Was muss ich für ein Hühnchen ausgeben, um zumindest annehmbare Qualität zu bekommen?
Mehr, als Sie vermutlich gerne bezahlen wollen. Und mehr, als sehr viele bereit sind, tatsächlich zu bezahlen.

Während bei Eiern mittlerweile ein recht großer Teil der Käuferschaft Bioprodukte aus dem Regal nimmt, ist der Absatz von Bio-Hühnchen noch sehr gering. Eigentlich klingt das unlogisch: Eier von Freilandhühnern kaufen, beim Fleischkauf aber die Billigware wählen. Wäre da nicht der Preis.

Denn bei Bio-Hühnern macht sich der Preisunterschied zwischen Massenbetrieb und biologischer Aufzucht viel schmerzlicher bemerkbar als beim Ei: Während konventionell erzeugtes Hühnerfleisch für rund zwei bis vier Euro pro Kilo zu haben ist, kostet die Öko-Alternative leicht das Doppelte bis Dreifache. Der Preis hängt direkt mit der Art und Weise zusammen, wie die Hühner aufwachsen. 

Normale Masthühnchen sind auf Leistung getrimmt. Sie wachsen innerhalb kürzester Zeit vom Küken zum schlachtreifen Brocken heran. Dank Kraftfutter und auf schnellstes Fleischwachstum gezüchtete Rassen dauert das heute nur noch etwa fünf Wochen. Zwar setzen die Tiere schnell viel Fleisch an, aber ihre Entwicklung ist nicht besonders gesund: Fast ein Drittel aller Masthühnchen kann nicht richtig laufen, weil sie unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen. Hühner in der platzarmen Massenhaltung sind außerdem anfälliger für Krankheiten. Die Medikamente, die sie dagegen bekommen, wie zum Beispiel Antibiotika, bleiben als Rückstände im Fleisch.

Langsamer gemästete Tiere kosten mehr, haben aber nicht nur ein besseres Leben, sondern laut einer Untersuchung der Hessischen Verbraucherzentrale auch ein saftigeres und aromatischeres Fleisch. Es bleibt auch mehr auf dem Teller übrig – die Hühnchen schrumpfen nämlich bei der Zubereitung nicht so stark.

All diese Vorzüge überzeugen bis heute aber nur sehr wenige Käufer. Die deutschen Konsumenten orientieren sich laut der Gesellschaft für Konsumforschung vor allem am Preis. Nur ein kleiner Teil entscheidet sich für das teurere Fleisch aus artgerechter Haltung, 55 Prozent der Deutschen kaufen ihr Geflügel im Discounter. Sie bestimmen damit den Fleischpreis maßgeblich mit. Der Preisdruck in der Branche ist so stark, dass den Produzenten kaum eine Wahl bleibt, als so billig und viel wie möglich zu produzieren. Nur 0,6 Prozent der Hähnchen stammen von Biohöfen.

Eigentlich ist so ein Billighuhn aber nur scheinbar günstig. Denn die tatsächlichen Kosten des Fleischs stehen nicht auf der Packung. Damit der Preis des Huhns am Grillwagen niedrig sein kann, bleiben Geschmack, Tier- und Umweltschutz auf der Strecke. Die Kosten überdüngter Böden und verschmutzter Gewässer zahlt die Allgemeinheit am Ende wieder drauf – als Steuerzahler.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Immer mehr Erzeuger schließen sich zu Qualitätsfleischprogrammen zusammen. Hühnerfleisch aus solchen Quellen ist ein akzeptabler Mittelweg. Manche dieser Erzeuger gehen sogar über die Anforderungen des Bio-Siegels hinaus. Leider gibt es bisher noch eine verwirrende Vielzahl von Auszeichnungen, die oft mehr versprechen, als sie halten. Orientierung versprechen die Broschüre „Fleisch. Iss gut!“ der Verbraucherzentrale Hessen und ein Ratgeber zu Fleischlabels der Zeitschrift Ökotest. Deren Maßstäbe geben noch verlässlicher Auskunft über die Qualität des Hühnchens als der Preis allein.