Eine Fahrt durch die Republik. Ein hoch renommiertes Sternerestaurant hier, eine angesehene Weinstube dort. Doch der Blick auf die Weinkarten zeigt: überall gibt es das Gleiche. Die gleichen Rieslinge von der Mosel, aus der Pfalz und aus Rheinhessen; die immer gleichen Silvaner und Weißburgunder aus Franken und Württemberg; die gleichen Spätburgunder aus Baden; die gleichen namhaften Italiener und Franzosen, die man einfach auf der Karte haben muss. Gute Weine, keine Frage. Aber – gäähhn – wie langweilig.

Es gibt sogar Weinkarten, die sind so dick, dass man den schwitzenden "Gourmet" vom Nebentisch damit erschlagen kann. Und was finde ich da drin? Vielfalt? Nein. Dafür aber zehn oberwichtige Bordeaux mit allen Jahrgängen, zurück bis 1966. Doch einen einfachen Cru Burgeois aus einem trinkbaren und aktuellem Jahrgang, etwa einen Sociando Mallet 2004 oder einen Meney 2005 (beide früher gerne Gäste auf deutschen Weinkarten), kann ich nicht finden. Nur Mouton, Lafite, Petrus, Le Pin, etc.. Verkauft sich das? Selten.

Bevor jetzt das Stöhnen und Jammern über dieses Gejammer beginnt, muss festgehalten werden, dass die Weinauswahl in den deutschen Restaurants heute viel besser ist als vor zehn Jahren. Und dass man Händlern, wie etwa Wein & Glas in Berlin, dankbar sein darf, dass sie sich nach neuen und interessanten Winzern umsehen. Weltweit. Aber die paar Dutzend Händler, die sich noch über das Verlangte hinaus engagieren, können die Vielfalt des Angebots nicht aufarbeiten und repräsentieren.

Zu viele Sommelières und Sommeliers verlassen sich auf das Angebot angestammter Händler. Und bestellen, ohne vorzukosten. Immer weniger Mitarbeiter der Restaurants fahren durch die Weinregionen und probieren vor Ort. Das hat vielerlei Gründe. Der wichtigste Grund ist die allgemeine Zeitknappheit. Alles geht, doch keiner hat eine freie Minute. Und so kommen nur wenige Termine zustande, diese vor allem bei den wichtigsten Winzern, die unbedingt auf der Karte aufscheinen müssen. Dort fährt man auch gerne hin, denn man kauft eine erhebliche Menge Flaschen ein. Das macht gute Stimmung. Und natürlich, so hört man die Gastronomen oft klagen, gibt es heute auch viel mehr interessante Winzer als früher. Wer soll die alle besuchen? Das sollen die Händler tun.

Selbst bei zusammenfassenden Veranstaltungen, etwa Messen oder große Verkostungen, kommen fast nur noch Händler. Bis auf wenige Mitarbeiter bekannter Restaurants treffe ich dort stets nur andere, private Weinenthusiasten. Und alle strömen sofort zu den bekanntesten Produzenten, manch ein Winzer sieht sich mit seinem guten Wein in die zweite Reihe gestellt. Mein Fazit: Händler und Gastronomen machen es sich zu bequem. Und zeigen uns nicht die ganze Welt der Weine. Schon gar nicht der deutschen Weine.

Ein Besuch in der Pfalz. Bei einem Winzer, der nicht genannt werden will, der aber heuer schon drei Preise gewonnen hat und auch die Jahre davor Auszeichnungen sammelte. Sein einfacher, sehr feingliedriger und eleganter Riesling kostet ab Hof 4,50 Euro, die exzellente Spätlese 11,90 Euro. Beides sehr gute, sehr konsumentenfreundliche Weine. Doch er wird nicht alle davon verkaufen.

Denn die großen Händler machen einen Bogen um ihn. Nicht absichtlich, denn die großen Händler haben zu wenig Personal, alles zu erfassen, was der Markt anbietet. Ein Mitarbeiter eines bekannten Weinhandels gestand mir, dass auch dieses Jahr manch ein Probepaket im Lager liegen bleibt. So verkauft unser Winzer eben seinen Wein im regionalen Markt, denn dort kennt man ihn und mag sein Angebot. Ein interessierter Weintrinker in Berlin oder Münster aber wird die interessanten Flaschen selten zu Gesicht bekommen. Es sei denn, er fährt in die Region. Manche meinen, das sei sowieso besser.