Wein und Wahrheit Der Wein des Ostens
Die Weinregionen Saale-Unstrut und Sachsen sind den meisten Deutschen nach wie vor unbekannt. Das liegt an der regionalen Verwurzelung und an fehlendem Individualismus.
Es ist Unsinn, eine Erzählung mit dem Höhepunkt einer Verkostung anzufangen, doch das verdutzte Gesicht von Christian Kloss, Kellermeister und Geschäftsführer am Staatsweingut Kloster Pforta in Bad Kösen, wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Anlass für seine Verwunderung war ein 1983er Weißburgunder von Pforta, ein noch in der DDR gekelterter Wein. Anfangs drang Muff aus der äußerlich stark verunreinigten Flasche, die im alten Keller ihre letzte Ruhe fand. Kloss befürchtete sogar, den Wein in den Ausguss leeren zu müssen. Doch dann hielt er inne. Und ließ sich einen Augenblick Zeit.
Und das war gut. Denn fünf Minuten später stand der Weißburgunder aus seinem Krankenlager auf und stieg aus der Flasche. Der Muff, selbst der altersbedingte Petrolton verflogen sekündlich, plötzlich war ein schön strukturierter und kraftvoller alter Weißwein im Glas, den man nie und nimmer an die Saale getan hätte. Kräuter, Walnuss, Tabak, auch noch etwas Pfirsich. Ordentlich mineralisch und knochentrocken. Diesen alten Weißburgunder hätte man eher in der Region um Puligny im Burgund angesiedelt.
Kloster Pforta ist ein Landesweingut. Mit etwa 50 Hektar ist es einer der größten Betriebe in der nur etwa 730 Hektar großen Region Saale-Unstrut, zu der auch Rebgärten in Brandenburg (der "Werderaner Wachtelberg" bei Potsdam) und Thüringen gehören. Saale-Unstrut, vor allem das Gebiet um Naumburg, hat kältere Winter und wärmere Sommer als die Weinbaugebiete im Westen Deutschlands. Und es gibt hier eine Sortenvielfalt, die man nirgendwo anders antrifft. Man darf sich aber die Frage stellen, ob man all diese Sorten auch braucht.

Manfred Klimek sagt über sich selbst, er habe ein populistisches Weinverständnis mit individueller Note. Alle Weinkolumnen von ihm auf ZEIT ONLINE finden Sie hier.
Saale-Unstrut und Sachsen sind die beiden Weinbauregionen, die nach der Wiedervereinigung Deutschlands den deutschen Weinbau bereichern. Aber tun sie das wirklich? Außer Weinen des sächsischen Weinguts Schloss Proschwitz, das Georg Prinz zur Lippe gehört, den Weinen von Pforta, und ein paar Flaschen des großartig individualistischen Klaus Zimmerling finden sich nur wenige Weine aus dem Osten in den prominenten oder zumindest gut bestückten Weinkarten der Bundesrepublik. Von den Vinotheken ganz zu schweigen.
Doch daran ist keineswegs eine oft vermutete Ignoranz der Westler schuld, sondern schlicht die Tatsache, dass beide Weinbaugebiete eher klein sind und die oft geringen Erträge vor allem in der Region getrunken werden. Eigentlich eine vorbildliche lokale Wirtschaft. Und gut für den Tourismus – denn wenn man die Weine aus Sachsen oder Saale-Unstrut umfassend trinken will, dann muss man sich in die Regionen begeben.
Wie etwa in das erwähnte Bad Kösen, wo neben Kloster Pforta auch noch der in der Region bekannte Winzer Uwe Lützkendorf keltert. Abgesehen davon gibt es aber meist nur kleine Winzer und Weinbau im Nebenerwerb, oft in Genossenschaften zusammengefasst, wie etwa der Winzervereinigung Freyburg. Wenig hier ist so individualistisch wie im Westen der Republik. Das ist vielleicht auch der Grund, warum der VDP, der Verband der deutschen Prädikatswinzer, im Osten Deutschlands nur wenige Mitglieder hat.
Und dann gibt es Veranstaltungen, wie das alljährlich im August stattfindende Freyburger Winzerfest. Wenn man genug Ausdauer mitbringt, findet man hier manch erstaunlichen Silvaner oder Weißburgunder; Beweise, dass mehr noch möglich wäre, wenn größere Anstrengungen und mehr Individualismus Einzug hielten. Daran aber, so scheint es, fehlt das Interesse. Man scheint zufrieden mit der Gegenwart. Und die Weine verkaufen sich wie von selbst. Zudem sie nicht viel Geld kosten.
- Datum 16.05.2011 - 11:05 Uhr
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- Serie Weinkolumne
- Quelle ZEIT ONLINE
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wenn es möglich ist, auch Rotwein, auch wenn der ganz anders ist als französischer oder aud süd-westdeutscher Rotwein.
Mir ist es egal, ob der Wein "individualistisch ist". Was ist das wieder für ein Schwachsinn, nach dem alten Motto: Westen -individualisch=gut, Osten- kollektiv=schlecht.
Ach ja, ich kaufe nie westdeustchen Wein. Ist mir viel zu individualistisch, dann doch lieber australischen oder chilenischen.
Wo ich lebe, trinke ich bevorzugt elsässischen Wein. Badischer ist unmöglich zu bekommen.
Vor langer, langer Zeit bin ich per Fahrrad mal in Freiburg an der Unstrut gewesen. Weinberge! Traumhaft! Keine Spur Bitterfeld!
Wo ich lebe, trinke ich bevorzugt elsässischen Wein. Badischer ist unmöglich zu bekommen.
