Wein und Wahrheit Keine Wettervorhersage für den Wein
Verbände und Winzer sprechen bereits von einem guten Weinjahr 2011. Doch für seriöse Prognosen ist es noch viel zu früh.

Nicht zu früh freuen: Wie sich das Weinjahr 2011 entwickelt, kann man noch nicht abschätzen.
Prognosen können Ärger bringen. Anfang August 2005 prognostizierte man in der italienischen Weinregion Toskana einen Jahrhundertjahrgang. Das Frühjahr und die ersten Sommerwochen brachten viele heiße Tage, ähnlich wie im Rekordhitzejahr 2003. Dazu auch etwas Regen; nicht viel, doch ausreichend, 2005 schon Anfang August als exzellentes Weinjahr zu proklamieren.
Prognosen werden gerne erstellt, um den Handel hungrig zu machen. Teurer und namhafter Wein ist längst Spekulationsgut. Ähnlich wie auf den Finanzmärkten stimmen sich die Weinhändler mit den Prognosen auf das Geschäft ein. In der Toskana gibt es einige berühmte Weine: Sassicaia, Masseto, Ornellaia, die in Russland und Asien sehr gefragt sind. Anfang August 2005 trafen in den großen Häusern die ersten Bestellfaxe ein. Kaufen, kaufen, kaufen. Weine, die noch nicht einmal gekeltert waren.
Mitte August kam der Regen. Vor allem in der Maremma hörte es nicht mehr auf zu gießen. Schon bald war klar: 2005 würde ein Desaster werden. Die einen Winzer entschlossen sich, die bislang vom Wetter verwöhnten Trauben früher als geplant vom Stock zu holen. Die anderen mussten zusehen, wie ihr Lesegut am Stock verfaulte. Zwar gelang es jenen, die warten konnten, Anfang Oktober ein paar exzellente und vor allem reife Beeren vom Stock zu schneiden, der größte Teil der Winzer jedoch ging auf Nummer sicher und begnügte sich mit unreifem Material.

Manfred Klimek sagt über sich selbst, er habe ein populistisches Weinverständnis mit individueller Note. Alle Weinkolumnen von ihm auf ZEIT ONLINE finden Sie hier.
Das toskanische PR-Desaster von 2005 sei jenen ins Stammbuch geschrieben, die jetzt in Deutschland von einem sehr guten Jahrgang 2011 sprechen. Viele Weinbauverbände, vor allem in Sachsen, Thüringen und auch in Rheinland-Pfalz, schreiben in ihren Aussendungen vorschnell von freudigen Erwartungen. Als würde morgen schon Lesebeginn sein. Doch Obacht, für solchen Jubel ist es viel zu früh.
Man kann die Verbände und ihre Winzer freilich verstehen. Nach dem sehr kontrovers besprochenen Jahrgang 2010, der sich vor allem im einfachen Segment der Gutsweine meist als mittelmäßig erwiesen hat sowie nach den geringen Mengen der letzten beiden Jahre will man jetzt ein positives Signal setzen. Marktanteile gehen verloren, der Konsument ist verunsichert: die gute Prognose über Qualität und Menge soll Vertrauen schaffen und Sicherheit geben. Der deutsche Wein ist wieder da. Das ist die Botschaft.
Doch einige Experten in den Weinbaugebieten stehen dem frühen Jubel kritisch gegenüber. Der Winzer und Blogger Dirk Würtz polemisiert etwa, dass derzeit nur die Götter wissen, ob das Jahr 2011 ein gutes oder schlechtes Weinjahr wird. Trauben hängen zwar genug auf den Stöcken und auch die Frostschäden des Frühjahrs haben weniger Einbußen verursacht als noch vor wenigen Wochen angenommen. Doch Starkregen, Hagel, oder ein heftiges Auftreten der Edelfäule Botrytis könnten manche Erwartungen dämpfen. Die derzeit guten Bedingungen – die Kälte und der Niederschlag der letzten Tage wurde in den Weinregionen durchaus begrüßt – brauchen jetzt stabil warme Tage und kühle Nächte.
Würtz sieht einen frühen und langen Herbst kommen, der bestenfalls sowohl die frühe Lese begünstigt als auch eine lange Reife in ausgewählten Spitzenlagen garantiert. Doch jetzt, so Würtz, ist nicht einmal sicher, ob die Beeren genügend Saft geben werden, um ausreichend Wein in den Keller zu bringen. Schon die letzten beiden Jahre waren ertragsarm. Zu diesem Zeitpunkt schon von einem guten Jahrgang zu sprechen sei fahrlässig.
