Der Österreicher Leonard Cernko übernimmt Anfang Mai als gastronomischer Leiter die Küchen des renommierten Berliner Hotel Adlon. Das bestätigte eine Sprecherin des Hauses. Hendrik Otto bleibt unter Cernko weiterhin Küchenchef des gastronomischen Aushängeschildes des Hauses, des Restaurants Lorenz Adlon.

Der Auftrag, den die Kempinski-Gruppe an den erst 32-jährigen Cernko erteilt, dürfte klar sein. Schon seit Monaten leidet die Gastronomie des Adlon unter einer inzwischen aus der gastronomischen Moderne ausgetreten erscheinenden Küchenlinie. Das soll Cernko wohl ändern und die sanfte Neuausrichtung überwachen.

Zudem wächst die Konkurrenz in der Hauptstadt. Demnächst eröffnet beim Bahnhof Zoo das neue Hotel Waldorf Astoria. Dort soll der Pariser Küchenchef Pierre Gagnaire (drei Michelin-Sterne) die Küche der beiden Restaurants beraten und eines davon eventuell sogar selbst eine Zeit lang leiten. Gagnaire hat dazu aber noch keine Stellungnahme abgegeben.

Cernko versus Gagnaire. Das wird wohl das Rennen der neuen Berliner Hotel-Küchenchefs. Daneben hält vorerst völlig unangefochten Christian Lohse im Restaurant Fischers Fritz im Hotel Regent seine zwei Michelin-Sterne und damit die höchste Wertung der Hauptstadt. Cernko aber wird wohl seine Interpretation einer lokalen und dennoch weltläufigen Küche mitbringen. Und damit im Gegensatz zu Gagnaire und Lohse stehen, die einer internationalen und frankophilen Küche frönen; Lohse immerhin mit dezentem deutschen Einschlag.

Schon mit knapp 25 übernahm der heute 32-jährige Cernko das Kremser Restaurant im "Kloster Und" als Küchenchef. Doch einen derart begabten Koch hält es nicht lang in der Provinz. So ging er zu Heinz Winkler nach Aschau, und dann, nach einem kurzen Comeback in Krems, in die weite Welt. Letzter Ort: Shanghai. Dort ist Cernko noch bis Ende des Monats Executive Sous Chef im Hotel Portman-Ritz-Carlton. Davor war Cernko schon Executive Chef de Cuisine im Ritz-Carlton in Moskau. Für den Job in Shanghai war er offenbar bereit, einen Rang in der Hierarchie zurückzutreten.

Noch fehlt Berlin das neue regionale Spitzenlokal, wie es sie in Stockholm, Kopenhagen, Paris oder London schon zuhauf gibt. Es ist auch nicht anzunehmen, dass sich die Kempinski-Gruppe ein solches Restaurant ins Haus stellen wird. Zudem Hendrik Otto im Spitzenrestaurant des Lorenz Adlon ja hervorragend kocht. Moderner und regionaler wird die Küche unter Cernko aber sicher werden. Wenn man ihn lässt.

Denn wenn Cernko eines perfekt kann, dann mit lokalen Spitzenprodukten die genialsten Kreationen zu zaubern. Unvergessen seine Interpretationen von Wild und saisonalem Gemüse. Unvergessen seine Nougatbuchteln. Egal, was kommt: Berlin kriegt einen neuen Spitzenkoch. Und das ist nur zu begrüßen.