Gewissensbisse Welchen Kaffee soll ich kaufen?

In der Serie "Gewissensbisse" erläutert Theresa Bäuerlein Grundfragen des Essens. In dieser Folge: Ist es ethisch gefordert, fair gehandelten Kaffee zu trinken?

Eine Verkäuferin der Kaffeerösterei Wissmüller in Frankfurt füllt Kaffeebohnen in eine Tüte ab

Eine Verkäuferin der Kaffeerösterei Wissmüller in Frankfurt füllt Kaffeebohnen in eine Tüte ab

Macht fair gehandelter Kaffee wirklich einen Unterschied? Oder kann ich genauso gut normalen kaufen?
Nehmen Sie den fair gehandelten Kaffee. Der ist die bessere Alternative – zumindest derzeit.

Nach Erdöl ist Kaffee der meistgehandelte Rohstoff der Welt. Was bedeutet, das wirklich sehr viele Menschenleben von der Liebe zu der braunen Brühe beeinflusst werden – im guten und im schlechten Sinne. Denn der Kaffeepreis schwankt sehr stark, und die Kaffeeanbauern sind den Folgen dieser Schwankungen direkt ausgesetzt. Laut der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) bedeutet das für 100 Millionen Menschen ein ständiges Risiko.

Kaffee wird fast nur in Entwicklungsländern angebaut, unter anderem in Vietnam, Kenia, Brasilien oder Guatemala. Getrunken wird der Kaffee aber vor allem in Industrieländern. Viele kleine Kaffeebauern erhalten weniger Geld für ihre Bohnen, als sie in die Produktion investiert haben. Da der Wettbewerb überwiegend über den Preis erfolgt, werden bei der Produktion oftmals soziale, ökologische und qualitative Mindestanforderungen außer Acht gelassen.

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Theresa Bäuerlein
Theresa Bäuerlein

1980 in Bonn geboren. Studium der Journalistik an der Deutschen Journalistenschule und der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2003 ist Theresa Bäuerlein Autorin, vor allem für Neon, Essen & Trinken und die Süddeutsche Zeitung. Sie wohnt in Tel Aviv und Jaibling, Bayern.

Hier kommt fair gehandelter Kaffee ins Spiel. Fair gehandelter Kaffee kostet mehr, weil die Kaffeebauern besser bezahlt werden – zumindest ein bisschen.

Transfair (mit dem Siegel Fairtrade) und die Gepa, die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt, bezahlen Kaffeebauern nämlich einen garantierten Mindestpreis, egal wie tief der Kaffeepreis auf dem Weltmarkt ist. Außerdem unterstützen sie umweltverträgliche Produktion, bessere Arbeitsbedingungen und soziale Strukturen.

Obwohl die Nachfrage nach zertifiziertem Kaffee steigt, ist der Marktanteil noch winzig: Nur etwas über ein Prozent des in Deutschland verkauften Kaffees ist fair gehandelt. Er führt auch deswegen ein Nischendasein, weil die fairen Bohnen meistens deutlich teurer sind.

Der Economist schätzt allerdings, dass nur ein Zehntel des Aufpreises, den ein Kunde in einem Café für vermeintlich fair gehandelten Cappuccino bezahlt, auch bei den Produzenten ankommt. Kritiker werfen den Fair-Trade-Organisationen zudem vor, der garantierte Mindestpreis unterstütze die Kaffeebauern darin, immer mehr Kaffee anzubauen, obwohl ohnehin schon zu viel davon auf dem Markt sei – was die Preise weiter verfallen lasse. Ein weiteres Problem liegt darin, dass nur ein kleiner Teil der Kaffeebauern überhaupt die hohen Standards der fairen Händler erfüllen kann.

Um umweltfreundlichen, sozial verträglichen Kaffee aus dem Nischendasein zu holen, hat die GTZ zusammen mit dem deutschen Kaffeeverband und dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz einen Kaffeekodex initiiert und mit Kaffeehändlern, Röstern, Produzenten entwickelt.

Der "Common Code for the Coffee Community", kurz 4C, soll soziale und ökologische Mindeststandards auf den weltweiten Kaffeeplantagen garantieren. In Deutschland hat 4C einen Marktanteil von immerhin acht Prozent. Zu den Mitgliedern zählen auch die Kaffeeanbieter Kraft, Nestlé und Tchibo. Und das ganz still und heimlich. Denn 4C ist kein Siegel wie Fairtrade, es darf auch nicht zu Werbezwecken auf Kaffeepackungen gedruckt werden.

Das Problem an 4C: Die Standards sind juristisch nicht bindend. Und 4C garantiert keinen Mindestpreis für den Rohkaffee. Aber der Kodex ist auch gar nicht als Ersatz für fair gehandelten Kaffee gedacht, sondern als Ergänzung und Möglichkeit, eine größere Käuferschicht zu erreichen.

