"Sehr lecker!" ruft Elci immer wieder mit dunkler Stimme und rollendem "r". Dabei hält er ein Stück zarten Schinkens oder köstlichen Käses in die Höhe. Seine Gäste blicken erstaunt auf und gehen nach anfänglichem Zögern immer häufiger durch den großen Raum, an dessen Ende das fulminante Buffet lockt. Nach anfänglichem, schüchternem Schweigen erfüllt bald freudiges Schwatzen und Gelächter die ungewöhnliche Location, in die Elci und Deharde an diesem Abend eingeladen haben.

Auch wenn der Herd werktags vor allem bei der jüngeren, berufstätigen Generation oft kalt bleibt, gewinnt das Kochen und damit die Küche abseits des Alltags seine zentrale Bedeutung zurück – als Ort der Nahrungszubereitung und des gesellschaftlichen Miteinanders. Doch die wenigsten Küchen in Großstadtwohnungen eignen sich mit ihren 12 bis 15 Quadratmetern als Ort für gemeinsames Kochen und Essen. Wohin, wenn in der Küche daheim nicht ausreichend Platz ist?

Zum Beispiel eben zu Olaf Deharde und Koral Elci, die seit knapp zwei Jahren unter dem Namen Kitchen Guerilla hauptsächlich Privatpersonen bekochen, aber vermehrt von Firmen gebucht werden. Sie wollten in aller Ruhe ihre Lust am Essen ausleben und mit Freunden ihre kulinarischen Entdeckungen verkosten.

"Ihr seid bei uns zu Hause", begrüßen der Fotograf Deharde und der Industriedesigner Elci ihre Gäste. Allerdings befinden sich die 50 Personen nicht in einer kleinen Wohnung, sondern im großzügigen Werkstattatelier eines Bekannten im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Vor knapp zwei Jahren waren die beiden Freunde den Platzmangel in der heimischen Küche endgültig leid. Und entwickelten kurzerhand eine Geschäftsidee daraus. Seitdem "kapern" sie fremde Restaurants, Segelschiffe, Landgasthöfe, Baustellen, Kombüsen oder andere ungewöhnliche Locations, erzählt Elci.

Wir "kapern" fremde Restaurants, Segelschiffe, Landgasthöfe, Baustellen und Kombüsen.
Koral Elci

Vor allem in Großstädten mit teuren Wohnungsmieten gibt es neuerdings zunehmend Nachfragen nach Mietküchen. Was man dafür braucht, ist lediglich eine voll ausgestattete Küche und einen langen Tisch, Geschirr, Besteck, große Töpfe sowie Stühle für mindestens 25 Personen. Anders als in einem Restaurant entsteht dort ein viel größeres Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Gästen. Am rustikalen Küchentisch ergeben sich Genuss, Kontakte und Kommunikation fast von alleine.