- Datum 28.07.2011 - 09:38 Uhr
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- Serie Weinkolumne
- Quelle ZEIT ONLINE
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"Es gibt Schriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdrücken können, wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche."
Für den obigen Beitrag hätte ein Satz von Niels Bohr genügt:
"Vorhersagen sind immer schwierig, vor allem über die Zukunft."
Damit hätte sich Herr Klimek viel unnützes Blabla sparen können.
..ich suche nur eine Antwort. Hmm, wo habe ich sie nur hingetan? Ach, egal..
..ich suche nur eine Antwort. Hmm, wo habe ich sie nur hingetan? Ach, egal..
Ich mag diese Kolumne im Gegensatz zu anderen sehr.
Wenn es so viele schlechte Jahrgänge in Folge gibt, sollte man da auf "alte" Weißweine ausweichen? Welche Jahrgänge sollte man denn vom Händler öffnen lassen?
Wieviele Jahre zurück sind denn Weißweine noch bezahlbar?
... wie Sie meinen, wären Ihre Fragen beantwortet worden ;-)
2009 war ein sehr guter Jahrgang, 2010 - meiner Meinung nach - nur bei restsüßen Spät-und Auslesen, wie auch bei ein paar ausgewählten Großen Gewächsen. Welche das sind, liest man bei Gault-Milla oder Eichelmann. Beide Jahre sind ertragsarm. Das gilt für Deutschland und Österreich. In großen Teilen Frankreichs waren beide Länder hervorragend (2010 nur im Süden oder Südwesten).
Fruchtige und frische Weißweine sollten innerhalb der ersten beiden Jahre getrunken werden; große Rieslinge und Burgunder sollten Zeit bekommen. Zwischen 5 und 10 Jahre. Viel später würde ich - von einigen Ausnahmen abgesehen - keine Weißweine trinken. Bezahlbar? Meist sind die bedeutenden Flaschen schnell vom Markt und finden sich nur mehr bei speziellen Händlern.
... wie Sie meinen, wären Ihre Fragen beantwortet worden ;-)
2009 war ein sehr guter Jahrgang, 2010 - meiner Meinung nach - nur bei restsüßen Spät-und Auslesen, wie auch bei ein paar ausgewählten Großen Gewächsen. Welche das sind, liest man bei Gault-Milla oder Eichelmann. Beide Jahre sind ertragsarm. Das gilt für Deutschland und Österreich. In großen Teilen Frankreichs waren beide Länder hervorragend (2010 nur im Süden oder Südwesten).
Fruchtige und frische Weißweine sollten innerhalb der ersten beiden Jahre getrunken werden; große Rieslinge und Burgunder sollten Zeit bekommen. Zwischen 5 und 10 Jahre. Viel später würde ich - von einigen Ausnahmen abgesehen - keine Weißweine trinken. Bezahlbar? Meist sind die bedeutenden Flaschen schnell vom Markt und finden sich nur mehr bei speziellen Händlern.
... wie Sie meinen, wären Ihre Fragen beantwortet worden ;-)
Abwarten und Bier trinken
Morgen ist "Auslitern" bei unserer Hausbraugemeinschaft. Da freu' ich mich drauf.
Morgen ist "Auslitern" bei unserer Hausbraugemeinschaft. Da freu' ich mich drauf.
Morgen ist "Auslitern" bei unserer Hausbraugemeinschaft. Da freu' ich mich drauf.
dann ändert sich 's Wetter oder 's bleibt, wie's ist.
3-4 Aussagen in ein "nichts Genaues weiß man nicht" zu transponieren scheint mir ein bißchen dünn zu sein.
Mindestens hätte man doch die bisherige Entwicklung charakterisieren - und Wunschprognosen aufstelln können. Na ja, dann eben weiter bei Würtz lesen.
..steht drin. Dirk Würtz hat sie formuliert.
..steht drin. Dirk Würtz hat sie formuliert.
Tatsache ist dass viel Spekuliert wird. Einfach zu früh, es ist noch nicht mal August. Bekanntlich macht der August "den Most" und deshalb ist abzuwarten wie sich die Witterung in diesem Monat bzw. September verhält. Jedenfalls ist es um einiges besser als letztes Jahr. Das Jahr verlief bis jetzt sehr ruhig. Grundsätzlich sind aus allen Jahrgängen Weine "trinkbar". In Jahrgängen die die Winzerschaft besonders fordern müssen Sie Ihre Weinauswahl besser treffen. Gute Weine wird es immer geben.
Gruß aus der Steiermark www.herrenhof.net
..ich suche nur eine Antwort. Hmm, wo habe ich sie nur hingetan? Ach, egal..
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