Französische Austern Der Tod lauert im warmen Meer

Die französische Austernbranche erlebt die schwerste Krise seit 40 Jahren. Die delikaten Muscheln sterben an Bakterien und Umweltgiften – und Rettung ist nicht in Sicht.

Eine Komposition aus Fin-De-Claire-Austern, Steckrübe, Spitzkohl und Kümmel

Eine Komposition aus Fin-De-Claire-Austern, Steckrübe, Spitzkohl und Kümmel

Gekürzte Fassung aus BEEF!, Ausgabe 4/2011, www.beef.de

Frankreichs Austernproduktion, die viertgrößte der Welt nach China, Japan und Südkorea, steckt in einer tiefen Krise. Die französische Auster stirbt, Jahresumsätze von gut 600 Millionen Euro stehen auf dem Spiel. Die Konsumenten werden die Folgen spätestens Ende Dezember spüren: Zu Weihnachten und Silvester verzehren französische Schlemmer traditionell große Mengen der Schalentiere.

Weil geschätzte 80 Prozent der französischen Ware fehlen werden, sind Preissteigerungen nicht ausgeschlossen. Doch wird niemand verzichten müssen: Großhändler schließen die Lücken mit Importen aus anderen Ländern. Das mag die Feinschmecker trösten, nicht jedoch die Züchter, deren Existenz auf dem Spiel steht. Sie schlugen schon 2007 Alarm. Damals stellte das Ifremer-Institut (Institut français de recherche pour l‘exploitation de la mer, also das französisches Forschungsinstitut für Meeresnutzung) im Pariser Vorort Issyles-Moulineaux nüchtern fest, dass die Sterblichkeit von Jungaustern je nach Region zwischen 40 und 100 Prozent betrage. Endgültig in die Schlagzeilen geriet das Thema ein Jahr später, als acht Milliarden Jungaustern an Frankreichs Küsten ein schnelles Ende fanden.

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Belon Auster mit Kaviar

Belon Auster mit Kaviar

Die Gründe des großen Sterbens der rauhschaligen Auster vom Typ Crassostrea Gigas waren zügig gefunden. Auslöser ist das Virus OsHV-1, eine Art "Austern-Herpes". Dieser Erreger lauert im Mittelmeer, Atlantik und Ärmelkanal. Zusätzlich geschwächt werden die Meeresbewohner durch ein Bakterium namens Vibrio Splendidus, das in milden Wintern und warmen, regenreichen Frühlingsmonaten bestens gedeiht. Das Wasser an den Küsten Frankreichs erreicht laut Ifremer inzwischen Temperaturen von 16 bis 17 Grad, was die Ausbreitung solcher Krankheiten begünstigt. Zudem schließen Experten nicht aus, dass weitere, bisher nicht identifizierte Faktoren wie Umweltgifte oder Toxine aus Algen eine Rolle spielen. Und US-Forscher vermuten, dass neben dem Klimawandel auch übersäuerte Meere zum großen Sterben beitragen.

Das Problem: Austern haben kein Immunsystem wie Menschen oder Säugetiere. Man kann sie nicht impfen oder heilen, sondern nur warten, dass Infektionen abklingen. Oder eben auch nicht. Dieser worst case ist in der französischen Austernwirtschaft schon zweimal eingetreten. Das erste Mal Anfang des 20. Jahrhunderts. Ostrea Edulis heißt die europäische "Ursprungsauster", die schon im alten Rom verspeist wurde. Sie ist flach, empfindlich, schmeckt zart nach Meer und manchmal etwas nussig. Ihre Bestände wurden vor gut 100 Jahren durch den Bonamia-Ostrae-Parasiten stark dezimiert. Heute findet man sie noch in typischen Austerndörfern, in Frankreich als huître plate, in England als flat oyster.

