Die AusleserDer gute Stoff für alle Tage

Der Pfälzer Winzer Heiner Sauer baut seine Bioweine ganz traditionell im Holzfass aus. Bei ihm haben Fabian und Cornelius Lange einen Silvaner für Vieltrinker entdeckt. von Fabian Lange und Cornelius Lange

Die Schönheit einer Flasche Wein, gesehen beim Weinfestival in Tiflis, Georgien

Die Schönheit einer Flasche Wein, gesehen beim Weinfestival in Tiflis, Georgien  |  © Reuters/David Mdzinarishvili

Cornelius hatte Durst und ich gab Gas. Die Rebzeilen flogen an uns vorbei, wuppwuppwupp. Die A65 zerschnitt die Rebflächen, die sich von den Höhenzügen der Haardt bis in die Rheinebene hinunter zogen, wo von Zeit zu Zeit der eisige Spätfrost sein Unwesen treibt. Genau wie in jener Nacht vom 4. auf den 5. Mai 2011, als fünf Grad Minus ihre zarten Triebe mit leichter Hand zu Tode rang. In endlosen Reihen hatte das erste Grün schlapp und braun herab gehangen und so manchem Winzer ein Fünftel seiner Erntemenge geraubt. Wo sich die Autobahn heute durch den fruchtbaren Boden fräst, lagen früher Rübenäcker, denen konnte Väterchen Spätfrost nichts anhaben. Aber nach dem Krieg glaubten viele Winzer, dass sie mit den Segnungen von Mineraldünger, Herbiziden und modernem Pflanzenschutz auch das Klima austricksen könnten und so bepflanzten sie die Risikozone mit gewinnbringenderen Weinstöcken was das Zeug hielt. Pustekuchen!

Unsere Tour stand unter dem Zeichen der Suche nach dem Stoff für alle Tage, für Menschen die klare Antworten auf eine berechtigte Frage erwarten: Welcher Wein taugt für jeden Tag? Für Vielweintrinker. Für Genussverfeinerungsgegner. Für Leute, die sich am liebsten 365 Flaschen einer Sorte in den Kofferraum laden, um für jeden Tag gewappnet zu sein. Nicht die normalen Flaschen, sondern echte Minimagnums, dicke Buddeln, Literflaschen, Wonneproppen. Runde Sache das, ein Zehntausendstel eines Kubikmeters, es lebe der Urmeter, das französische System, was soll schon das krumme Nullkommasiebenfünf? Wer Durst hat, trinkt keine Dreiviertelsachen sondern ganze.

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"Wissens, ich mache immer der Dopplertest", erklärte Peter Kubelka , lebende Ikone der Filmavantgarde und gnadenloser Kochtheoretiker bei einem langen und tiefgründigen Gespräch über das Kochen vor ein paar Monaten, "Der Doppler, des ist die österreichische Zweiliterflasche. Also, ich trinke die zum Test oabends, manchmal mit meiner Frau, und wenn ich am nächsten Tag koanen Kopf hab, da ist der Wein gut. Dann koafe ich mir den Vorrat fürs Jahr." Ehrliches Prinzip, die Leberspülung. "Wissens, dieses goanze Lifestyle-Getue, diese Genießer-Spießer, die hab ich g’fressen. Und ehrlich gesagt, nehmens mir net übel, oauch solche Leut wie Sie."

Die Autoren

© Bernd Jonkmanns

Fabian und Cornelius Lange sind immer auf der Suche nach ultimativen Weinen. In der Kolumne "Die Ausleser" schreiben sie über Entdeckungen und Begegnungen in aller Welt, singen ebenso inbrünstig ein Loblied auf die Segnungen der Globalisierung wie sie die Qualität eines regionalen Weins aus der Literflasche beschwören. Mehr über die beiden Autoren erfahren Sie hier.

