SternerestaurantsDraußen, wo die Köche wohnen

Die besten deutschen Köche sind in der Provinz zu Hause, in Orten wie Nennig, Dreis und Tonbach. Was es dort abseits der Gourmetküche zu erleben gibt, weiß Robert Lücke. von Robert Lücke

In dieser Idylle zwischen Teich und Wald kocht Nils Henkel im Schlosshotel Lerbach.

In dieser Idylle zwischen Teich und Wald kocht Nils Henkel im Schlosshotel Lerbach.  |  © Althoff Hotels

Nennig? Dreis? Tonbach? Was für die meisten fremde Ortsnamen sind, lässt Gourmets aufhorchen. Denn in diesen Kleinstädten kochen drei der besten deutschen Köche. Gerade hat der Michelin seinen neuen Restaurantführer für 2012 vorgestellt und wieder haben neun Köche die Höchstnote von drei Sternen, 32 zwei Sterne – das sind satte zehn mehr als 2011 – und 208 einen Stern. Das ist Rekord. Aber kein Restaurant in Berlin, Hamburg, München oder Köln hat die Höchstnote geschafft. Stattdessen kochen die Besten des Landes nach wie vor in der Provinz. Aber wo liegen eigentlich diese Refugien des guten Geschmacks? Und was gibt es dort außer Völlerei noch zu tun?

Zwischen Autostadt und Aqua in Wolfsburg

Der nördlichste deutsche Drei-Sterne-Koch heißt Sven Elverfeld, sein Lokal ist in Wolfsburg. Es heißt Aqua , was nach lauschigen Gewässern klingt. Leider ist es aber nur der grüngraue Mittellandkanal, der durch das auch sonst eher betrübliche Wolfsburg fließt. Die Stadt in Deutschlands langweiligstem Bundesland Niedersachsen kennt jeder als die Heimat von Volkswagen. Eigentlich kommt man nur hierher, um ein Auto abzuholen. Der Feinschmecker kann nichts anderes tun, als in der nahen VW-Autostadt zwischen Pavillons und Autogalerien umherzuirren, sitzt er nicht gerade abends bei Elverfeld zu Tisch. Am besten reist man also im Dunkeln an, isst und schläft – und fährt schnell wieder heim.

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Der Eingang zu Thomas Bühners Restaurant La Vie in Osnabrück

Der Eingang zu Thomas Bühners Restaurant La Vie in Osnabrück  |  © Friso Gentsch dpa/lni

Wie schön ist dagegen Osnabrück. Hier kocht Thomas Bühner, der gerade den dritten Stern bekommen hat. Mit Hilfe des langjährigen RWE-Bosses und Multimillionärs Jürgen Großmann , dem Bühners La Vie gehört, kann er hier unbeschwert und frei von finanziellen Sorgen seine Aromenküche entwickeln. Der Gast dankt’s in dem herrlichen alten Stadthaus, das äußerst nobel eingerichtet wurde. Osnabrück hat ein paar nette Ecken, schöner aber ist es am nahen Dümmer See. Dort rasten im Herbst Tausende Kraniche, und im Sommer brüten Fischadler. Man kann stundenlang im Kreis um den See herum Fahrradfahren, bis sich wieder Hunger auf Bühners Küche einstellt.

Etwas weiter südlich liegt Bergisch-Gladbach. Auch das keine Schönheit. Es gibt wieder nur Straßen, große Papierfabriken, Waschbetonbauten und entsetzliche Einkaufszentren. Zwei Lichtblicke sind die Restaurants von Joachim Wissler und Nils Henkel. Henkel hat gerade seinen dritten Stern abgeben müssen, was gleich zweifach schade ist: Das Essen schmeckt auch nicht schlechter als vor einem Jahr, und außerdem liegt sein Hotelrestaurant Lerbach in einem verwunschenen Park mit Tümpel und Schwänen darauf.

Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte üben Sie konstruktive Kritik auf einer sachlichen, respektvollen Ebene. Danke. Die Redaktion/vn

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  2. ..sollte es heissen!

  3. also bitte, so schlecht ist das Wetter im Schwarzwald nicht, außerdem liegt Mitteltal in einem der weiten, freundlichen und sonnigen Täler, die es dort auch gibt.

    Und: die Ureinwohner dort, haha, kommen nicht auf die Welt und sind alt, da gibt es recht ansehnliche junge Menschen beiderlei Geschlechts.

    Und: der Aufenthalt dort führt nicht dazu, dass man sich alle drei Jahre die gebräunte Knittervisage liften lassen muss, wie beim Schnarch - Urlaub auf Malle...