Nach dem Niedergang der Ostrea Edulis wurde verstärkt die portugiesische Sorte Crassostrea Angulata gezüchtet. Doch die rottete ein Virus in Frankreich zwischen 1970 und 1972 aus. Also wurde sie durch die pazifische Sorte Crassostrea Gigas ersetzt, die heute mehr als 98 Prozent Marktanteil hat – und nun ebenfalls gefährdet ist. Inoffiziell aber werden neben dem bereits erwähnten Klimawandel auch Umweltverschmutzung und intensive Agrikultur als Gründe für die Katastrophe gehandelt.

Leser-Kommentare
  1. die an giftigen Austern bereits gestorben sind.
    Ist nämlich auch noch ein Problem, die Austern leben noch, dürfen aber in Frankreich momentan gar nicht geschlachtet werden.

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  2. Die Austern-Branche tut mir kein bisschen Leid! Sie ist ein absolutes Luxussegment in unserer Gesellschaft und leistet in keinster Weise irgendeinen Beitrag zur gesellschaftlichen Wohlfahrt. Die eigentliche Katastrophe ist doch, dass das Ökosystem der Meere schon so weit dezimiert ist, dass ein Austernsterben einsetzt! Als nächstes trifft es die Hummer, arme Hummerbranche, dann die Störe, arme Kaviarbranche...So kann man es natürlich auch sehen, aber der Mensch ist nunmal der Verursacher dieser Schäden, warum sollte er dann nicht auch an den Folgen leiden (an vergifteten Austern sterben)? Bitte mal darüber nachdenken...

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    den Verursachern das Geld.
    Die Welt ist einfach.

    Austern waren, bis vor gar nicht langer Zeit, GRUNDNAHRUNGSMITTEL für arme Leute an der Küste.
    .
    Ähnlich wie Miesmuscheln, Hering, Lachs, Garnelen/Krabben....
    .
    Wenn sich die Bedingungen für Austern durch Temperaturanstieg der Meere an den franz. Austernbänken so rapide verschlechtern, triff das erst mal die Austernzüchter, aber im zweiten Schritt auch uns.
    .
    In der Nordsee finden sich auch schon vermehrt Arten, die von ihren Lebensbedingungen ins Mittelmeer gehören.
    .
    Nachdenkenswert! Schlag einmal die Zusammenhänge nach! Stichwort: Meereserwärmung und Klimaveränderung.
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    Ich habe nichts gegen "Palmen" am Strand von Langeoog, aber etwas gegen Wüste im Sauerland, Meeresstrand an der Lippe und eine "Kölner Bucht" als Segelrevier:-((
    .
    Gruss
    Sikasuu
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    (der mit 120m über nn noch recht trocken wohnt! :-) )

    den Verursachern das Geld.
    Die Welt ist einfach.

    Austern waren, bis vor gar nicht langer Zeit, GRUNDNAHRUNGSMITTEL für arme Leute an der Küste.
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    Ähnlich wie Miesmuscheln, Hering, Lachs, Garnelen/Krabben....
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    Wenn sich die Bedingungen für Austern durch Temperaturanstieg der Meere an den franz. Austernbänken so rapide verschlechtern, triff das erst mal die Austernzüchter, aber im zweiten Schritt auch uns.
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    In der Nordsee finden sich auch schon vermehrt Arten, die von ihren Lebensbedingungen ins Mittelmeer gehören.
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    Nachdenkenswert! Schlag einmal die Zusammenhänge nach! Stichwort: Meereserwärmung und Klimaveränderung.
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    Ich habe nichts gegen "Palmen" am Strand von Langeoog, aber etwas gegen Wüste im Sauerland, Meeresstrand an der Lippe und eine "Kölner Bucht" als Segelrevier:-((
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    Gruss
    Sikasuu
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    (der mit 120m über nn noch recht trocken wohnt! :-) )

  3. ... bald kommt die gegen alles resistente Ostrea sempervivens "Monsanto". Dann ist alles gut ...

  4. Ich habe Ende August/Anfang September in Südfrankreich unweit des Austern- und Muschelgebietes am Etang de Thau Urlaub gemacht. Auf den täglichen Märkten in Sete, Agde etc. gab es ein reichliches Angebot an Schalentieren zu normalen Preisen. Möglicherweise sind die Probleme eher am Atlantik beheimatet.