Die Weinempfehlungen im Überblick

Diese Weine haben "Die Ausleser" bisher besprochen:

Weingut Heiner Sauer: Silvaner 2011 in der Literflasche
6 Flaschen, 33 Euro
Die einfachen Dinge sind manchmal besonders kompliziert. Guten Literwein zu finden zum Beispiel – eine Paradedisziplin für Silvaner, der immerhin auf Platz drei der weißen Sorten Deutschlands rangiert. Im Bioweingut Heiner Sauer in der südlichen Pfalz pendelt er sich genau auf dem Mittelweg ein, als gut gemachter, klassischer Stoff. Und 2011 war ein perfektes Jahr für diese Sorte. Sauers Interpretation in der Literflasche wächst auf Lösslehmböden und ist ein herrlich fettes Teil, cremig, weich und mit sanfter Säure. Der eigentliche Hattrick aber ist, dass Heiner Sauer seinen Biowein in großen, klassischen Holzfässern reifen lässt. Das bekommt dem Wein sehr gut, schleift ihn, feilt ihn, macht ihn rund. Mit feinen Kräuternoten, reifen Apfelnoten und einem satten Mundgefühl streichelt er nur so am Zäpfchen vorbei. Und das mit rund 11 Prozent Alkohol. Sauers Silvaner ist garantiert nichts für Angeber und Weinwichtigtuer, sondern einfach nur für Menschen, die gern Wein trinken. Mit der Betonung auf trinken.

Johner Estate: Sauvignon Blanc Gladstone 2011
Ca. 5 Euro

Sauvignon Blanc, der in Kurzform einfach nur Sauvignon genannt wird, ist neben Pinot Noir (Spätburgunder) die Rebsorte Neuseelands und als Beitrag der Insel zur modernen Weinwelt nicht mehr wegzudenken. Ein guter, expressiver Sauvignon braucht zwei Lesedurchgänge: früh, um die Frische und Säure zu konservieren, und spät, um die reifen Aromen der Exotik einzufangen. Auf dem Weingut Johner entsteht so ein opulenter, ausladender, enorm dichter Weißwein, der vor Kraft kaum laufen kann. Dabei gibt die frische Fruchtsäure dem Wein die nötige Abwechslung. Frischer Ziegenkäse, Rote Beete, Le-Puy-Linsen, bestes Olivenöl und Estragon sind die kulinarischen Mitspieler dieser großartigen Rebsorte.

Bartolo Mascarello: Barolo 2005 DOCG
Ca. 65 Euro

Eine Weinlegende braucht viel Aufmerksamkeit, vor allem wenn es sich, wie in diesem Fall, um einen traditionellen Barolo handelt, der zu einhundert Prozent aus der Rebsorte Nebbiolo hergestellt wird. Die hat eine dünne Schale und somit wenig Farbstoffe, dafür aber eine imposante Menge an Gerbstoffen. Mascarellos 2005er Barolo aus dem letzten Lebensjahr des Kultwinzers lässt sich noch auftreiben. Aber aufgepasst! Einen halben Tag vorher dekantieren ist ein Muss, erst dann entwickeln sich die Aromen und bilden einen Gegenpol zu den enormen Tanninen. Ein Muss ist auch das richtige Essen. In Rotwein geschmorter Rinderbraten, Beinscheiben. Steinpilze oder Polentaschnitten mit geschmortem Radicchio-Gemüse und Olivenöl – Hauptsache, die Gerbstoffe können so richtig andocken. Der teurere 2007er von Bartolos Tochter Teresa ist wegen des Jahrgangs runder, voller und reifer, braucht aber auch Zeit und das passende Essen.

Privatkellerei Tsantali: Metochi Chromitsa 2007& Premium-Cuvée Mount Athos Abaton 2006
Ca. 12,50 Euro bzw. 18 Euro

Heiliger Bimbam, was für ein Wein! Die Hälfte steuert die alte autochthone Rebsorte Limnio bei, den Rest teilen sich Cabernet und Merlot – alle ökologisch erzeugt. Limnio ist schon in der Antike von Polidefkis, Homer und Aristoteles erwähnt worden und wächst seit langem rund ums Kloster. Die Sorte steuert herbe Kraft, Kräuteraromen und fruchtige Säure bei – das gibt dem Wein die nötige Statur. Die beiden internationalen Zutaten liefern wiederum fruchtige Cassis- und Pflaumenaromen. So beschreitet der Tsantali einen ganz eigenen Weg und zeigt, wie großartig Wein aus Griechenland sein kann: Herbe Frucht in der Nase, voller Kraft und dem Duft des Südens. Vital, ungezähmt und mit erdigem Grundton liefert der Chromitsa reichlich reife Früchte, Pfeffer, Lorbeer. Der Wein bleibt im Mund richtig schön aktiv und verabschiedet sich ganz langsam mit einem salzigen Finish.

