Günther Jauch ist seit einem Jahr nicht nur Moderator, sondern auch Weingutsbesitzer © Manfred Klimek

ZEIT ONLINE: Herr Jauch, vor einem Jahr haben Sie das Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar von Verwandten erworben. Was haben Sie in diesem ersten Jahr über Weinbau gelernt?

Günther Jauch: Vor allem, wie schwierig das Geschäft ist. Die ganzen Differenzierungen, die Entscheidungen im Berg und im Keller. Was man im Berg falsch macht, kann man im Keller nicht mehr retten. Das musste ich erst lernen.

ZEIT ONLINE: Wie haben Sie sich auf Ihren neuen Job als Winzer vorbereitet?

Jauch:
Ich habe brav den großen Priewe, den frechen Pigott und ein paar andere Weinwerke gelesen, um ein gewisses Basiswissen zu bekommen. Meine Frau ist ein gutes Stück wissbegieriger. Sie engagiert sich sehr im Weingut. Mehr als ich. Das muss ich zugeben.

ZEIT ONLINE: Es hieß, dass Sie vor der Übernahme des Weinguts nicht viel mit Wein zu tun hatten. Trinken Sie heute mehr Wein?

Jauch:
Ja. (Pause). Ein einziges Wort: Ja.

ZEIT ONLINE: Und haben Sie sich schon durch die Region getrunken?

Im Frühsommer gab es einen Moment, wo jedem klar war: Jetzt noch fünf Tage keinen Regen und den Jahrgang 2011 kann man vergessen.

Jauch: Selbstverständlich. Wir haben die Kollegen auf der Zunge. Es hilft aber nichts, wenn man einen Wein eines Mitbewerbers großartig findet, denn man muss es selber erst mal genauso gut oder besser hinkriegen. Und man sollte eine gewisse Stilistik nie ohne Not über Bord werfen. Auch das habe ich gelernt.

ZEIT ONLINE: Spucken oder schlucken beim Kosten?

Jauch:
Ich spucke nicht gern. Da geht mir immer noch ein "Schade um den schönen Wein" durch den Kopf. Aber wenn Du 50 Jungweine am Stück probieren musst, bleibt dir nichts anderes über. Wer da schluckt, ist bald nicht mehr dabei.

ZEIT ONLINE: Wie viele Tage im Jahr sind Sie auf von Othegraven beschäftigt?

Jauch:
Etwa jede zweite Woche. Das Weingut beschäftigt mich aber jeden Tag, mein Geschäftsführer und Önologe Andreas Barth und ich telefonieren täglich.

ZEIT ONLINE: Sprechen Sie auch über das Wetter?

Jauch:
Ja, vor allem im Moment, weil die Lese naht. Ich verfolge täglich die lokalen Wetternachrichten. Die seltsamsten Seiten im Internet: Regenradar, Bodenfröste, Mikroklima und solches Zeug. Im Frühsommer gab es einen Moment, wo jedem klar war: Jetzt noch fünf Tage keinen Regen und den Jahrgang 2011 kann man vergessen.

ZEIT ONLINE: Werden die Weine vor der Füllung gemeinsam verkostet?

Jauch: Ja. Zuletzt habe ich unseren Riesling "Max" 24 Stunden nach der Füllung verkostet. Den hielt ich dann für eher schwer verkäuflich. Doch Andreas Barth hat mich beruhigt: Noch einmal in drei und in sieben Tagen und dann in vier Wochen erneut probieren. Und voilà: Dann war er perfekt. Ich kann noch nicht abstrahieren, habe kein Bild für die Zukunft eines Weins. Dafür fehlt mir die Erfahrung.