Wein und Wahrheit 2010, ein schlechter Jahrgang

Viel Regen und schlechte Ausbeute: 2010 war ein schlechtes Weinjahr. Nun wird es schöngeredet. Das schadet dem Ansehen der deutschen Winzer. Von Manfred Klimek

Ein Arbeiter liest in einem Weinberg in Mainz-Laubenheim Riesling-Trauben (Archivbild)

Ein Arbeiter liest in einem Weinberg in Mainz-Laubenheim Riesling-Trauben (Archivbild)

2010 war ein "gastronomischer Jahrgang". So heißt ein schlechtes Weinjahr im korrekten Neusprech der Marketingstrategen des Weinhandels. Also Vorsicht: "Gastronomischer Jahrgang" bedeutet meist säuerliche und schwachbrüstige Weine, nicht weit von der Untrinkbarkeit entfernt.

So auch 2010, ein Jahr mit viel Regen und schlechter Ausbeute. Mieser konnte es in Deutschland kaum werden. Mit dem Jahrgang 2010 ging zwischen Mosel und Rheingau, zwischen Nahe und Franken eine kurze aber prägende Ära guter bis passabler Jahrgänge zu Ende. Es war eine fruchtbare Dekade für den deutschen Weinbau.

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Dieser hatte früher oft zu leiden: Deutscher Wein galt im eigenen Land nur wenig, trockener deutscher Wein noch weniger. Die sauren und unreifen, oft noch aufgezuckerten Säfte wollte lange Jahre keiner trinken, nicht zu Unrecht. Bis auf ein paar edle restsüße Weine von der Mosel oder den Hängen um Rüdesheim blieb deutscher Wein ein Ladenhüter. Eine Mehrheit der Konsumenten, im Zentrum die Bessergestellten, griffen auch bei Weißweinen nur zu Franzosen und Italienern.

Doch dann kamen neue Winzer, junge Winzer, die neben ausgeprägtem technischen Wissen auch eine Art Instinkt in den Weinbau mitbrachten, also Tradiertes mit Vermutetem verknüpften. Und so entstanden viele neue deutsche Weine, vor allem trockene und mineralische Rieslinge. Und sie entstanden dort, wo man es am wenigsten vermutet hätte: in den wenig prominenten Regionen Pfalz und Rheinhessen.

Manfred Klimek
Manfred Klimek

Manfred Klimek sagt über sich selbst, er habe ein populistisches Weinverständnis mit individueller Note. Alle Weinkolumnen von ihm auf ZEIT ONLINE finden Sie hier.
 

Der Erfolg färbte auf die Mittelklasse der deutschen Winzer ab, die in passablen Jahren nun mehr noch als passable Weine zustande brachte. Bis 2010 kam. Das Jahr trennt Spreu von Weizen. Es wird als entscheidendes Jahr des Weinanbaus in Erinnerung bleiben. Und als Jahr der sauren Weine.

Im Augenblick läuft die Initiative der Verklärung. 2010 war dann doch "ein sehr gutes Weinjahr" kann man in den verschiedenen Weinblogger-Foren lesen, die zunehmend den Ton angeben. Das hört man vor allem, wenn es um die sogenannten Großen Gewächse geht, die nun laufend in Umlauf kommen. In diesen Großen Gewächsen schlummert das ganze Können deutscher Winzer. Sie sollen den Jahrgang repräsentieren und rehabilitieren.

Doch das ist nicht so einfach. Fraglos gibt es bei den Großen Gewächsen einige Weine, die schon jetzt erkennen lassen, was in ihnen steckt. Diese Weine sind sogar lange lagerfähig und werden ihr volles Potenzial erst in zehn Jahren und später entfalten. Und es sind einige Weine dabei, die zum absolut Besten gehören, das man im heimischen Weinbau in den letzten zwanzig Jahren gekeltert hat.

Leser-Kommentare
  1. wenn 2010 schon nichts war, dann werden wir weinköpfe 2011 die apokalypse ganzer wein-dynastien miterleben. dunkle zeiten für genießer, die auch heimatliche schätze ruhigen gewissens kosten wollen...

