VerbraucherschutzLebensmittel oft national statt regional

Kaffee aus Norddeutschland – gibt's nicht! Viele Lebensmittelhersteller nutzen das Öko-Bewusstsein ihrer Kunden aus und verkaufen Exoten als heimische Produkte.

Dass es ökologisch sinnvoller ist, Produkte aus der heimischen Region zu kaufen, steht außer Frage. Dass viele Lebensmittelhersteller dieses ökologische Bewusstsein der Kunden allerdings ausnutzen, war bisher nur eine Vermutung. Dabei sind regionale Produkte tatsächlich oft nationale Produkte, berichtet die Stiftung Warentest. Demnach werden viele Lebensmittel als heimisch beworben, obwohl sie lange Vertriebswege hinter sich haben.

Unter der Marke Ein gutes Stück Heimat biete etwa Lidl in Berliner Filialen Möhrensaft vom Niederrhein an, schreibt Stiftung Warentest. Die Produkte, die Edeka Südwest in der Linie Unsere Heimat – echt & gut vertreibt, stammten insgesamt aus vier Bundesländern. Coop verkaufe Kaffee, Reis und Cashewnüsse unter der Marke Unser Norden. Diese Rohstoffe werden in Norddeutschland freilich nicht angebaut.

Anzeige

Rechtliche Schritte können Verbraucherschützer dennoch nicht einleiten, weil es keine allgemeingültigen Anforderungen an regionale Lebensmittel gibt.

Mittlerweile bevorzugen 65 Prozent der Verbraucher Produkte aus der Umgebung. Sie glauben, über Herstellungs- und Verarbeitungsbedingungen regionaler Produkte besser informiert zu sein als bei nicht-regionalen Lebensmitteln. Wer sicher gehen will, dass er heimische Anbieter unterstützt, sollte auf Wochenmärkten, in Hofläden oder bei Regionalinitiativen einkaufen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. der das Vieh persönlich aus dem Stall zerrt und beim Bäcker, der sein Mehl von der nächsten Mühle bekommt.

    Sollen doch die Anderen bunte Schildchen drankleben. Ich muss das ja nicht mitbezahlen.

  2. ... an den mit dem Brustton der Überzeugung geäußerten Satz einer Bekannten, die vor gut zwanzig Jahren zur Ernährung ihres gerade neugeborenen Sohns sagte: "Der bekommt nur Obst, was auch hier bei uns wächst: Äpfel, Birnen, Kirschen und Bananen ..." (Ort der Handlung war übrigens Düsseldorf).

    • Ja_na
    • 30. März 2011 22:35 Uhr

    Die Verbraucher sind also öko-"bewusst" und "glauben", fallen aber aus allen Wolken, wenn sie erfahren, dass Kaffee nicht in Wanne-Eickel wächst.
    Die einen schreien gleich nach Betrug und Verboten, die anderen zucken die Schultern und greifen beherzt zur Packung mit den fetten Lettern "Käfigeier". Wenn alle betrügen, hat man nun die Absolution.
    Vielleicht sollte man zunächst den Begriff "Bewusstsein" definieren, ehe man sich oder andere als "bewusste" Menschen deklariert. Und irgendwie ist "Denken" von diesem bewussten Zustand nicht zu trennen.
    Was also zum Bewusstsein gehört, ist in den Beiträgen vorher teils genannt. Zusammengefasst heißt es, nach dem eigenständigen (ja!) Denken dann das EIGENE Verhalten zu ändern.
    Zu Bio und regional gehört: der weitgehende Verzicht auf eine Reihe von exotischen Früchten und Gemüse.
    Dann: Hühner und Hähne, die beim Nachbarn oder am Ort gackern und krähen (der Hahn gern morgens um 5). Kühe, die nicht nur Milch, sondern auch Mist produzieren- der auf dem Grundstück zwecks Gülle gelagert wird. Die komplette Verwertung des geschlachteten Tieres- Rind besteht nicht aus Filet, Hühner nicht nur aus Flügeln und Enten nicht nur aus Brust. Jede dieser "Teilproduktionen" die tonnenweise in den Supermärkten angeboten werden, setzen Massentierhaltung geradezu voraus. Die Liste liesse sich endlos fortsetzen.
    Die Lebensmittelhersteller nutzen nicht das "Bewusstsein" ihrer Kunden, sondern deren Bequemlichkeit und Ignoranz aus.

  3. Es hat mich schon immer gefreut dass es solche Dinge gibt wie "Englischen Tee", "Schweizer Schokolade", "Wiener Kaffee", "German Measles" oder die "Englische Krankheit".

    Uebrigens: In Kalifornien habe ich eine (Industrie-)Kamera gesehen auf der Stand "Made in California" - die haben eine Japanische Kamera (mit allen Bedienelementen, Steckverbindungen, Linse) in ein US-made Gehaeuse gesteckt...
    Dort kann man auch "Muscat de Frontignan" kaufen (der sogar nicht schlecht schmeckt) der so aehnlich aufgemacht ist wie das Original - nur steht unten auf de Etikett, ganz schuechtern: Made in California.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Stiftung Warentest | Verbraucherschutz | Bewusstsein | Edeka | Heimat | Kaffee
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

    Vom Rand des Laufstegs

    Aktuelle Berichte von den Schauen in New York, London, Mailand, Paris und Berlin auf ZEIT ONLINE

    • Kochblog: Nachgesalzen

      Nachgesalzen

      Die Meisterköche Karl-Josef Fuchs, Jürgen Koch und Christian Mittermeier verraten ihre Tipps und Tricks

      • : Hinter der Hecke

        Hinter der Hecke

        Eine Schrebergarten-Kolonie ist ein eigener Kosmos. Unser Kolumnist Ulrich Ladurner erforscht ihn und seine Bewohner mit Demut, Feinsinn und Humor.

        • ZEITmagazin: Heiter bis glücklich

          Heiter bis glücklich

          Oft sind es die einfachen Dinge, die uns heiter bis glücklich stimmen. Im "Heiter bis glücklich"-Blog stellt die ZEITmagazin-Redaktion täglich ihre Entdeckungen vor.

          Service