Als Veganer ist man regelmäßig Missverständnissen ausgesetzt. Eines davon ist, dass alle Veganer ein Problem mit Fleischessern hätten. Zumindest für mich stimmt das nicht. Wenn jemand Fleisch isst und sagt: "Ich esse Fleisch und kann es ethisch mit mir vereinbaren", dann finde ich das mittlerweile fast schon sympathisch.

Sympathischer jedenfalls als die Äußerung, die man als Veganer am häufigsten zu hören bekommt: "Das finde ich toll, was du machst. Ich würde das ja auch gerne können. Aber ohne Käse, Hühnchen oder Joghurt könnte ich nicht leben." Viele Menschen scheinen es für nötig zu halten, ihren Konsum vor mir zu rechtfertigen. Für mich verkörpern sie den Typus Strauß. Der Strauß weiß, dass irgendwas nicht stimmt und steckt deshalb seinen Kopf in den Sand.

Dabei ist der ethisch motivierte Vegetarier der Archetypus des Strauß. Er möchte vermeiden, dass für sein Essen Tiere getötet werden und glaubt, dieses Ziel zu erreichen, indem er kein Fleisch isst. Freilich konsumiert er weiterhin Milch- und Eierprodukte.

Aber Milchkühe, die nicht mehr rentabel sind, werden getötet. Sie werden ebenso geschlachtet wie andere Nutztiere auch, sobald sie ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Die durchschnittliche Milchkuh ist nach meinem Wissen zum Zeitpunkt ihrer Schlachtung sechs Jahre alt. Die natürliche Lebenserwartung einer Kuh beträgt aber 20 bis 25 Jahre.

Legehennen werden in speziellen Kükenbrütereien gezüchtet. Die Krux daran: Die Hälfte der Küken ist männlich. Da die Zuchtlinie auf hohe Eierproduktion und nicht auf Fleischansatz ausgelegt ist, taugen diese Hähne nicht einmal als Broiler. Entsprechend werden sie schon als Küken entweder vergast oder zerschreddert. In Deutschland sind es nach meinen Informationen 40 bis 50 Millionen Küken pro Jahr, die auf diese Weise umkommen. Das Tierschutzgesetz verbietet die Tötung von Tieren ohne vorherige Betäubung. Kükenbrütereien könnten aber gar nicht effektiv funktionieren, würden sie dieses Gesetz befolgen. Eier und eihaltige Produkte werden also illegal produziert.

Gewiss, für mein Toastbrot sterben höchstwahrscheinlich auch Nager im Mähdrescher. Zur gleichen Zeit werden aber für die Herstellung von Fleisch-, Milch- und Eierprodukten unzählige Tiere unter Vorsatz getötet. Der ethisch motivierte Vegetarier behauptet, das zu vermeiden und hat doch nur den Kopf in den Sand gesteckt. Wieso die Grenze genau zwischen Fleisch und Milch gezogen wird, hat mir noch keiner sagen können.

Wenn ich den Strauß zu Ende angehört habe, scheint er sich besser zu fühlen. Ich widerspreche nicht. Erstens widerspricht er sich schon selbst. Und zweitens laufen Veganer Gefahr, als Öko-Faschisten abgestempelt zu werden, wenn wir eine Diskussion über dieses Thema anfangen. Also erteile ich stillschweigende Absolution.

Nach Absprache mit dem Autor haben wir die von uns gewählte Überschrift "Milch ist Mord" geändert und stellenweise Formulierungen angepasst. Die Redaktion/sh

Der Autor schreibt unter Pseudonym. Sein richtiger Name ist der Redaktion bekannt.