Das elegante Tongefäß. Man kennt es aus den alten griechischen Zeichnungen im Geschichtsatlas der fünften Klasse. Eine schöne Frau hält den Krug und gießt Wasser in ein Bad. Aus einer Amphore. Wein wurde damals auch aus der Amphore ausgeschenkt. Als es die Flasche noch nicht gab. Und auch kein Flaschenpfand.

Demnächst wird dann wohl ein Amphorenpfand eingeführt, denn das Gefäß kehrt in den Weinbau zurück. Sogar als Flaschenersatz, denn der österreichische Winzer Ewald Tscheppe füllt einige seiner Weine in eigene Tonflaschen ab. Alles Amphore oder was?

Die Idee ist gar nicht so neu. Vor zwölf Jahren entschloss sich der friulanische Spitzenwinzer Josko Gravner, seine bis dahin hervorragenden Weine in Amphoren auszubauen. Seinem Plan folgten viele andere Winzer der Region. Die meisten sind aber inzwischen wieder zum "normalen" Weinbau zurückgekehrt. Aus gutem Grund, denn den Konsumenten schmecken die Amphorenweine nicht. Kaum ein Gastronom bestellt die teuren Kreszenzen nach. In den Vinotheken bleiben sie liegen.

Trotzdem streben immer mehr Winzer den Ausbau in der Amphore an. Gleichzeitig erleben wir den Aufschwung des biodynamischen Weinbaus . Auch dieser ist nicht unproblematisch, doch generell ist die Rückbesinnung auf alte Pflanzenschutz- und Anbautechniken zu begrüßen. Die Amphore soll bei vielen Biowinzern das Bild des zum Ursprung zurückgekehrten Bauern abrunden. Doch das ist romantisch-esoterischer Humbug.

Während die einen mitunter riesige Amphoren mit Wein füllen, fangen andere Winzer klein an. Meist geht das einher mit vergrabenen Kuhhörnern, die Dung beinhalten; meist geschieht es gleichzeitig mit dem Studium der Mondphasen und Sternbilder.

Die neuen Amphorenweine kommen schlecht an. Vor allem jene Weine, die total in der Ideologie der Antike versinken, als wäre die Zeit oxidierender und fehlerhafter Weine die Blüte des Weinbaus gewesen. Sogenannte Weingurus wie der Franzose Nicholas Joly, der seine Weine gleichzeitig auch in Holz ausbaut, predigen einen neuen Zugang zu Natur und Wein. Das Ergebnis kann man schmecken Sein 2002er Coulée de Serrant ist ein ganz hervorragender Chenin-Blanc, vielfältig, ja sogar gigantisch. Sein 2003er jedoch ist muffig und untrinkbar. Derartige Jahrgangsschwankungen werden als gegeben hingenommen. Und Kritiker als Idioten hingestellt, die dem industriellen Weinbau das Wort reden.

Bei manchen Amphorenwinzern geht die Hingabe sogar so weit, dass sie Amphoren aus extradünnem Ton in der Erde vergraben. Das soll die Kraft des Bodens in den Wein strömen lassen. Doch wurde die Traube während sie wuchs ohnehin von der Wurzel mit Nährstoffen versorgt. Und die Wurzel war in der Erde. Warum also noch mehr Terroir ?

Andere Experimente mit der Amphore sind da viel fruchtender. Einige Önologen in der Toskana bauen etwa 20 Prozent ihrer Weine für etwa sechs Monate in der Amphore aus und fügen sie dann der Cuvée hinzu, leeren sie also in das gemeinsame Holzfass, wo sie dann reifen. Das soll den Wein trinkfreudiger und weicher machen. Der neue, schlanke Trend nach den schweren Extraktbomben der Finanzmarktjahre.

So bleibt der Amphore die Aufgabe als ergänzendes Werkzeug im Sinne der Weinverbesserung und Weinveränderung. Und als Teil der Vielfalt. Den archaischen Weinbau hingegen braucht keiner zurück.

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