Der Premium-Cuvée Mount Athos Abaton reift ebenfalls in der Klosterkellerei. Hier dominieren Cabernet und Merlot, Limnio macht nur 30 Prozent aus. Der 2006er Abaton reift zu hundert Prozent in neuen Barriques und ist daher weicher und offener als der Metochi Chromitsa. In der Nase ist Minze spürbar, reife, zum Teil getrocknete Früchte. Im Mund setzt der Abaton eine Oktave tiefer an, bietet eine schöne reife Süße im Aroma. Vanille und Holz sind spürbar und ein attraktiver, geschliffener Gerbstoff. Alles zusammen mündet in einem schokoladigen Finale.

Weingut am Stein Ludwig Knoll: Würzburger Stein Silvaner trocken 2011 & Würzburger Innere Leiste Scheurebe 2011
Ab Weingut ca. 9,50 Euro

Weingut August Kesseler: Lorcher Kapellenberg Riesling Kabinett trocken 2011
Ab Weingut ca. 15 Euro

Weingut Theo Minges: Pfalz Muskateller trocken 2011
Ab Weingut 7,80 Euro

Weingut Kruger-Rumpf: Münsterer Pittersberg Riesling trocken 2011
Ab Weingut ca. 12 Eur

Weingut Matthias Müller: Bopparder Hamm Ohlenberg Riesling Spätlese trocken 2011 & Bopparder Hamm Mandelstein Riesling Auslese 2011
Ab Weingut ca. 10 Euro bzw. 14 Euro 

Weingut Dr. Heinz Wagner: Saar Riesling trocken 2011 & Saarburger Kupp "Alte Reben" Riesling Spätlese trocken2011 & Saarburger Rausch "Josef Heinrich" Riesling Spätlese "feinherb"2011
Ab Weingut 8 Euro bzw. 14 Euro

Weingut Brüder Dr. Becker: Ludwigshöher Silvaner (Ortswein) trocken 2011
Ab Weingut ca. 10,50 Euro

Weingut Moric: Blaufränkisch "Reserve" 2009
Ca. 25 Euro

Der erste Schluck kommt so normal daher, dass es fast irritiert: kein Holz, kein Rumtopf, kein Rauch, einfach nur Frucht. Pur, geläutert, schlicht, schön, groß. So soll es sein, denn diese Frucht rekelt sich beinahe im Glas, ist saftig, lustvoll und macht Durst auf mehr. Der Winzer wirft dem Wein keine Holzknüppel zwischen die Beine, denn Morics Reserve läuft und läuft und läuft. Feine Kirschfrucht, kultivierte, runde Gerbstoffe, immer offen, elegant und zugänglich mit einer dezenten Portion Kakao am Ende. Ein moderner, ernsthafter Rotwein.

Weingut Trapl: Blaufränkisch Spitzerberg 2009
Ca. 33 Euro

Auch dieser Blaufränker hat vor allem Kirsche an Bord, aber auch Brombeere. Beides wird nur ganz zurückhaltend vom Holz flankiert, statt dass es die Frucht mundtot macht. Dafür hat der Spitzerberg eine feine Frische mit einem Hauch Citrus und eine Idee Minze auf Lager, die den Wein am Gaumen in angenehme Schwingungen versetzt. Das ist klasse gemacht, ein Rotwein, der die Zukunft einläutet.

Winzerkeller Neckenmarkt: Blaufränkisch Hochberg, Mittelburgenland DAC 2009
Ca. 8 Euro

Das hier ist eine Entdeckung von der Vievinum – so was läuft außer Konkurrenz. Ist er den Juroren zu "einfach"? Zu sehr Blaufränkisch? Wir wissen es nicht, raten aber trotzdem dazu. So muss Blaufränkisch sein: Voller Frucht, saftig, rund und voll. Dabei reif und mit fein geschliffenen Gerbstoffen. Hier haben die Genossen aus dem Burgenland ganze Arbeit geleistet.