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    Freier Autor

    ..wenn nicht der Hagel zugeschlagen hat, oder noch zuschlägt. Aber das war ja gar nicht gefragt. Egal, ich sag´s trotzdem..

    Freier Autor

    ..wenn nicht der Hagel zugeschlagen hat, oder noch zuschlägt. Aber das war ja gar nicht gefragt. Egal, ich sag´s trotzdem..

  2. Freier Autor

    ..wenn nicht der Hagel zugeschlagen hat, oder noch zuschlägt. Aber das war ja gar nicht gefragt. Egal, ich sag´s trotzdem..

    Antwort auf "was wird 2011?"
  3. [...]

    Dass für eine gewisse Leserschaft derartige Unterhaltung von Nöten ist mag ja sein, ich als Leser der Zeit, habe mich jedoch bisher nicht in dieser "Gemeinschaft" gewogen.

    Wenn man Hr. Klimeks Beurteilungen über das Jahr 2010 verfolgt hat ruderte er nicht nur gegen ein Riff, sondern rudert nun ohne Boot von Arschjahr zu - "Und es sind einige Weine dabei, die zum absolut Besten gehören, das man im heimischen Weinbau in den letzten zwanzig Jahren gekeltert hat."

    [...]

    # Hr. Klimek - ich hoffe Sie [...] nehmen dies als ernst gemeinte Kritik und Rat sich entweder versierter mit Wein auseinander zusetzen oder einfach über Orangensaft zu schreiben ;-).

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie auch bei Kritik sachlich und verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Danke. Die Redaktion/sc

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    Freier Autor

    ..nicht zugänglich sind, weil diese wohl von persönlichen Beleidigungen nur so strotzen, will ich sagen, dass es nicht unmöglich ist, dass in schlechten Weinjahren auch hervorragende Weine gekeltert werden. Die kann man aber an einer Hand abzählen (uns sie erreichen auch kaum eine Vielzahl Konsumenten)..

    Freier Autor

    ..nicht zugänglich sind, weil diese wohl von persönlichen Beleidigungen nur so strotzen, will ich sagen, dass es nicht unmöglich ist, dass in schlechten Weinjahren auch hervorragende Weine gekeltert werden. Die kann man aber an einer Hand abzählen (uns sie erreichen auch kaum eine Vielzahl Konsumenten)..

  4. Freier Autor

    ..nicht zugänglich sind, weil diese wohl von persönlichen Beleidigungen nur so strotzen, will ich sagen, dass es nicht unmöglich ist, dass in schlechten Weinjahren auch hervorragende Weine gekeltert werden. Die kann man aber an einer Hand abzählen (uns sie erreichen auch kaum eine Vielzahl Konsumenten)..

  5. kein vernünftiges Wort über die Weinlagen in Mitteldeutschland über die Lippen.
    "Die Weine aus den Regionen des Ostens gehen nur bei etablierten Winzern als trinkbar durch." zu kommentieren, das verbietet der Umstand, dass jeder angemessene Kommentar dann stark moderiert würde.

  6. erwähnen.
    Vielleicht war das auch gar nicht die Intention des Selben.
    Sondern einmal am Jahrgang 2010 zu erläutern, daß es so etwas wie ganz schlechte Jahrgänge gibt. In 2010 für bestimmte Weine: nämlich für eher einfache, ohne extrem hohen Aufwand produzierte Weine.
    Die stehen dann natürlich trotzdem im Handel und werden auch gekauft/getrunken. Nicht anders als viele andere Weine dieser Welt.
    Wenn man Unterschiede machen möchte, sollte man deutsche Weine also aus 2009 oder älter (je nach Qualität) trinken und auf 2011-2012 warten.

