EichenfassFass' dich groß!

Jahrelang dominierte das kleine Eichenfass den Ausbau prestigeträchtiger Weine. Doch seit einiger Zeit schon werden größere Gebinde in die Keller gestellt. von Manfred Klimek

Fass oder Fässchen? Viele Winzer greifen verstärkt zur XL-Version

Fass oder Fässchen? Viele Winzer greifen verstärkt zur XL-Version  |  © carlitos/photocase.com

Zurück aus dem Winterurlaub, Ende einer großen Fahrt. Traditionell habe ich kein Skigebiet besucht, sondern Weinregionen und Winzer. Ein paar Tage Österreich, ein paar Tage Slowenien und ein paar Tage Italien. Jetzt muss ich den Kellergeruch loswerden.

Ich gehe gerne in die Keller, Kellerbesichtigungen haben ihren eigenen Reiz. Für mich ist jeder Keller auch ein Einbick in die Philosophie des Winzers. Altes Gewölbe? Oder neu betonierter Lagerraum? Penible Sauberkeit? Oder Kellerpilz, der auch ein Teil des Terroirs sein kann, wenn man den Begriff weiter fasst? Ich kenne einen Winzer, der den Eigengeschmack seiner Weine verloren hat, nur weil er einmal nach 20 Jahren mit dem Kärcher über die alten Ziegel gegangen ist.

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Ein neuer und imposanter Keller sagt wenig. Ich habe erlebt, dass Winzer in alten Kellern mit alten Anlagen saubere und sehr persönliche Weine keltern. Und andere mit teuren neuen Anlagen zu keiner Individualität finden. Es muss eben sauber gearbeitet werden, dann klappt es selbst in der Garage. Viele "arme" Winzer in Zentraleuropa haben das in den letzten zehn Jahren zur Genüge beweisen.

Mir ist heuer aufgefallen, dass viele Winzer ihre bereits gebrauchten kleinen 225-Liter-Eichenfässer (Fachausdruck: Barriques) nicht durch neue Fässer gleicher Größe ersetzt haben, wie das Jahr für Jahr üblich war. Nein, diesen Winter haben sie stattdessen auch größere 300-Liter- oder 500-Liter-Gebinde gekauft. Selbst 1200 oder sogar 2400 Liter Eichenfässer waren dabei. Das kleine Barriquefass ist auf dem Rückzug. Warum?

Manfred Klimek
Manfred Klimek

Manfred Klimek sagt über sich selbst, er habe ein populistisches Weinverständnis mit individueller Note. Alle Weinkolumnen von ihm auf ZEIT ONLINE finden Sie hier.
 

1. Der Konsument hat die fetten Weine satt.
Jahrelang wurden wir von fetten Fruchtbomben belästigt, die noch dazu überbordend lange im Fass lagen. Noch vor fünf Jahren konnte man sich nicht vorstellen, dass der Konsument diesen Weingeschmack irgendwann einmal langweilig finden würde. Doch genau das ist eingetreten.

Selbst kalifornische Winzer wie etwa Michael Mondavi bauen ihre Premiumweine seit ein paar Monaten nur noch elegant aus und kontern so die langjährige Strategie ihrer Kollegen. "Zu oft", sagte mir Mondavi, "haben wir Winzer geglaubt, dass Selektion, schonendes Verarbeiten und ein Medium-Plus-Fass eines französischen Herstellers schon reichen würden, um einen guten Wein zu machen." Nun, schlechte Weine sind diese Konzeptweine sicher nicht. Aber eben auch nicht wirklich individuell.

2. Der Klimawandel verändert das Traubenmaterial.
Der Klimawandel kommt nicht in der Form, wie man ihn sich vorstellt. Keine regelmäßige Wiederholung der heißen Sommer von 2003 und 2005. Keine Regen- und Hagelstürme, die alles vernichten. Aber von allem kommt ein bisschen.

Der Klimawandel macht das Traubenmaterial fetter und alkoholischer. Vor allem in südlichen Regionen. Da wirkt ein kräftig getoastetes Barriquefass wie ein Schlag mit dem Holzhammer – es macht dem Wein den Garaus. Und säurearme, buttrige Weine sind nicht unbedingt das, was der Konsument will.

Leserkommentare
  1. Hauptsache, die Gehirnzellen, die uns die Wahrnehmung dieser erschreckenden Welt vermitteln, sterben ab.

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    • CHHN
    • 12. Januar 2011 22:49 Uhr

    Die Gehirnzellen sterben ohne Alkohol und Wein sowieso und das um ca. 500 Zellen pro Stunde von Geburt an. Da koennen Sie 'mal nachrechnen was noch uebrig ist. Da das so ist, lobe ich mir die Leich mit einem schoenen nach tradiotioneller Art ausgebauten rheingauer Charta-Riesling zu feiern.

    • CHHN
    • 12. Januar 2011 22:49 Uhr

    Die Gehirnzellen sterben ohne Alkohol und Wein sowieso und das um ca. 500 Zellen pro Stunde von Geburt an. Da koennen Sie 'mal nachrechnen was noch uebrig ist. Da das so ist, lobe ich mir die Leich mit einem schoenen nach tradiotioneller Art ausgebauten rheingauer Charta-Riesling zu feiern.

    Antwort auf "Nur der Alk zählt"
  2. Vor vielen Jahren (30?) war ich mal bei einem Wein-tasting. Da ist ein Wein als verdorben beschrieben worden der genau so wie die heutigen Barrique-Weine geschmeckt hat. Ich kann diesen Geschmack immer noch nicht leiden - wenn das jetzt wieder aus der Mode kommt kann ich vielleicht bald wieder einmal Rotwein trinken! Obwohl - es gibt doch viel mehr weisse, gruene, gelbe, honigfarbige, rose, peach-colored ohne Holzgeschmack als ich jemals in meinem Leben trinken kann...
    Bei dem Wein-tasting hat uns der Fachmann von einer Weinfachschule gleich noch miterzaehlt dass der holzige Wein einer der zwei war die zwei Weintaster aus Kalifornien fuer interessant befunden haben - die tollen 20 anderen haben bei denen keine Gnade gefunden. Der zeite Wein den die gemocht haben hatte Geranienton...

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  • Schlagworte Holz | Klimawandel | Wein | Winterurlaub | Italien | Slowenien
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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