Vor langer, langer Zeit bin ich per Fahrrad mal in Freiburg an der Unstrut gewesen. Weinberge! Traumhaft! Keine Spur Bitterfeld!
Wo ich lebe, trinke ich bevorzugt elsässischen Wein. Badischer ist unmöglich zu bekommen.
Vor langer, langer Zeit bin ich per Fahrrad mal in Freiburg an der Unstrut gewesen. Weinberge! Traumhaft! Keine Spur Bitterfeld!
"Und es gibt hier eine Sortenvielfalt, die man nirgendwo anders antrifft. Man darf sich aber die Frage stellen, ob man all diese Sorten auch braucht."
OH, DOCH, DIE WERDEN GEBRAUCHT!!!
"Beweise, dass mehr noch möglich wäre, wenn größere Anstrengungen und mehr Individualismus Einzug hielten."
Ja was denn nun?
Nun ja, nach meinem Weinverständnis entsteht die Seele eines Weines aus der Sorte, dem Boden, Klima und Reifung. Der "Hauswein" des kleinen Winzers ist dabei zumeist eine feine eigene Besonderheit.
Die heutzutage weitläufig verbreitete Produktion raubt einem Wein doch bloß die Seele. Warum panschen, wenn man unverfälscht dies wunderbare Gabe der Natur geniessen kann.
Aber vielleicht funkt "Captain Cork" ja auch einfach auf einer völlig anderen Wellenlänge.
Dennoch mit Sicherheit kein Grund etwas zu änderen. Erstens schmeckt es so wie es ist. Und zweitens, warum nach anderen verbiegen? Damit dann irgendwelche genußabstinenten geschmacksvereinheitlichte Stadtneurotiker uns alles wegtrinken?
Nein Danke, selber trinken macht lustig.
... isses.
Der Widerspruch zwischen mangelnder "Individualität" und zu großer Sortenvielfalt ist mir auch sauer aufgestoßen. Am besten fein schweigen, damit nicht noch mehr Schickimickis auf diese wunderbare Weinlandschaft kommen, uns alles wegtrinken, erst die Preise verderben und den Wein in ein Mainstream-Gesöff verwandeln.
... isses.
Der Widerspruch zwischen mangelnder "Individualität" und zu großer Sortenvielfalt ist mir auch sauer aufgestoßen. Am besten fein schweigen, damit nicht noch mehr Schickimickis auf diese wunderbare Weinlandschaft kommen, uns alles wegtrinken, erst die Preise verderben und den Wein in ein Mainstream-Gesöff verwandeln.
... hat nicht nur Herr Klimek Schwierigkeiten, mit der Rezeption "ostdeutscher" Gegebenheiten und Kategorien.War es der walisische Mathematiker William Jones (1675–1749), der mal gesagt hat: "Viele Leute glauben zu denken, während sie nur ihre Vorurteile ordnen."?
... isses.
Der Widerspruch zwischen mangelnder "Individualität" und zu großer Sortenvielfalt ist mir auch sauer aufgestoßen. Am besten fein schweigen, damit nicht noch mehr Schickimickis auf diese wunderbare Weinlandschaft kommen, uns alles wegtrinken, erst die Preise verderben und den Wein in ein Mainstream-Gesöff verwandeln.
Auch ich trinke diesen wunderbaren Wein aus dieser schönen Landschaft und mit mir mein Freundeskreis mit großem Genuss.
Besser "isses" wohl wirklich, wenn nicht zu viele auf den
Geschmack kommen. Froh bin ich aber, den Wein auch in Brandenburg kaufen zu können.
Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um differenzierte Beiträge. Danke. Die Redaktion/sh
... zu vermuten, daß die DDR-Vergangenheit auch nicht schlimmer ist als die Ösi-Vergangenheit. Sie hat nur länger gedauert ...
... zu vermuten, daß die DDR-Vergangenheit auch nicht schlimmer ist als die Ösi-Vergangenheit. Sie hat nur länger gedauert ...
... zu vermuten, daß die DDR-Vergangenheit auch nicht schlimmer ist als die Ösi-Vergangenheit. Sie hat nur länger gedauert ...
.. und weniger Tote hinterlassen
Ich kenne ja die DDR Vergangenheit im Weinbau nicht. Aber als Österreicher muss ich sagen, dass uns im Nachhinein nichts besserers passieren konnte als der Weinskandal in den 80ern.
Seitdem hat sich der österreichische Weinbau massiv weiterentwickelt in Richtung Qualität - es könnt einem fast schwindlig werden vor lauter gutem Wein im Moment.
Wer sich davon überzeugen will...
www.best-wines.eu
super Qualität aus Österreich zu Ab-Hof-Preisen.
Man muss aber auch sagen, dass der deutsche Weinbau in letzter Zeit sehr an Qualität gewinnt - allerdings fehlts in der Breite des Weinbaus noch an diesem Qualitätsverständnis... da gewinnt oft noch Masse statt Klasse.
.. und weniger Tote hinterlassen
Ich kenne ja die DDR Vergangenheit im Weinbau nicht. Aber als Österreicher muss ich sagen, dass uns im Nachhinein nichts besserers passieren konnte als der Weinskandal in den 80ern.
Seitdem hat sich der österreichische Weinbau massiv weiterentwickelt in Richtung Qualität - es könnt einem fast schwindlig werden vor lauter gutem Wein im Moment.
Wer sich davon überzeugen will...
www.best-wines.eu
super Qualität aus Österreich zu Ab-Hof-Preisen.
Man muss aber auch sagen, dass der deutsche Weinbau in letzter Zeit sehr an Qualität gewinnt - allerdings fehlts in der Breite des Weinbaus noch an diesem Qualitätsverständnis... da gewinnt oft noch Masse statt Klasse.
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