    2 Leserempfehlungen
  4. Die Leistung von Wohlfahrt ist gigantisch. 20 Jahre drei Sterne zu erkochen, das schaffen nicht nur deutschlandweit sondern auch weltweit nur ganz wenige. Dass Baden-Württemberg weit überdurchschnittlich viele Sterneköche beherbergt, zeigt, dass die Schwaben und Badener noch anderes im Kopf haben als Kehrwoche und "Schaffe, schaffe, Häuslebaue". Die angeblich so sparsamen Schwaben schätzen offenbar die gehobene Gastronomie, die man bekanntlich nicht zum "Geiz-ist-geil-Preis" bekommt.

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  5. Einwohner

    Die Einwohner dieser Stadt heißen nicht, wie oft angenommen, „Saarbrückener“, sondern „Saarbrücker“ (im süd-saarländischen Dialekt „Saarbrigga“, im nord-saarländischen „Saarbregger“). Gleiches gilt für das Adjektiv; so heißt es beispielsweise „Saarbrücker Zeitung“, „Saarbrücker Zoo“.

    • Tiroler
    • 11. November 2011 15:32 Uhr

    Ich finde Niedersachsen überhaupt nicht langweilig, wohl aber diesen absolut nichtssagenden Artikel.

    3 Leserempfehlungen
    • Lamola
    • 11. November 2011 17:32 Uhr

    Wenn ich einen solchen Quatsch über die einzelnen Bundesländer lese, kann ich nur über Herrn Lücke staunen. War er überhaupt schon mal im Saarland?
    Daß unsere Autobahnen auf vielen Strecken kaputt sind, trifft sicher auf andere Länder auch zu. Aber daß man die Saarländer als schwermütig bezeichnet und froh sein kann, wenn man im wirklich nicht besonders attraktiven Mannheim ankommt, das ist wirklich unerhört. Das Saarland und die Saarbrücker sind liebenswert und nicht umsonst möchten viele nicht mehr von dort weg. Wie kann Herr Lücke etwas so negatives schreiben?
    Ich hätte von Ihrer Zeitung etwas mehr erwartet und nicht eine solche Arroganz anderen Bundesländern gegenüber. Wenn man in Hamburg die Innenstadt oder die Nobelwohnviertel verlässt, ist es dort auch nicht mehr schön und von den unfreundlichen Hamburgern wollen wir gar nicht erst reden.

    4 Leserempfehlungen
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    • 3cpo
    • 11. November 2011 17:54 Uhr

    hahaha. Köstlich. Also, nicht übel nehmen. Aber was soll ich im Saarland? Da ist doch gar nichts. BAWÜ, das ist wirklich ein tolles Bundesland. Die Weinstrasse, der Schwarzwald, Überhaupt, das ganze Rhein-Necakr Gebiet. Nicht nur landschaftlich, sondern wohl auch gaumenmäßig ein Genuss. Selbst Mannheim, wo ich übrigens geboren bin, wenn auch nicht dee schönste Stadt, hat doch eine Unmenge an Kultur zu bieten. Mit die wichtigsten Ausstellungen Deutschlands, zum Beispiel in der Mannheimer Kunsthalle. Eishockey! Das Nationaltheater. Herrlich. Zu Beethovens Zeiten sogar das weltweit renomierteste Symphonieorchester. Die Zeiten sind leider vorbei. Zu Hamburg: Selbst wenn Sie es wieder komplett kaputt bomben würden, wäre HH immer noch attraktiver als das Saarland.

    Anm.: Liebe Zeit, ich disse hier lediglich ein Bundesland. Also, ich wäre etwas beleidigt, wenn mein Kommentar editiert oder gar entfernt würde.

    Sie haben vollkommen Recht.Denn hier wird auf eine absolut überzogene und vor allem unwahre Weise "beschrieben"!

    • 3cpo
    • 11. November 2011 17:54 Uhr

    hahaha. Köstlich. Also, nicht übel nehmen. Aber was soll ich im Saarland? Da ist doch gar nichts. BAWÜ, das ist wirklich ein tolles Bundesland. Die Weinstrasse, der Schwarzwald, Überhaupt, das ganze Rhein-Necakr Gebiet. Nicht nur landschaftlich, sondern wohl auch gaumenmäßig ein Genuss. Selbst Mannheim, wo ich übrigens geboren bin, wenn auch nicht dee schönste Stadt, hat doch eine Unmenge an Kultur zu bieten. Mit die wichtigsten Ausstellungen Deutschlands, zum Beispiel in der Mannheimer Kunsthalle. Eishockey! Das Nationaltheater. Herrlich. Zu Beethovens Zeiten sogar das weltweit renomierteste Symphonieorchester. Die Zeiten sind leider vorbei. Zu Hamburg: Selbst wenn Sie es wieder komplett kaputt bomben würden, wäre HH immer noch attraktiver als das Saarland.

    Anm.: Liebe Zeit, ich disse hier lediglich ein Bundesland. Also, ich wäre etwas beleidigt, wenn mein Kommentar editiert oder gar entfernt würde.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Michelin | Restaurantführer | Stern | Frankreich | Köche | Wohnen
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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