Nennig? Dreis? Tonbach? Was für die meisten fremde Ortsnamen sind, lässt Gourmets aufhorchen. Denn in diesen Kleinstädten kochen drei der besten deutschen Köche. Gerade hat der Michelin seinen neuen Restaurantführer für 2012 vorgestellt und wieder haben neun Köche die Höchstnote von drei Sternen, 32 zwei Sterne – das sind satte zehn mehr als 2011 – und 208 einen Stern. Das ist Rekord. Aber kein Restaurant in Berlin, Hamburg, München oder Köln hat die Höchstnote geschafft. Stattdessen kochen die Besten des Landes nach wie vor in der Provinz. Aber wo liegen eigentlich diese Refugien des guten Geschmacks? Und was gibt es dort außer Völlerei noch zu tun?

Zwischen Autostadt und Aqua in Wolfsburg

Der nördlichste deutsche Drei-Sterne-Koch heißt Sven Elverfeld, sein Lokal ist in Wolfsburg. Es heißt Aqua , was nach lauschigen Gewässern klingt. Leider ist es aber nur der grüngraue Mittellandkanal, der durch das auch sonst eher betrübliche Wolfsburg fließt. Die Stadt in Deutschlands langweiligstem Bundesland Niedersachsen kennt jeder als die Heimat von Volkswagen. Eigentlich kommt man nur hierher, um ein Auto abzuholen. Der Feinschmecker kann nichts anderes tun, als in der nahen VW-Autostadt zwischen Pavillons und Autogalerien umherzuirren, sitzt er nicht gerade abends bei Elverfeld zu Tisch. Am besten reist man also im Dunkeln an, isst und schläft – und fährt schnell wieder heim.

Wie schön ist dagegen Osnabrück. Hier kocht Thomas Bühner, der gerade den dritten Stern bekommen hat. Mit Hilfe des langjährigen RWE-Bosses und Multimillionärs Jürgen Großmann , dem Bühners La Vie gehört, kann er hier unbeschwert und frei von finanziellen Sorgen seine Aromenküche entwickeln. Der Gast dankt’s in dem herrlichen alten Stadthaus, das äußerst nobel eingerichtet wurde. Osnabrück hat ein paar nette Ecken, schöner aber ist es am nahen Dümmer See. Dort rasten im Herbst Tausende Kraniche, und im Sommer brüten Fischadler. Man kann stundenlang im Kreis um den See herum Fahrradfahren, bis sich wieder Hunger auf Bühners Küche einstellt.

Etwas weiter südlich liegt Bergisch-Gladbach. Auch das keine Schönheit. Es gibt wieder nur Straßen, große Papierfabriken, Waschbetonbauten und entsetzliche Einkaufszentren. Zwei Lichtblicke sind die Restaurants von Joachim Wissler und Nils Henkel. Henkel hat gerade seinen dritten Stern abgeben müssen, was gleich zweifach schade ist: Das Essen schmeckt auch nicht schlechter als vor einem Jahr, und außerdem liegt sein Hotelrestaurant Lerbach in einem verwunschenen Park mit Tümpel und Schwänen darauf.