Gastronomie-KongressDer deutsche Döner ist Weltstar

Die Wurzeln des Döners liegen in Berlin, über seine Zukunft zwischen Preiskampf und Halal-Standards wird beim Welt-Döner-Kongress in Antalya diskutiert. von Thomas Seibert

Irfan Söyler hat schon an vielen Orten dieser Welt einen Döner gegessen, und eines ist ihm dabei aufgefallen: Ob es nun ein Döner in Spanien oder Italien ist, man bekommt dort einen deutschen Döner. Das türkische Fast Food vom Drehspieß verdankt seinen Siegeszug als Weltmarke den Deutschen, da ist sich Söyler sicher. Er muss es wissen, denn er kennt sich mit dem Thema aus. Am kommenden Freitag und Samstag veranstaltet Söyler im südtürkischen Antalya den dritten "Welt-Döner-Kongress", bei dem rund 400 Unternehmer aus 35 Ländern über die Zukunft des türkischen Fast Foods zwischen Globalisierung, Gammelfleisch und islamischen Reinheitsvorschriften sprechen wollen.

Söylers Bewunderung für die deutsche Rolle bei der weltweiten Döner-Verbreitung geht auf die Tatsache zurück, dass der Imbiss in Anatolien zwar schon lange bekannt ist, aber erst durch die Verbreitung durch türkische Imbisse in Deutschland zu einer internationalen Attraktion wurde. In den 1970er und 1980er Jahren wurde Berlin zum Döner-Mekka, von dort aus breitete sich der Türken-Spieß zunächst im Rest von Deutschland und dann weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus.

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"Deutsche Lebensmitteltechnologie" sei dabei entscheidend gewesen, sagte Söyler: "Die Deutschen haben den Döner in die Weltküche gebracht." Wie unaufhaltsam der Siegeszug der deutsch-türkischen Fleischspeise ist, zeigt die neueste Entwicklung, von der Söyler berichtete. "In der Türkei kommt in jüngster Zeit immer mehr der Fertig-Döner auf. Und auch das ist ein deutscher Döner."

Ein deutscher Döner, meint Söyler, ist weniger fett als das türkische Originalprodukt. "Und er hat einen bestimmten Geschmack und eine bestimmte Kräutermischung." In der Türkei wird das Dönerfleisch zudem häufig auf einem Teller serviert, und nicht im Brot, wie in Deutschland üblich. Vielleicht setzte sich das deutsche Döner-Sandwich deshalb international durch, weil es für Passanten in den Großstädten praktischer ist.

Was ein Döner überhaupt ist, wurde zuerst in Berlin behördlich festgelegt. Eine bestimmte Mischung aus verschiedenen Fleischsorten wurde da definiert – mit unabsehbaren Folgen. Der Berliner Döner wurde zum deutschen Standard, obwohl die Türken in anderen Regionen der Republik oft ganz andere Fleischsorten verwendeten. So kam es, dass gestandene türkische Döner-Imbissbetreiber in Baden-Württemberg und Bayern auf die Bezeichnung "Döner" verzichten mussten, weil ihr Fast Food zwar nicht weniger türkisch, wohl aber anders zusammengesetzt war als das in Berlin.

Leserkommentare
  1. Ich will einen Döner......

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    Döner macht schöner, ne? ;-)

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte üben Sie sachliche Kritik. Danke. Die Redaktion/vn

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    Ich dachte doch, dass mein Spaß noch zu erkennen ist.

  3. Ich dachte doch, dass mein Spaß noch zu erkennen ist.

    Antwort auf "[...]"
  4. A) Hammelfleisch in Fladenbrot ist eine uigurische Spezialität und der Ur-Ahn des Döner-Kebap

    B) Prinzipiell kann Döner sehr lecker sein, wobei das heute eher ein Glückstreffer ist. Warum stinkt (sorry, so ist es nun einmal) das Zeug heutzutage so fürchterlich? Ein BVG-Busfahrer hat letztens den Doppeldecker-Bus abgestellt, ist nach oben gegangen und hat einen Döner-Futterer rausgeschmissen, weil der Bus so bestialisch gestunken hat.
    Dieses halbgare Pressfleisch mit Mayonaise-Schmiere, das ist nicht der gute Döner, wie wir ihn vor 25 Jahren noch kannten.

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    "A) Hammelfleisch in Fladenbrot ist eine uigurische Spezialität und der Ur-Ahn des Döner-Kebap"

    Waren Sie schonmal vor Ort ?
    Ich habe das in Xinjiang noch nie gesichtet,
    selbst Fladenbrot nicht. Dort ist ein "Nang" das taeglich Brot.

  5. In Paris kamen mir die Döner besonders lecker vor. Leider habe ich dort keinen probiert, war aber begeistert das im QL die Dönersoieße ganz vorne fast im Schaufenster präsentiert wurden - man konnte also die Qualität des Fleisches zumindest schon mal lecker optisch direkt ansehen. Hier in D ist der Spieß ja oft eher irgendwo hinten und blaß von Neonlicht bestrahlt zu finden...

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    Dann haben sie aber auch noch keinen Döner in Berlin probiert, kann das sein?!

  6. Döner macht schöner, ne? ;-)

    Antwort auf "Ich will"
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    Entfernt. Die Redaktion/mk

  7. Kadir Nurman ist der Meinung jeder Döner unter 5€ Verkaufspreis kann eigentlich gar nichts sein.

    http://www.spiegel.de/pan...

    Viele Döner sind heutzutage eigentlich nur pressfleisch ,aufgespiesst und vor allem schlecht (oder kaum) gegart, wo ist die Knusprigkeit, warum erstickt das labbrige Fleisch im Kraut?

    • friened
    • 07. November 2011 17:43 Uhr

    Wenn jemand schon so an die Fast-Food-Gesellschaft gewöhnt ist, daß er die Qualität nicht mehr durch Riechen und Schmecken einschätzen kann, sollte er zumindest seinen gesunde Menschenverstand anstrengen um zu erkennen, daß, wenn man zum Preis von 2-3 Euro eine solche Menge Fleisch bekommt, etwas nicht stimmen kann. Wer auch daran nichts anstößig findet, sollte sich dann aber auch nicht über Fleischskandale aufregen: ein gewisser Gammelfleischanteil, das lehrt uns der Döner, scheint offensichtlich gesundheitlich unbedenklich zu sein.

    Eine Leserempfehlung
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    Nun, jeder ist doch selber in der Lage zu entscheiden, nicht?!
    Der Döner mit Pressfleisch, den ich in Berlin für 2-2,50 bekomme, kostet in Darmstadt 3,90 und da gibt es leider keine Alternative.

    In Berlin zahl ich lieber meine 3 Euro und habe dafür auch gute Qualität, hier hab ich zum Glück (noch) die Wahl.

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