Wenn Sie ihren Kaffee mit guten Gewissen trinken wollen, ist fair gehandelter Kaffee also die bessere Wahl. Aber auch mit den Bohnen der großen Kaffeemarken liegen Sie zumindest nicht völlig daneben.

 
Leser-Kommentare
    • jagu
    • 02.12.2010 um 16:54 Uhr

    Wer mit starken Aufputtschmittel, die am Ende gar nicht mehr wirken aufhört und heimische Aufputschmittel wie Pfefferminztee benutzt, der schätzt ab und zu eine Tasse Kaffee viel mehr, der Kaffee wirkt plötzlich wieder aufputschend und da ist dann auch der höhere Preis eines fair gehandelten Kaffees gar kein Problem mehr.

    Ein Punkt in dem Artikel kann ich nicht nachvollziehen: Dass fair gehandelter Kaffee das Angebot erhöht, der Preis dadurch verfällt und damit das Elend des "unfairen" Kaffees noch größer wird.

    Markt ist das Aufeinandertreffen von Angebot und Nachfrage. Wenn das Angebot so groß wird, dass der Preis verfällt, dann kommt es zur marktwirtschaftlich erwünschten Marktbereinigung. Das bedeutet für einige Kaffebauern, dass sie sich ein anderes, wirtschaftlicheres Produkt suchen müssen und das Überangebot wieder geringer wird. So gesehen muss viel mehr fair gehandelter Kaffee gekauft werden.

    Hier mit Zurückhaltung einzugreifen würde bedeuten, das alte System immer weiter zu unterstützen und im für die Bauern wirtschaftlichen Grenzbereich am Leben zu erhalten.

    Eine Leser-Empfehlung
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    • dth
    • 02.12.2010 um 17:06 Uhr

    Richtig, wenn der Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird, sinkt er so weit, wie es die Produktionsmöglichkeiten zulassen. Wenn es keinerlei Sozialstandards gibt, die gewisse Kosten für Arbeit garantieren, sinkt er eben so weit, wie die Menschen das gerade noch mitmachen.
    Garantiert man einen Preis, dann heißt das ja nicht, dass jeder anfangen kann Kaffee zu produzieren. Es wird ja nicht beliebig viel abgenommen. Nur die, die einen Liefervertrag über eine gewisse Menge bekommen, profitieren davon.
    Man ersetzt quasi fehlende Standard im Herkunftsland durch die eigenen Lieferverträge.
    Würden alle so handeln, würden dadurch nur Vorteile entstehen. Der billigste Kaffee würde wohl etwas teurer, teurer Kaffee, auch fair gehandelter, dürfte seinen Preis vor allem über den Markennahmen und andere Attribute erzielen, nicht über die Einkaufskosten.

    Freie Autorin

    Das Problem in der Landwirtschaft allgemein ist, dass sie zwar auch nach dem Angebot-Nachfrage-Prinzip funktioniert, aber eben anders, als das bei sonstigen Waren der Fall ist. Wenn die Preise zu sehr fallen, besteht die Reaktionen von Produzenten normalerweise darin, die Produktion zu verringern, um das Angebot zu verkleinern, bis die Nachfrage wieder größer ist und die Preise wieder steigen. Ein Landwirt aber hat normalerweise gewisse Fixkosten (Land, Maschinen, Kredite etc.), die einfach da sind. Die Lösung besteht dann meistens darin, noch mehr zu produzieren, um bei niedrigeren Preisen den gleichen Gewinn zu machen - was kurzfristig hilft, langfristig die Preise aber noch mehr verfallen lässt.

    • dth
    • 02.12.2010 um 17:06 Uhr

    Richtig, wenn der Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird, sinkt er so weit, wie es die Produktionsmöglichkeiten zulassen. Wenn es keinerlei Sozialstandards gibt, die gewisse Kosten für Arbeit garantieren, sinkt er eben so weit, wie die Menschen das gerade noch mitmachen.
    Garantiert man einen Preis, dann heißt das ja nicht, dass jeder anfangen kann Kaffee zu produzieren. Es wird ja nicht beliebig viel abgenommen. Nur die, die einen Liefervertrag über eine gewisse Menge bekommen, profitieren davon.
    Man ersetzt quasi fehlende Standard im Herkunftsland durch die eigenen Lieferverträge.
    Würden alle so handeln, würden dadurch nur Vorteile entstehen. Der billigste Kaffee würde wohl etwas teurer, teurer Kaffee, auch fair gehandelter, dürfte seinen Preis vor allem über den Markennahmen und andere Attribute erzielen, nicht über die Einkaufskosten.

