Weinkolumne / Wein und Wahrheit : Der alte Affe Amphore

Weine in Amphoren auszubauen, zählt zu den neuen Moden der Weinwelt. Doch diese Weine taugen wenig und schmecken selten.

Das elegante Tongefäß. Man kennt es aus den alten griechischen Zeichnungen im Geschichtsatlas der fünften Klasse. Eine schöne Frau hält den Krug und gießt Wasser in ein Bad. Aus einer Amphore. Wein wurde damals auch aus der Amphore ausgeschenkt. Als es die Flasche noch nicht gab. Und auch kein Flaschenpfand.

Demnächst wird dann wohl ein Amphorenpfand eingeführt, denn das Gefäß kehrt in den Weinbau zurück. Sogar als Flaschenersatz, denn der österreichische Winzer Ewald Tscheppe füllt einige seiner Weine in eigene Tonflaschen ab. Alles Amphore oder was?

Die Idee ist gar nicht so neu. Vor zwölf Jahren entschloss sich der friulanische Spitzenwinzer Josko Gravner, seine bis dahin hervorragenden Weine in Amphoren auszubauen. Seinem Plan folgten viele andere Winzer der Region. Die meisten sind aber inzwischen wieder zum "normalen" Weinbau zurückgekehrt. Aus gutem Grund, denn den Konsumenten schmecken die Amphorenweine nicht. Kaum ein Gastronom bestellt die teuren Kreszenzen nach. In den Vinotheken bleiben sie liegen.

Manfred Klimek

Manfred Klimek sagt über sich selbst, er habe ein populistisches Weinverständnis mit individueller Note. Alle Weinkolumnen von ihm auf ZEIT ONLINE finden Sie hier.
 

Trotzdem streben immer mehr Winzer den Ausbau in der Amphore an. Gleichzeitig erleben wir den Aufschwung des biodynamischen Weinbaus . Auch dieser ist nicht unproblematisch, doch generell ist die Rückbesinnung auf alte Pflanzenschutz- und Anbautechniken zu begrüßen. Die Amphore soll bei vielen Biowinzern das Bild des zum Ursprung zurückgekehrten Bauern abrunden. Doch das ist romantisch-esoterischer Humbug.

Während die einen mitunter riesige Amphoren mit Wein füllen, fangen andere Winzer klein an. Meist geht das einher mit vergrabenen Kuhhörnern, die Dung beinhalten; meist geschieht es gleichzeitig mit dem Studium der Mondphasen und Sternbilder.

Die neuen Amphorenweine kommen schlecht an. Vor allem jene Weine, die total in der Ideologie der Antike versinken, als wäre die Zeit oxidierender und fehlerhafter Weine die Blüte des Weinbaus gewesen. Sogenannte Weingurus wie der Franzose Nicholas Joly, der seine Weine gleichzeitig auch in Holz ausbaut, predigen einen neuen Zugang zu Natur und Wein. Das Ergebnis kann man schmecken Sein 2002er Coulée de Serrant ist ein ganz hervorragender Chenin-Blanc, vielfältig, ja sogar gigantisch. Sein 2003er jedoch ist muffig und untrinkbar. Derartige Jahrgangsschwankungen werden als gegeben hingenommen. Und Kritiker als Idioten hingestellt, die dem industriellen Weinbau das Wort reden.

Bei manchen Amphorenwinzern geht die Hingabe sogar so weit, dass sie Amphoren aus extradünnem Ton in der Erde vergraben. Das soll die Kraft des Bodens in den Wein strömen lassen. Doch wurde die Traube während sie wuchs ohnehin von der Wurzel mit Nährstoffen versorgt. Und die Wurzel war in der Erde. Warum also noch mehr Terroir ?

Andere Experimente mit der Amphore sind da viel fruchtender. Einige Önologen in der Toskana bauen etwa 20 Prozent ihrer Weine für etwa sechs Monate in der Amphore aus und fügen sie dann der Cuvée hinzu, leeren sie also in das gemeinsame Holzfass, wo sie dann reifen. Das soll den Wein trinkfreudiger und weicher machen. Der neue, schlanke Trend nach den schweren Extraktbomben der Finanzmarktjahre.

So bleibt der Amphore die Aufgabe als ergänzendes Werkzeug im Sinne der Weinverbesserung und Weinveränderung. Und als Teil der Vielfalt. Den archaischen Weinbau hingegen braucht keiner zurück.

Mehr Weintipps von Manfred Klimek gibt es unter
CaptainCork.com


 

Kommentare

20 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Lieber Monsieur Artois,

ich habe einen spannenden Link für Sie gefunden:

http://dev.eurac.edu:8080...

Erlauben Sie mir nur ein kurzes Zitat:
"Die friulanische Sprachgruppe ist die drittgrößte Minderheit in Italien und umfaßt schätzungsweise an die 779.000 Personen, von denen die Mehrheit in der Provinz Udine und Porderone lebt.
Die Friulaner gelten wie auch die Rätoromanen Graubündens und die Dolomitenladinern als eigene Gruppe, für die
im deutschen Sprachraum analog zum Begriff Alpenslawen“ (= Slowenen) der Ausdruck „Alpenromanen“
verwendet wird."
Mich beschleicht manchmal der Verdacht, dass Leute, die den Ausdruck "manieriert" verwenden, selbst dem Manierismus nicht ganz abgeneigt sind.
Allerings ist mir ohnehin "mariniert" deutlich lieber :-)
Nichts für ungut,
Ihr Kosakenzipfel

experimentieren erlaubt,

naja Herr Klimek, hier experimentiert man halt. Der eine mit wirklichen Interesse ,der andere nur auf den Euro achtend,aber Sie mögen ja lieber Massenweine a la Schneider,...,ich fand die Idee mit den Amphoren mal spannend und abhänig vom Winzer auch mal lecker,also warum den nicht mal so?...und dann wieder alles ins Faß kippen,brrrrrrrrrrrrrrr.

neuesten...

...archäologischen erkenntnissen zufolge dienten die berühmten von römern erfundenen thermen im herbst einem einzigen zweck. sie wurden für den publikumsverkehr gesperrt, um dann die schwimmbecken mit trauben zu füllen. nach einer durch die hypocausti ermöglichten vorwärmung, erfolgte darauf die kelter durch eine rasche abfolge von arschbomben freiwilliger. erst danach wurde der most auf amphoren gezogen um von germanischen kriegsgefangenen ein halbes jahr bebrütet zu werden. in erinnerung an dieses ritual entstand die lage kröver nacktarsch.

könnte man sowas nicht mal verbreiten. unsere weinfeste würden erheblich aufgelockert.