch erzeugt oder konventionell. Das Honig-Dilemma ist noch komplizierter als die Kaffeefrage.

Und es ist durchaus relevant, denn keine Nation der Welt liebt Honig so sehr wie die Deutschen. Wie der Honig-Verband berichtet, verbraucht der Deutsche im Durchschnitt 1,3 Kilo pro Jahr. Und weil die deutschen Bienen diesen Bedarf bei Weitem nicht decken, kommt 80 Prozent unseres Honigs aus dem Ausland. "Sehr viel Honig bekommen wir aus Süd- und Zentralamerika, aber auch aus Europa", gibt etwa Langnese an, der Marktführer in Deutschland.

Bio-Honig ist ein schwieriger Begriff, weil Bienen sich nicht hundertprozentig kontrollieren lassen. Um echten Bio-Honig herzustellen, müsste ein Imker theoretisch dafür sorgen, dass seine Bienen nur Pflanzen anfliegen, die weder mit Pestiziden noch mit Gentechnik behandelt worden sind. Das kann natürlich kein Imker hundertprozentig garantieren. Die Rechtsvorschriften des ökologischen Landbaus sind bei Bio-Honig deshalb vor allem darauf ausgerichtet, welche Mittel gegen Bienenkrankheiten der Öko-Imker verwenden darf, aus welchen Materialien die Bienenkästen bestehen müssen und mit welchen Mitteln der Honig desinfiziert werden kann.

Untersuchungen haben ergeben, dass in Honig mittlerweile sehr häufig gentechnisch veränderte Pollen gefunden werden. Unbelastet waren bei einem Test der Zeitschrift Ökotest nur der Honig von deutschen Imkern, aus Südosteuropa und aus dem fairen Handel. Für deutsche Sorten spricht zudem, dass dieTransportwege kürzer sind, was sich wiederum in der CO2-Bilanz niederschlägt. Die aber, wie bei allen Lebensmitteln, nur dann wirklich besser ausfällt, wenn man zu Fuß oder mit dem Fahrrad einkauft, beziehungsweise beim Einkaufen mit dem Auto möglichst viele Gläser auf einmal mitnimmt.

Für fair gehandelten Honig spricht, dass der größte Teil des Import-Honigs aus Entwicklungsländern kommt. Für Honig gibt es, im Gegensatz zu Kaffee, keinen festen Weltmarktpreis, weil er nicht an der Börse gehandelt wird. Deshalb gibt es hier im internationalen Handel enorme Preisdifferenzen. Ob das Glas 99 Cent oder 12 Euro kostet, sagt nichts darüber aus, wie viel der Imker, der das Produkt erzeugt hat, von dieser Summe zu sehen bekommt. Ein gutes Label ist Fairtrade – das wird vom Bundesverband Verbraucherinitiative empfohlen. Nur bei fair gehandeltem Honig kann man sicher sein, dass der Preis des süßen Aufstrichs die Kosten des Produzenten deckt. Der faire Honig-Handel hat zudem den Anspruch, erwirtschaftete Gewinne in lokale Infrastrukturen und Projekte zu investieren.

Übrigens: Die Bezeichnung kaltgeschleudert ist Quatsch. Sie soll wohl an kaltgepresstes Olivenöl erinnern, hat aber keine Bedeutung. Warmgeschleuderten Honig gibt es nicht.