Nachhaltiges BackenGut Brot will Weile haben

Brot ist ein Grundnahrungsmittel, trotzdem wissen wir nur wenig über seine Herstellung. Der Verein "Die Bäcker" kämpft für den Erhalt der traditionellen Backkultur. von Judith Innerhofer

So sollte Brot aussehen, wenn es in der Backstube aus dem Ofen kommen, findet der Verein "Die Bäcker. Zeit für Geschmack"

So sollte Brot aussehen, wenn es in der Backstube aus dem Ofen kommen, findet der Verein "Die Bäcker. Zeit für Geschmack"  |  © Die Bäcker - Zeit für Geschmack

ZEIT ONLINE: Frau Kähler, woran erkenne ich ein richtig gutes Brot?

Anke Kähler: Am einfachsten ist es, ein Brot mit Kruste und eines ohne zu testen. Sie werden sehen: das Brot mit Kruste hat deutlich mehr Geschmack. Außerdem sollte ein gutes Brot beim Aufschneiden nicht bröseln und auch nach einigen Tagen noch richtig saftig sein.

ZEIT ONLINE: Anfang 2011 wurde Ihr Verein "Die Bäcker. Zeit für Geschmack" gegründet. Welche Ziele verfolgen Sie?

Kähler: Wir engagieren uns für den Erhalt der traditionellen Backkultur. Wir backen nach regionaltypischen Rezepten, in denen sich lokale Ernährungsgewohnheiten widerspiegeln. Unser Motto Zeit für Geschmack gilt von der Reifung des Getreides bis zum gut ausgebackenen, duftenden Brot auf unserem Tisch.

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ZEIT ONLINE: Vermissen Sie so eine Art von Brot in vielen deutschen Bäckereien?

Kähler: Geschmack entsteht erst durch natürliche Prozesse im Brot. Wenn es zu früh aus dem Ofen gezogen wird, bleibt wenig vom Geschmack übrig. Aber Zeit ist Geld und das betrifft auch die Bäcker. Jahrelang ging es um schneller, schneller, schneller. Nur damit kriegt man kein Aroma hin.

ZEIT ONLINE: Immer häufiger geraten Bäcker wegen Verwendungen von Vormischungen und Tiefkühlprodukten in die öffentliche Kritik. Wie stehen Sie dazu?

Anke Kähler
Anke Kähler

Anke Kähler ist ausgebildete Bäckerin. Seit 2001 ist sie bundesweit als Beraterin für Bäckereien und Erzeugergemeinschaften für den Bioland Verband tätig. Seit 2011 ist sie Vorsitzende der Organisation "Die Bäcker. Zeit für Geschmack e. V.".

Kähler: Die Bäcker stehen unter einem ungeheuren Druck des Marktes. Viele Kunden gehen beim Kauf von Brot und Backwaren von Discounterpreisen aus. Bäcker sollen ein großes Sortiment anbieten, ofenfrische Backwaren bis zum Ladenschluss und das alles zu niedrigen Preisen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, greifen viele Bäckereien auf industriell vorgefertigte Produkte zurück.

ZEIT ONLINE: Ihr Verein vergibt auch ein Gütesiegel an Bäckereien. Welche Kriterien muss ein Betrieb dafür erfüllen?

Kähler: Die Betriebe müssen komplett handwerklich und ohne Convenience- oder Tiefkühlprodukte produzieren. Auf den Backwaren muss stehen, welche Inhaltsstoffe sie enthalten. Es gibt ja für unverpackte Backwaren im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln keine Deklarationsvorschrift. Wir erlauben nur eine sehr eingeschränkte Zahl an Backmitteln, die zugesetzt werden dürfen, zum Beispiel Malzmehl und Weizengluten.

Wichtig ist auch, dass jeder Bäcker ganz individuell nach seinen eigenen Rezepten backt. Man kann Brot natürlich auch mit einem fertigen Sauerteig backen. Wir haben aber vorgeschrieben, dass die Betriebe ihren eigenen Teig herstellen müssen, der bis zu 16 Stunden stehen muss. Erst dann bekommt ein guter Sauerteig seinen Geschmack.

Leserkommentare
  1. dafür wie wir uns selbst beim Essen von der Industrie abhängig machen. Gutes Brot gibt es nur noch selten. Wenn dann überteuert im Bioladen. Wir raffen es einfach nicht dass jedes Mal wenn wir unsere Grundbedürfnisse im Supermarkt befriedigen wieder ein paar Pennies in die Tasche von jenen wandern die soviel haben dass sie das Geld eigentlich nicht bräuchten. Und ein "gutes" Brot bekommen wir dafür auch nicht mehr. Tja solange in großen lettern "BROT" draufsteht ist es uns wurscht was drin ist. Aber wer "schmeckt" denn wirklich noch bewusst "hin"? Das Wesentliche fällt weg. Menschen denen man Oberflächlichkeit anerzieht kann man auch schlechtes andrehen.

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  2. Seit ich dieses Rezept kenne
    http://www.chefkoch.de/re...
    kommt bei mir praktisch kein gekauftes Brot mehr auf den Tisch.
    Es schmeckt zwar nicht ganz so wie ein "richtiges" Sauerteigbrot, aber dafür ist es auch mal abends schnell gemacht und ich weiß genau, was drin ist.

    Was ich auch selber nicht esse und ebenso Freunden und Kollegen nicht zumute, sind Torten und Kuchen aus der Tiefkühltruhe oder pampige Süßbackwaren vom Billigbackwarenpfuscher.

    Ein Rührkuchen ist schnell gemacht und geht leichter als viele meinen, Obstkuchen genauso.

    Mein einziger Schwachpunkt: der Baumkuchen von *ldi.
    Da müssen irgendwelche Suchtstoffe drin sein ;-)

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  3. Sie beschreiben hier wunderschön wie sich der Mikrokosmos im Makrokosmus widerspiegelt.
    Dass es ein teufelskreis ist, wenn wir "gutes Brot" kaufen, stärken wir den Familienbetrieb, das Handwerk die Mittelschicht. Wenn wir "billiges Brot" kaufen den Großbetrieb der auf maximalen Profit für eine minimale anzahl von Menschen setzt. (der Bäckergesell im Familienbetrieb kriegt mehr vom Kuchen ab als der Brötchenaufbacker in der Norma).
    Leider - und da kommt der Punkt wo ich widerspreche - können manche Menschen, wollen sie sich noch andere Wünsche außer "herrich frisches, ehrliches Brot" erfüllen sich dieses nicht leisten - müssen beim SB-Schlecht-aber-Billig einkaufen. Das Geld der ärmsten in diesem Land, H4, wandert über kleine Umwege fast restlos in die Taschen von gierigen Großunternehmnern. Beim Essen ist das Aldi, bei der Kleidung Kik, usw.

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    Antwort auf "Wieso "überteuert"?"

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  • Schlagworte Backware | Brot | Ladenschluss | Getreide | Kommunikation | Qualität
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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