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    im etang de thau hat es in den letzten 3 Jahren bis zu 60% Verluste gegeben, die nur teilweise durch Preiserhoeungen von etwa 30% innerhalb dieser Zeit, kompensiert werden konnten. In der Ferienzeit ist das fuer Touristen kaum sichtbar, insbesondere auf den Maerkten, wo die Produzenten oft direkt anbieten. Mit 3-5 € per kg (etwa 12-15 Stck.) sind Austern hier kein Luxusprodukt, sondern fuer jedermann erschwinglich, was in D sicher anders aussieht. Ifremer, die hier am Ort sind, machen die allgem. Verschmutzung und insbesondere die Erwaermung des Wassers fuer die Probleme verantwortlich - both made by human beings...

    im etang de thau hat es in den letzten 3 Jahren bis zu 60% Verluste gegeben, die nur teilweise durch Preiserhoeungen von etwa 30% innerhalb dieser Zeit, kompensiert werden konnten. In der Ferienzeit ist das fuer Touristen kaum sichtbar, insbesondere auf den Maerkten, wo die Produzenten oft direkt anbieten. Mit 3-5 € per kg (etwa 12-15 Stck.) sind Austern hier kein Luxusprodukt, sondern fuer jedermann erschwinglich, was in D sicher anders aussieht. Ifremer, die hier am Ort sind, machen die allgem. Verschmutzung und insbesondere die Erwaermung des Wassers fuer die Probleme verantwortlich - both made by human beings...

  5. den Verursachern das Geld.
    Die Welt ist einfach.

  6. Austern waren, bis vor gar nicht langer Zeit, GRUNDNAHRUNGSMITTEL für arme Leute an der Küste.
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    Ähnlich wie Miesmuscheln, Hering, Lachs, Garnelen/Krabben....
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    Wenn sich die Bedingungen für Austern durch Temperaturanstieg der Meere an den franz. Austernbänken so rapide verschlechtern, triff das erst mal die Austernzüchter, aber im zweiten Schritt auch uns.
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    In der Nordsee finden sich auch schon vermehrt Arten, die von ihren Lebensbedingungen ins Mittelmeer gehören.
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    Nachdenkenswert! Schlag einmal die Zusammenhänge nach! Stichwort: Meereserwärmung und Klimaveränderung.
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    Ich habe nichts gegen "Palmen" am Strand von Langeoog, aber etwas gegen Wüste im Sauerland, Meeresstrand an der Lippe und eine "Kölner Bucht" als Segelrevier:-((
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    Gruss
    Sikasuu
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    (der mit 120m über nn noch recht trocken wohnt! :-) )

  7. Für mich liegt das Austersterben weniger an den Umweltgiften, sondern es ist die systematische Massenaufzucht.

  8. Auch diese Diskussion wird hier sehr emotional geführt, dies versperrt den Blick auf den wesentlichen Hintergrund:

    Austern sind bereits in der Steinzeit ein Grund-Nahrungsmittel gewesen und wie von einem Kommentator ob richtig angemerkt, ähnlich wie der Hering, heute eine Delikatesse. Um diese Delikatesse ist es nicht wegen der Massenzucht schlecht bestellt, oder wegen der Umweltgifte, vielmehr ist der Klimawandel das Umweltgift schlechthin. Die Austern haben eine Indikatorfunktion, wie # 6 Sikasuu oben richtig anmerkt. Es macht keinen Sinn hier gegen ein vermeintliches Luxusprodukt zu wettern, das trifft nicht annähernd den Kern dieser Meldung. Ähnlich wie beim Bienensterben ist das ein Austernsterben ein ernstes Alarmsignal, das Signal muß nur noch verstanden werden. Leider haben wir im großen und ganzen ein ganz massives Vertsändnis- und Interpretationsproblem für das, was um uns herum so passiert.

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