Im Internet werden die Mikroben bereits als Armee winziger Weltretter gefeiert. Ihr Potential ist, glaubt man Higa und seinen Fans, enorm: Als Düngemittel eingesetzt, sollen sie Ackerböden verbessern und Pflanzen ernähren. In Aquakulturen geschüttet, sollen sie das Wasser rein halten, als Getränk Darm und Immunsystem sanieren und unter Tierfutter gemischt sogar Pferde und Hunde gesund halten. In Kosmetik eingearbeitet, sollen sie Haar und Haut pflegen und als Salz den Körper entschlacken. Der Bierbrauer Lammsbräu hat bereits den größten Teil seiner Reinigungsmittel mit Lösungen aus effektiven Mikroorganismen ersetzt.

Ob die Mikroben wirklich die Alleskönner sind, als die sie verkauft werden, ist schwer zu sagen. An wissenschaftlichen Untersuchungen herrscht bisher noch Mangel. Eine Studie der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LFL) hat recht ernüchternde Ergebnisse hervorgebracht: Bei einem vergleichenden Versuch wurden Getreidefelder mit und ohne effektive Mikroorganismen bearbeitet. "Die Wirkung war gleich null", sagt Lorenz Heigl von der LFL. "Wir konnten beim Ertrag fast keinen Unterschied feststellen."

Im Kompost hingegen ist der Effekt eindeutig: Gibt man effektive Mikroorganismen zu Essensresten, kommt statt Fäulnis jener Prozess in Gang, der auch Kohl in Sauerkraut verwandelt: Fermentierung. Der Prozess reichert den Biomüll mit Vitaminen, Enzymen und Antioxidantien an und macht ihn länger haltbar. Das Ergebnis stinkt und fault nicht, wie ein normaler Biomüll, sondern riecht leicht säuerlich. Und das auch nur dann, wenn man den Deckel anhebt.

Der Bokashi-Eimer ist ein Thema für sich. Man muss schon ein sehr großer Kompost-Freund sein, um freiwillig 45 Euro für einen aus Japan importierten Plastikeimer auszugeben. Es geht aber auch anders: Mit etwas Geschick kann man den Bokashi-Eimer auch selbst bauen – im Internet gibt es reichlich Bauanleitungen zum Download. Dort finden diejenigen, die alles selbst machen möchten, auch Rezepte und Videos für die Herstellung von Bokashi-Kleien.

Wer nach drei Wochen zum ersten Mal einen Blick auf den fermentierten Inhalt eines Bokashi-Eimers wirft, kriegt wahrscheinlich einen Schreck – Erde ist das noch längst nicht. Das Ergebnis erinnert an graues Sauerkraut. Aber das soll so sein. Im nächsten Schritt gräbt man das sauer riechende Gemisch in Erde ein. Stadtbewohnern ohne Garten schlägt Franz-Peter Mau von der Gesellschaft zur Förderung regenerativer Mikroorganismen pragmatisch vor, den fertig fermentierten Bokashi-Kompost neben dem nächsten Straßenbaum einzuarbeiten.

Wer die Idee, Küchenabfälle auf offener Straße zu vergraben, eher problematisch findet, hat eine weniger öffentliche Alternative: "Man nimmt einen von diesen schwarzen, im Baumarkt erhältlichen Betonmischkübeln, füllt ihn mit zu ca. 2/3 mit Erde und mischt das Küchen-Bokashi sorgfältig ein. Eine Lage Erde oben drauf, mit effektiven Mikroorganismen angießen, Plane drauf, damit es abgeschieden vor sich hin fermentieren kann. Nach 1-2 Monaten sollte das meiste zu Erde geworden sein," rät Mau. Das Ergebnis ist fruchtbares Material für Topfpflanzen – oder eben doch für den Baum vor dem Haus. Erde stinkt ja nicht. Jedenfalls längst nicht so stark, wie eine Biotonne.