KokosnussDie Frucht Gottes

Ganz Deutschland debattiert über einen Kokosnussroman unter Naziverdacht. Die vielseitige Frucht, um die es darin geht, kommt dabei zu kurz. von Björn Rosen

Kokosnüsse als Opfergaben in Indien

Kokosnüsse als Opfergaben in Indien  |  © DIBYANGSHU SARKAR/AFP/Getty Images

Okay, der Mann hat es natürlich übertrieben. Für August Engelhardt war die Kokosnuss nicht weniger als "der Stein der Weisen". Die Frucht, die der Sonne, dem Quell allen Lebens, am nächsten wachse, sei das vollkommene Nahrungsmittel. Mehr noch: "Die reine Kokosdiät macht unsterblich und vereinigt mit Gott", behauptete Engelhardt, dem die beinahe ausschließliche Ernährung mit Kokosnüssen gesundheitlich allerdings nicht besonders gut tat. 1902 wanderte der gebürtige Franke, ein überzeugter Nudist und Vegetarier, in die damalige Kolonie Deutsch-Neuguinea im Südpazifik aus. Dort kaufte er eine Insel voller Kokospalmen, gründete eine Sekte und feilte an seiner Philosophie, dem Kokovorismus.

Der gerade erschienene Roman Imperium , in dem Schriftsteller Christian Kracht von Engelhardts kokovorischer Utopie erzählt, hat sofort eine neue Nazi-, bisher aber keine Kokos-Debatte ausgelöst. Schade eigentlich. Denn die Kokosnuss mag zwar – anders als Engelhardt glaubte – nicht in der Lage sein, die Menschheit zu erlösen. Kulinarisch jedoch ist sie tatsächlich ein kleines Wunder. Und extrem vielseitig.

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Ihr Inneres dient als Zutat für Suppen, Hauptspeisen, Desserts und Getränke. In Polynesien wird frisches, geraspeltes Kokosfleisch sogar mit ein bisschen Zucker aufs Baguette gestreut – als Frühstücksbrot. Die Kokosnuss besitze ein Aroma, das "mit anderen Geschmäckern, ob süß oder herzhaft, auffallend gut harmoniert", schreibt Niki Segnit in ihrem Geschmacksthesaurus (Bloomsbury Berlin ). Frisch zeichne sie sich durch "einen milden, milchig fruchtigen Geschmack aus, entwickelt jedoch, sobald man sie röstet oder backt, ein kräftigeres Aroma sowie eine sahnig nussige Süße".

Die Debatte um Christian Kracht

Auf Georg Diez' Artikel im Spiegel haben viele Medien reagiert. Lesen Sie hier die Debattenbeiträge von:

Andreas Fanizadeh in der taz
Sabine Vogel in der Frankfurter Rundschau
Gerrit Bartels im Tagesspiegel
Jan Küveler auf Welt Online
Felicitas von Lovenberg in der Frankfurter Allgemeine Zeitung
David Hugendick auf ZEIT ONLINE
Erhard Schütz im Freitag
Jakob Augstein auf Spiegel Online
Iris Radisch in der ZEIT
Jörg Magenau in der taz
Thomas Assheuer in der ZEIT

Bis zu 2,5 Kilo schwer kann die Nuss, die botanisch gesehen eine Steinfrucht ist, werden. Kokosnüsse, die man in Deutschland im Supermarkt bekommt, sind immer schon geschält, ihnen fehlt die äußere, dicke Faserhülle, aus der zum Beispiel Schiffstaue gedreht werden. In der darunter liegenden harten Schale verbergen sich weißes Fruchtfleisch und bis zu ein Liter Kokoswasser. Wer eine Nuss kaufen will, sollte sie kurz schütteln, um zu prüfen, ob noch Flüssigkeit im Innern ist, dann nämlich taugt die Frucht noch was.

Das Fleisch kann man nicht nur frisch essen, getrocknet ist es auch Ausgangsprodukt für Kokosfett, das sich zum Backen, Braten und Frittieren eignet. Kokospalmen lieben es warm und hell, und sie brauchen viel Wasser. Deshalb gedeihen sie nur in den Tropen. Ursprünglich stammen sie wohl aus Südasien. In der Region von Indien bis Indonesien spielt die Nuss kulinarisch denn auch die größte Rolle, etwa in der thailändischen Küche.

"Bei uns steckt sicher in der Hälfte aller Speisen Kokos", sagt Pratina Kross, Inhaberin von Meo’s, einem Thai-Restaurant mit angeschlossener Kochschule in Berlin Wilmersdorf. "Es gibt fast kein Dessert ohne Kokos, und auch für Vor- und Hauptspeisen wird es oft verwendet."