Weingut Umathum: Zweigelt 2010
Ca. 10 Euro

Herrlich knackiger Bursche, voll und prall im Glas. Eine Frucht zum draufbeißen, reinbeißen, aussaugen. Saftig pralle Schwarzkirschen, feinkörnige Gerbstoffe und angenehm pfeffrig. Rundum rund und voll mit allem was ein perfekter Zweigelt so braucht. Holz zählt jedenfalls nicht dazu.

Bodega Atamisque: Pinot Noir "Catalpa" 2010
Ca. 11 Euro

Bodega Atamisque:Malbec "Catalpa" 2010
Ca. 11 Euro

Ohne Malbec wäre Argentinien nicht Argentinien. Die ursprünglich aus dem Bordeaux stammende Sorte wächst dort auf 24.000 Hektar Rebfläche. Bei Atamisque entsteht aus den Trauben ein kraftvolles Urgestein, das nach einem Mund voll reifer Beeren schmeckt, mit prägnanten aber runden Gerbstoffen. Ideal zum draußen trinken, denn dieser opulente Malbec kann sich auch gegen ein laues Lüftchen behaupten. Wird zu zwei Dritteln im Stahltank ausgebaut und stammt von Rebstöcken, die bis zu 80 Jahre alt sind.

Bodega Atamisque:Cabernet Sauvignon "Atamisque" 2008
Ca. 16 Euro

Herrlich knackiger Bursche, voll und prall im Glas. Eine Frucht zum Draufbeißen, Reinbeißen, Aussaugen. Saftig pralle Schwarzkirschen, feinkörnige Gerbstoffe und angenehm pfeffrig. Rundum rund und voll mit allem, was ein perfekter Zweigelt so braucht. Holz zählt jedenfalls nicht dazu.

ACDC Sauvignon Blanc: Hells Bells, Marlbourough, New Zealand
ca. 12 Euro

Metallisch-kühler Duft nach Salbei, frisch geschnittenem Gras und Holunderblüten. Reichlich grüne Paprika klingelt in der Nase. Im Mund versteckt sich die Frucht, läutet gar nicht laut, sondern klingt eher leise an. Keine Exotik oder Maracuja, dafür aber eine Spur salzig. Die Macher der Höllenglocken haben sich für den grünen, vegetabilen Stil des Sauvignon Blancs, für den die Weine aus Neuseeland berühmt sind, entschieden – und zeigen kein Fitzelchen Gerbstoffe. Eichenholzfrei schlägt der Hells Bells glockenrein am Gaumen. Kein großer Stoff, aber gute Standardware.

ACDC Shiraz: Back in Black, Barossa Valley, Australia
ca. 12 Euro

Zwei schwere Jungs, Angus und Malcom Young bedienen bei AC/DC die Gitarren. Beim Wein der Brüder ist eher Volksmusik angesagt: Im Duft reife Himbeeren, hochreife Pflaumen, Trockenobst und eine Prise schwarzer Pfeffer – alles, was ein Schlager heute so braucht. Im Mund machen sich dann Nelke, Piment, eine Spur Teerpflaster, Zimt und wieder vollreife Himbeeren bemerkbar, neben einem Hauch grasiger Noten. Runde Gerbstoffe ohne Ecken und Kanten oder jegliche Disharmonien machen den Back in Black zu einem Everybody's Darling. Der Florian Silbereisen unter den Shiraz.

Champagne Bérèche et Fils: Reflet d’ Antan
Ca. 69 Euro

Feine goldene Farbe, extrem zurückhaltende Perlage. Im Mund sahniges Mousseux mit appetitlicher Säure, feinem Apfelaroma und einem Anflug von Anis, frischem Tabak und geröstetem Sesam. Statt frischer Frucht wird dieser kräftige Champagner durch intensive, anhaltende Kräuternoten, Malzaromen und einer mineralischen Kreide-Spur über die Zunge gelenkt. Ein sehr nachhaltiges Geschmackserlebnis, das die Tür in eine neue Champagner-Dimension eleganter Reife und Intensität aufstößt. Ideal auch zum Essen: Atlantikfisch mit Noilly-Prat, geräucherter Forelle, Hahn mit Creme-Frâiche-Sauce oder Pilz-Risottos.