    Freie Autorin

    Das Problem in der Landwirtschaft allgemein ist, dass sie zwar auch nach dem Angebot-Nachfrage-Prinzip funktioniert, aber eben anders, als das bei sonstigen Waren der Fall ist. Wenn die Preise zu sehr fallen, besteht die Reaktionen von Produzenten normalerweise darin, die Produktion zu verringern, um das Angebot zu verkleinern, bis die Nachfrage wieder größer ist und die Preise wieder steigen. Ein Landwirt aber hat normalerweise gewisse Fixkosten (Land, Maschinen, Kredite etc.), die einfach da sind. Die Lösung besteht dann meistens darin, noch mehr zu produzieren, um bei niedrigeren Preisen den gleichen Gewinn zu machen - was kurzfristig hilft, langfristig die Preise aber noch mehr verfallen lässt.

    • dth
    • 02.12.2010 um 17:06 Uhr

    Richtig, wenn der Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird, sinkt er so weit, wie es die Produktionsmöglichkeiten zulassen. Wenn es keinerlei Sozialstandards gibt, die gewisse Kosten für Arbeit garantieren, sinkt er eben so weit, wie die Menschen das gerade noch mitmachen.
    Garantiert man einen Preis, dann heißt das ja nicht, dass jeder anfangen kann Kaffee zu produzieren. Es wird ja nicht beliebig viel abgenommen. Nur die, die einen Liefervertrag über eine gewisse Menge bekommen, profitieren davon.
    Man ersetzt quasi fehlende Standard im Herkunftsland durch die eigenen Lieferverträge.
    Würden alle so handeln, würden dadurch nur Vorteile entstehen. Der billigste Kaffee würde wohl etwas teurer, teurer Kaffee, auch fair gehandelter, dürfte seinen Preis vor allem über den Markennahmen und andere Attribute erzielen, nicht über die Einkaufskosten.

    Antwort auf "Kaffee ist Luxus"
  1. Als solchen kann ich mich durchaus bezeichnen. Für mich wäre Kaffegenuss (oder -suff, wie man es sieht ;-) aus reinem fair gehandelten Kaffee mein finanzieller Ruin.
    Hin und wieder greife ich aber durchaus zu fair gehandeltem Kaffee. Für besondere Momente und Gelegenheiten habe ich meinen aromatischen Favoriten gefunden, Wildkaffee aus der Region Kaffa in Äthiopien, fair, bio und mit besonderem Augenmerk auf Schutz des Regenwaldes.

    Meiner wird unter dem fair-for-life Label vertrieben:

    http://www.fairforlife.ne...

    http://www.eco-world.de/s...

    MfG
    AoM

  2. Es kommt nicht nur auf den Kaffee an, sondern auch auf die Rösterei.

    • hajipe
    • 02.12.2010 um 18:56 Uhr

    Ich bin nun mal Kaffeetrinker, aber auch wenn ich es gerne möchte, ich kann mir teureren Kaffee nicht leisten. Ich trinke sonst nichts, keine Limonaden, kaum Alkohol, Wasser aus der Leitung lebe nur von Sonderangeboten, also auch beim Kaffee. Da muss es mir egal sein woher er kommt und ob er fair tradet ist.

  3. als hajipe!
    Ich habe kein Geld für die Leute, das ich mir es leisten kann, arme Schlucker wie mich zu unterstützen.
    Hätte ich aber einen Stundenlohn, wie in der Schweiz oder Scandinavien, dann würde ich das nicht nur unterstützen können sondern auch tun.
    Da wir aber auch nur ein Billiglohnland sind....

  4. Freie Autorin

    Das Problem in der Landwirtschaft allgemein ist, dass sie zwar auch nach dem Angebot-Nachfrage-Prinzip funktioniert, aber eben anders, als das bei sonstigen Waren der Fall ist. Wenn die Preise zu sehr fallen, besteht die Reaktionen von Produzenten normalerweise darin, die Produktion zu verringern, um das Angebot zu verkleinern, bis die Nachfrage wieder größer ist und die Preise wieder steigen. Ein Landwirt aber hat normalerweise gewisse Fixkosten (Land, Maschinen, Kredite etc.), die einfach da sind. Die Lösung besteht dann meistens darin, noch mehr zu produzieren, um bei niedrigeren Preisen den gleichen Gewinn zu machen - was kurzfristig hilft, langfristig die Preise aber noch mehr verfallen lässt.

    Antwort auf "Kaffee ist Luxus"
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    'Ein Landwirt aber hat normalerweise gewisse Fixkosten (Land, Maschinen, Kredite etc.), die einfach da sind.'

    Das hat jede kleine Fabrik auch.
    Ich sehe den Unterschied zu anderen Produktionsbetrieben nicht.

    'Ein Landwirt aber hat normalerweise gewisse Fixkosten (Land, Maschinen, Kredite etc.), die einfach da sind.'

    Das hat jede kleine Fabrik auch.
    Ich sehe den Unterschied zu anderen Produktionsbetrieben nicht.

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