GewissensbisseWas soll ich kaufen – Kuh- oder Sojamilch?

In der Serie "Gewissensbisse" erläutert Theresa Bäuerlein Grundfragen des Essens. In der neuen Folge: Was belastet die Klimabilanz mehr – Soja- oder Kuhmilch? von 

Was ist besser für's Klima – der Griff zur Frischmilch oder der zum Sojaersatz?

Was ist besser für's Klima – der Griff zur Frischmilch oder der zum Sojaersatz?  |  © REUTERS/Alexandra Beier

Soll ich Sojamilch kaufen? Oder ist das für das Klima noch schlechter, weil dafür Regenwald abgeholzt wird?
Ganz einfach: Kaufen Sie das, was Sie lecker finden.

Die Sorge, Ihr Soja Latte könnte das Klima weiter aufheizen, ist relativ unbegründet. Zwar stimmt es, dass die Produktion von Sojabohnen große Flächen des Regenwalds zerstört.

Das braucht Sie als Sojamilchtrinker aber aus zwei Gründen nicht zu belasten: Erstens sind die Bohnen für die Sojamilch, die Sie hier bekommen, meist weit entfernt vom Regenwald gewachsen. Was Sie hier in normalen Supermärkten finden, wird meistens Sojamilch des europäischen Marktführers Alpro Soya sein. Und der bezieht seine Bohnen hauptsächlich aus Kanada und Frankreich.

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Theresa Bäuerlein
Theresa Bäuerlein

1980 in Bonn geboren. Studium der Journalistik an der Deutschen Journalistenschule und der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2003 ist Theresa Bäuerlein Autorin, vor allem für Neon, Essen & Trinken und die Süddeutsche Zeitung. Sie wohnt in Tel Aviv und Jaibling, Bayern.

Zweitens landen die meisten Bohnen, die auf abgeholzten Regenwaldflächen wachsen, nicht in Milchgetränken, sondern in Tierfutter. Wenn Sie also keine Milch vertragen oder Sojamilch einfach lecker finden: nur zu.

Sie brauchen aber auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn Sie lieber Kuhmilch trinken. Es heißt zwar immer wieder, Kühe würden per Flatulenz das Klima aufheizen, weil sie beim Verdauen das Treibhausgas Methan produzierten. Das ist grundsätzlich schon richtig: Methan entsteht, wenn organische Stoffe zersetzt werden, zum Beispiel in Sümpfen oder in Mägen von Wiederkäuern. Aber es ist, wie so oft, nur die Hälfte der Wahrheit.

Sicher: Jene hochgezüchteten Turbokühe, die in Massenställen stehen und vor allem Kraftfutter essen, sind tatsächlich fleischgewordene Milchfabriken – und produzieren entsprechende Emissionen. Kühe, die auf Weiden grasen, bewirken dagegen einen interessanten Doppeleffekt: Zwar rülpsen und blähen sie teilweise sogar noch mehr Methan, als ihre Kollegen im Stall.

Gleichzeitig aber verbessern ihr Grasen und die Fäkalien, die sie dabei fallen lassen, die Bodenqualität – sofern der Bauer etwas von Beweidung versteht und öfter einmal die Weide wechselt. Und ein guter Boden bindet Treibhausgase. Manche Anbauverbände, wie Demeter, machen sich den Weidegang der Kühe daher ausdrücklich zur Regel, dem Klima zu Liebe.

Aber auch bei konventioneller Milch ist die Klimabilanz nicht so schlecht, wie oft behauptet wird: In einer in diesem Sommer veröffentlichten Studie verglichen schwedische und amerikanische Forscher Getränke wie Kuhmilch, Sojamilch, Orangensaft und Hafermilch in Bezug auf ihre Klimabilanz. Kuhmilch schnitt in dieser Liste überraschenderweise am besten ab.

Grund dafür ist eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung: Zwar erzeugt die Produktion von Kuhmilch mehr Emissionen als etwa Sojamilch – aber die Nährstoffdichte der Kuhmilch ist so hoch, dass pro Emissionseinheit mehr Nährwert herausspringt.

Welche Milch Sie kaufen, ist in diesem Fall also tatsächlich mehr eine Geschmacks- als eine Gewissensfrage.

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    • Serie Gewissensbisse
    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Getränk | Klima | Produktion | Regenwald | Soja | Tierfutter
    • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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