Die 44-jährige Kross ist unter Kokospalmen aufgewachsen – und auf ihnen. "Sehen Sie", sagt sie, "meine Haut ist sehr dunkel, ich komme aus dem Süden Thailands , da stehen wirklich überall Palmen." An einem Tisch in ihrem Restaurant, vor sich eine Kerze in einer halbierten, ausgenommenen Kokosnussschale, erzählt sie amüsiert davon, wie sie sich mit fünf Jahren beim Palmenklettern einmal böse den Fuß verletzte. Die Früchte selber zu pflücken, kann sehr schwierig sein, in vielen asiatischen Plantagen werden dressierte Affen dafür eingesetzt.

Leserkommentare
  1. "Ganz Deutschland debattiert über einen Kokosnussroman unter Naziverdacht."

    Na Gott sei Dank kam anscheinend kein Wort von Kritik an irgendeiner Religion/Ideologie vor,was dann losgewesen wäre,nicht auszudenken ;-)

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    Wenn man sich auch über ein rechtes Weltbild in diesem Roman streiten kann (über die dargestellte Kokusnuss-Esoterik wird nicht gestritten), so fällt doch in anderen "Werken" von Kracht auf, dass ihm rechtes Gedankengut nicht fremd ist und er wohl zu recht in diese Ecke einzuordnen ist.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/sc

  2. Liebe Leute, haltet den Ball mal flach!

    Einige Feuilltonisten streiten sich über einen Naziverdacht.

    Also niemand von Bedeutung und erst recht nicht ganz Deutschland. Ich möchte mal behaupten, dass 98% der Deutschen noch nicht einmal wissen, dass es das Buch Imperium gibt.

    Was jetzt, da man mal einen Aufhänger hat, wieder von Feuilletonisten in diversen Blättchenüber die Kokusnuss geschrieben wird, ähnelt sich doch sehr und läßt den Verdacht aufkommen, dass die Niemande jetzt auch noch voneinander abschreiben.

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    ...wenn sich Medien nur mit sich beschäftigen. Privatsender machen daraus mittlerweile komplette Verwertungsketten.

    • mirko h
    • 28. Februar 2012 12:44 Uhr

    zu behaupten ganz Deutschland streite über den Roman. Aber die meisten Literaturinteressierten eben doch.Dass sie nur eine Minderheit darstellen: So wahr wie bedauerlich. Jedoch bedeutungslose Niemande? Na ja, immerhin Sie sind ja wer.Vermutlich versteckt sich hinter dem Pseudonym rodelaax jemand ganz bedeutendes. Frau Merkel?

  3. 3. [...]

    Wenn man sich auch über ein rechtes Weltbild in diesem Roman streiten kann (über die dargestellte Kokusnuss-Esoterik wird nicht gestritten), so fällt doch in anderen "Werken" von Kracht auf, dass ihm rechtes Gedankengut nicht fremd ist und er wohl zu recht in diese Ecke einzuordnen ist.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/sc

    Antwort auf "nicht auszudenken ;-)"
    • Gerry10
    • 28. Februar 2012 9:03 Uhr

    ...ist nach neuesten Erkenntnissen die Avocado.
    Sie gibt dem Menschen fast alles das er zum Leben braucht.
    Nur mal so am Rande :-)

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    Die Avokado ist auf vielen Gebieten nur durchschnittlich zu gebrauchen. Mir persönlich sind auf die dauer "spezialisierte" Gewächse lieber.

  4. ist die Frucht der Weisheit. Das sagten jedenfalls die alten Römer. Die mit dem Liktorenbündel. O Gott! Stehe ich jetzt unter Nazi-Verdacht?

    Die Debatte um den alten und neuen Nationalsozialismus verliert an Seriösität und gewinnt an Hysterie.

  5. ...die in Deutschland erhältlichen Kokusnüsse isst in Thailand oder Indien niemand. Solche werden lediglich zur Kokosölgewinnung verarbeitet.

  6. Die Avokado ist auf vielen Gebieten nur durchschnittlich zu gebrauchen. Mir persönlich sind auf die dauer "spezialisierte" Gewächse lieber.

    • chrisi
    • 28. Februar 2012 10:55 Uhr

    Ganz Deutschland? Solche Superlative kennt man eigentlich nur von RTL und BILD.
    Ansonsten ein guter Artikel

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  • Quelle Tagesspiegel
  • Schlagworte Christian Kracht | Dessert | Indien | Indonesien | Thailand | Berlin
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