Champagne H. Billiot: Cuvée Laetitia
Ca. 60 Euro

Dunkles Strohgelb, seidiger Auftritt, sehr sahniges Mousseux. Entwickelt sich ruhig im Mund. Getrocknete Rosenblätter, gebratener Apfel und Orangenschalen klingen in der Nase an mit einer Spur Safran. Der Wein hat auch feine Krallen, mit denen er sich am Gaumen bemerkbar macht und ihn dadurch zum Essen prädestinieren. Langes Finale mit überraschend lebendigem Nachklang. Ein großer Champagner.

Sektkellerei Bardong: Erbacher Honigberg 2007, Riesling Sekt, Rheingau b.A. brut
Ca. 15 Euro

Frischer Rieslingduft im Glas, mit feiner Perlage. Im Mund zündet der Honigberg nach fünf Jahren Hefelager eine goldene Brilliantrakete: Apfel- und reifer Birnenduft machen Druck am Gaumen, der Sekt hat einen wunderbar nachhaltigen Schaum und verbindet viel saftige Frische und ausgependelte Reife. So herrlich kann perlender Riesling sein: fordernd, opulent und elegant.

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Aua, das tat weh, ein Stich ins selbstverliebte Herz. Aber vielleicht hat er ja Recht, der grantelnde alte Professor aus Wien ? Machen wir vielleicht zu viel Gedöns bei der Suche nach einer guten Flasche Wein? Sind das nicht selbst verursachte Luxusprobleme? Als gäbe es vor der Haustür nichts zu finden, das für unsere feinen Zungen wirklich gut genug ist? Darum machten wir die Probe aufs Exempel, mit der Fahrt ins Herz der deutschen Literflaschen-Szene, in die schnuckelige Pfalz . Dort gibt es erfahrungsgemäß immer noch eine große Auswahl an Weinen, die nicht nur keine Kopfschmerzen, sondern auch jede Menge Trinkvergnügen bereiten. Sagt man. Hört man. Dachten wir. Die trinkt man leider viel zu selten, vielleicht weil die Literflasche imagemäßig nur knapp oberhalb des Tetrapaks rangiert. Dabei kommt es doch eigentlich nur drauf an, was drin ist – und wenn es ein ganzer Liter guter Stoff ist, umso besser, oder?

Heiner Sauer lässt seinen Biowein in klassischen Holzfässern reifen.

Heiner Sauer lässt seinen Biowein in klassischen Holzfässern reifen.  |  © Weingut Heiner Sauer

"Du musst da hinten rechts abbiegen", sagte Cornelius bei der Einfahrt in den Ort. Böchingen ist ein kleines Pfälzer Nest vor den Toren Landaus, und mittendrin steht das Weingut von Heiner Sauer , einem Ökomann der ersten Stunde. Ruhiger Typ, gelassen und abgeklärt: "Ich war fest in der Öko- und Anti-AKW-Bewegung verwurzelt. Für den Bioweinbau habe ich mich schon interessiert als es nur eine Handvoll Leute gab, die so was in Deutschland praktizierten." Und so fuhr Heiner Sauer regelmäßig zu den Stammtischen, wo die Pioniere ihre Erfahrungen untereinander austauschten. "Zu der Zeit wurde uns Winzern noch eingetrichtert, ohne chemisch-synthetische Spritzmittel ginge nichts im Weinbau. Wir wurden für verrückt erklärt."

Cornelius rutschte schon etwas nervös auf seinem Stuhl hin und her. Und dann kam sie, die Flasche seiner Sehnsüchte: schön prall und dick. Oben ein Schrauber drauf und drinnen ein ganzer Liter ohne Kompromisse. Pure Freundschaft zum Satttrinken – und garantiert nichts für eitle Weinsnobs. Cornelius setzte das Glas an und trank.
 

