Ein Münchner Dönerverkäufer bei der Arbeit © Frank Mächler/ dpa

Irfan Söyler hat schon an vielen Orten dieser Welt einen Döner gegessen, und eines ist ihm dabei aufgefallen: Ob es nun ein Döner in Spanien oder Italien ist, man bekommt dort einen deutschen Döner. Das türkische Fast Food vom Drehspieß verdankt seinen Siegeszug als Weltmarke den Deutschen, da ist sich Söyler sicher. Er muss es wissen, denn er kennt sich mit dem Thema aus. Am kommenden Freitag und Samstag veranstaltet Söyler im südtürkischen Antalya den dritten "Welt-Döner-Kongress", bei dem rund 400 Unternehmer aus 35 Ländern über die Zukunft des türkischen Fast Foods zwischen Globalisierung, Gammelfleisch und islamischen Reinheitsvorschriften sprechen wollen.

Söylers Bewunderung für die deutsche Rolle bei der weltweiten Döner-Verbreitung geht auf die Tatsache zurück, dass der Imbiss in Anatolien zwar schon lange bekannt ist, aber erst durch die Verbreitung durch türkische Imbisse in Deutschland zu einer internationalen Attraktion wurde. In den 1970er und 1980er Jahren wurde Berlin zum Döner-Mekka, von dort aus breitete sich der Türken-Spieß zunächst im Rest von Deutschland und dann weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus.

"Deutsche Lebensmitteltechnologie" sei dabei entscheidend gewesen, sagte Söyler: "Die Deutschen haben den Döner in die Weltküche gebracht." Wie unaufhaltsam der Siegeszug der deutsch-türkischen Fleischspeise ist, zeigt die neueste Entwicklung, von der Söyler berichtete. "In der Türkei kommt in jüngster Zeit immer mehr der Fertig-Döner auf. Und auch das ist ein deutscher Döner."

Ein deutscher Döner, meint Söyler, ist weniger fett als das türkische Originalprodukt. "Und er hat einen bestimmten Geschmack und eine bestimmte Kräutermischung." In der Türkei wird das Dönerfleisch zudem häufig auf einem Teller serviert, und nicht im Brot, wie in Deutschland üblich. Vielleicht setzte sich das deutsche Döner-Sandwich deshalb international durch, weil es für Passanten in den Großstädten praktischer ist.

Was ein Döner überhaupt ist, wurde zuerst in Berlin behördlich festgelegt. Eine bestimmte Mischung aus verschiedenen Fleischsorten wurde da definiert – mit unabsehbaren Folgen. Der Berliner Döner wurde zum deutschen Standard, obwohl die Türken in anderen Regionen der Republik oft ganz andere Fleischsorten verwendeten. So kam es, dass gestandene türkische Döner-Imbissbetreiber in Baden-Württemberg und Bayern auf die Bezeichnung "Döner" verzichten mussten, weil ihr Fast Food zwar nicht weniger türkisch, wohl aber anders zusammengesetzt war als das in Berlin.