    Eine Leser-Empfehlung
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    doch dann hätte er sich ja den einen abwertenden Satz, der mit der Beurteilung der 2010er Jahtgangs auch nur gar nichts zu tun hat, schenken können.
    Schade auch, dass Ihre Frau Großmutter unerwähnt blieb.

    doch dann hätte er sich ja den einen abwertenden Satz, der mit der Beurteilung der 2010er Jahtgangs auch nur gar nichts zu tun hat, schenken können.
    Schade auch, dass Ihre Frau Großmutter unerwähnt blieb.

  7. doch dann hätte er sich ja den einen abwertenden Satz, der mit der Beurteilung der 2010er Jahtgangs auch nur gar nichts zu tun hat, schenken können.
    Schade auch, dass Ihre Frau Großmutter unerwähnt blieb.

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    Freier Autor

    ..meinen Sie?

    Freier Autor

    ..meinen Sie?

  8. Freier Autor

    ..meinen Sie?

    Antwort auf "Mag sein,"
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    auf Ihre Nachfrage mache ich meinen Punkt gern klar.
    "Mit dem Jahrgang 2010 ging zwischen Mosel und Rheingau, zwischen Nahe und Franken eine kurze aber prägende Ära guter bis passabler Jahrgänge zu Ende. Es war eine fruchtbare Dekade für den deutschen Weinbau."
    Der deutsche Weinbau findet auch außerhalb der von Ihnen benannten Gebiete statt, das wissen Sie zwar, tun es dann auch gründlich ab.
    "Die Weine aus den Regionen des Ostens gehen nur bei etablierten Winzern als trinkbar durch."
    Bei allem Respekt vor einer Meinung, das ist sprachlich und inhaltlich so platt und verallgemeinernd, dass man es gar nicht als ernsthafte Betrachtung oder gar Kritik erkennen mag.

    "Die Qualität des Jahrgangs war insgesamt gut, auch wenn der Wein dieses Mal kein Spitzenjahrgang ist. Lediglich 21,9 Prozent des Weines konnten der höchsten Qualitätsstufe Prädikatswein (z. B. Kabinett, Spätlese, Auslese) zugeordnet werden und 74,9 Prozent dem Qualitätswein. Im Jahr 2009, einem qualitätsmäßig sehr gutem Jahr, war das Verhältnis umgekehrt. Auch das Mostgewicht von durchschnittlich 77 Grad Oechsle lag 2010 unter dem Wert des Vorjahres (89 Grad Oechsle). (StaLa)"
    http://www.agrar-pressepo...

    Da dürfte auch für Sie was Trinkbares dabei sein, wenn Sie es denn suchen & finden würden.

    auf Ihre Nachfrage mache ich meinen Punkt gern klar.
    "Mit dem Jahrgang 2010 ging zwischen Mosel und Rheingau, zwischen Nahe und Franken eine kurze aber prägende Ära guter bis passabler Jahrgänge zu Ende. Es war eine fruchtbare Dekade für den deutschen Weinbau."
    Der deutsche Weinbau findet auch außerhalb der von Ihnen benannten Gebiete statt, das wissen Sie zwar, tun es dann auch gründlich ab.
    "Die Weine aus den Regionen des Ostens gehen nur bei etablierten Winzern als trinkbar durch."
    Bei allem Respekt vor einer Meinung, das ist sprachlich und inhaltlich so platt und verallgemeinernd, dass man es gar nicht als ernsthafte Betrachtung oder gar Kritik erkennen mag.

    "Die Qualität des Jahrgangs war insgesamt gut, auch wenn der Wein dieses Mal kein Spitzenjahrgang ist. Lediglich 21,9 Prozent des Weines konnten der höchsten Qualitätsstufe Prädikatswein (z. B. Kabinett, Spätlese, Auslese) zugeordnet werden und 74,9 Prozent dem Qualitätswein. Im Jahr 2009, einem qualitätsmäßig sehr gutem Jahr, war das Verhältnis umgekehrt. Auch das Mostgewicht von durchschnittlich 77 Grad Oechsle lag 2010 unter dem Wert des Vorjahres (89 Grad Oechsle). (StaLa)"
    http://www.agrar-pressepo...

    Da dürfte auch für Sie was Trinkbares dabei sein, wenn Sie es denn suchen & finden würden.

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