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Leserkommentare
  1. eines Kubikmeters sind 100 ml und nicht ein lieter, da ein Kubikmeter noch immer 1000 lieter hat. Wer Durst hat, trinkt keine Dreiviertelsachen. Aber wohl auch nicht zehntelsachen :-)

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    • pekka
    • 26. April 2012 12:52 Uhr

    der muss sowas nicht wissen!

  2. Die Erzeugung von Wein mag eine gewisse Kultur darstellen. Das Trinken von Wein kann aber nur dann noch als Kultur gelten, wenn es kein Betrinken ist, also ein gewisses Maß gehalten wird. Ein oder gar zwei Liter Wein täglich überschreiten deutlich jegliche medizinische Empfehlung und gefährden objektiv die Gesundheit. Das kann man mit Kultur gar nicht und mit Genuss nur noch teilweise rechtfertigen. Also bitte: schon bei einer halben Ein-Liter-Flasche täglich sollten sich die Autoren ernsthaft Gedanken zu ihrem Trinkverhalten machen und eine Menge weinfreie Tage einlegen.

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    Der Pfälzer trinkt seinen Wein nicht aus einer Literflasche (das wäre wirklich keine Trinkkultur!), sondern nimmt die Literflasche und füllt damit ein Schoppenglas -- ein glatter Zylinder mit 1/2000 Kubikmeter Fassungsvermögen, woanders würde das vielleicht als Blumenvase durchgehen. Wenn's echt ist, steht ein Schoppen auf dem Tisch, der dann an die Tischgesellen weitergereicht wird.

  3. Der Artikel endet ein wenig unvermittelt -- ich hatte beim Lesen den Eindruck, jetzt müsste noch die zweite Seite kommen...

  4. Der Pfälzer trinkt seinen Wein nicht aus einer Literflasche (das wäre wirklich keine Trinkkultur!), sondern nimmt die Literflasche und füllt damit ein Schoppenglas -- ein glatter Zylinder mit 1/2000 Kubikmeter Fassungsvermögen, woanders würde das vielleicht als Blumenvase durchgehen. Wenn's echt ist, steht ein Schoppen auf dem Tisch, der dann an die Tischgesellen weitergereicht wird.

    Antwort auf "Trinkkultur"
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    nimmd de Pälzer ä Dubbeglas (http://de.wikipedia.org/wiki/Dubbeglas).
    Dess iss nädd so gladd unn rudschisch.

    • pekka
    • 26. April 2012 12:52 Uhr

    der muss sowas nicht wissen!

    Antwort auf "Ein Zehntausendstel…"
  5. nimmd de Pälzer ä Dubbeglas (http://de.wikipedia.org/wiki/Dubbeglas).
    Dess iss nädd so gladd unn rudschisch.

    Antwort auf "Pfälzer Trinkkultur"
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    als ich zum ersten Mal dort war und bei einem Weinfest ein Glas Wein holte, bekam ich einen solchen "Eimer" von einem halben Liter. Ich war entsetzt und trank....

    fallt ämm aa ned so schnell aus de Hand, wann's emol mit de Feinmodorik nemieh so hiehaut.

  6. als ich zum ersten Mal dort war und bei einem Weinfest ein Glas Wein holte, bekam ich einen solchen "Eimer" von einem halben Liter. Ich war entsetzt und trank....

    Antwort auf "Unn noch liwwer"
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    Zum Weingut Sauer ist noch anzumerken, dass die auch sehr schöne Rieslinge haben. Besonders gut gefiel mir vor einiger Zeit der 2009er Riesling Steinreich. Ein echter Sponti mit viel Mineralität...
    Und sowas trinkt man dann auch in der Pfalz aus "ordentlichen" Weingläsern (und nicht aus Eimern).

  7. Zum Weingut Sauer ist noch anzumerken, dass die auch sehr schöne Rieslinge haben. Besonders gut gefiel mir vor einiger Zeit der 2009er Riesling Steinreich. Ein echter Sponti mit viel Mineralität...
    Und sowas trinkt man dann auch in der Pfalz aus "ordentlichen" Weingläsern (und nicht aus Eimern).

    Antwort auf "Diese Pfälzer... "

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  • Serie Weinkolumne
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Pflanzenschutz | Wein | Pfalz | Wien
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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