Die AusleserFrankreichs Traube unter der Sonne Neuseelands

Eine Ernte im Jahr reicht der Winzerfamilie Johner nicht. Deswegen baut sie am Kaiserstuhl Spätburgunder an – und im Wairarapa Valley einen Sauvignon Blanc zum Träumen. von Fabian Lange und Cornelius Lange

Das Weingut der Familie Johner liegt im Kaiserstuhl im Südwesten von Baden-Württemberg.

Das Weingut der Familie Johner liegt im Kaiserstuhl im Südwesten von Baden-Württemberg.  |  © Patrick Johner

Es gibt genau drei Wege, Sauvignon Blanc zu erleben. Du kannst an die Loire fahren, wo die Sorte ursprünglich herkommt, und Dir mit Puilly Fumé und Sancerre ein paar schöne Tage machen. Du kannst natürlich auch den weiten Weg nach Neuseeland fliegen, wo Sauvignon Blanc seit den neunziger Jahren Karriere macht, und Dir dort die Sinne benebeln . Du kannst aber auch auf der A5 die Abfahrt Riegel nehmen und nach Bischoffingen im Kaiserstuhl fahren. Da sparst Du Dir den Flug um die halbe Erde und landest trotzdem auf der Insel am anderen Ende der Welt.

Wie das gehen soll? In jedem Fall musst Du nicht auf den 35. Mai warten und wie Kästners Onkel Ringelhuth mit Deinem Neffen und einem arbeitslosen Zirkuspferd durch den Schrank gehen. Und Englisch musst Du auch nicht können, allerdings könnte ein klein wenig Toleranz dem Singsang des badischen Idioms gegenüber nützlich sein, wenn Du beim Weingut Johner klingelst. Die Johners rackern sich mit der schrillsten Weißweinsorte der Welt ab, denn seit etwa zehn Jahren haben sie ein Weingut bei den Kiwis. Für schräge Sachen sind die Johners immer gut.

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Wir waren zu dritt, Fabian, Holger, der Professor, und ich, Cornelius. Holger brachte seine klobige G-Klasse mit quietschenden Reifen zum Stehen, genau vor dem Weingut, wo Vater Karl Heinz Johner und sein Sohn Patrick gerade dabei waren, in eine große, graue Kunststoffbütte mit frisch gelesenen roten Trauben hineinzuträumen. Die beiden schmiedeten ganz offensichtlich Pläne für einen neuen Wein, den sie gleich in die Gärung schicken wollten. Konnte man da einfach vorbei fahren? Auch wenn Fabian und der Professor schnell nach Hause wollten, wenigstens musste man doch kurz Hallo sagen. "Hallo!", sagte ich. Und schon standen wir mit den Händen in den Hosentaschen und knurrendem Magen in Johners kaltem Keller vor glänzenden Stahltanks mit gärendem Most. Gluckergluckerglucker.

Die Winzerfamilie: Sohn Patrick, Irene und Karl-Heinz Johner

Die Winzerfamilie: Sohn Patrick, Irene und Karl-Heinz Johner  |  © Patrick Johner

Einmal Wein machen pro Jahr ist den Johners nicht genug. Deshalb machen sie zweimal Wein. Im Frühling in Neuseeland , im Herbst in Bischoffingen. Und Vater Johner lachte. Das macht er meistens, am liebsten über seine eigenen Witze. Er rollte mit seinen großen Augen wie ein Uhu und sah ein bisschen so aus wie Marty Feldman in seinem Sketch Undertaker (Der Bestatter, der vor seinem eigenen Laden Leute umlegt, um das Geschäft anzukurbeln, vorzugsweise hat er es dabei auf die Konkurrenz auf der anderen Straßenseite abgesehen). Das ist fast genauso crazy wie nach England zu gehen, um Wein zu machen. Das hat Karl Heinz Johner auch schon gemacht. Und zwar in Kent, in den siebziger und achtziger Jahren. Wahrscheinlich für einen spleenigen Lord oder Duke oder Earl, der daraus seinen eigenen Champagner produzieren wollte. Derweil legte Johner fleißig Pfund für Pfund für die eigene Existenz beiseite, die er im Kopf hatte. Ein Weingut in Bischoffingen und eins in Neuseeland . Zu Hause sollte es Spätburgunder sein und in Gladstone im Wairarapa Valley auf der Südinsel der beste Pinot Noir der Welt, so ein richtig hammerharter Hundertpunkteparkerwein. Ob er es je schaffen wird?

Die Autoren

© Bernd Jonkmanns

Fabian und Cornelius Lange sind immer auf der Suche nach ultimativen Weinen. In der Kolumne "Die Ausleser" schreiben sie über Entdeckungen und Begegnungen in aller Welt, singen ebenso inbrünstig ein Loblied auf die Segnungen der Globalisierung wie sie die Qualität eines regionalen Weins aus der Literflasche beschwören. Mehr über die beiden Autoren erfahren Sie hier.

Die Weinempfehlungen im Überblick

Diese Weine haben "Die Ausleser" bisher besprochen:

Weingut Heiner Sauer: Silvaner 2011 in der Literflasche
6 Flaschen, 33 Euro
Die einfachen Dinge sind manchmal besonders kompliziert. Guten Literwein zu finden zum Beispiel – eine Paradedisziplin für Silvaner, der immerhin auf Platz drei der weißen Sorten Deutschlands rangiert. Im Bioweingut Heiner Sauer in der südlichen Pfalz pendelt er sich genau auf dem Mittelweg ein, als gut gemachter, klassischer Stoff. Und 2011 war ein perfektes Jahr für diese Sorte. Sauers Interpretation in der Literflasche wächst auf Lösslehmböden und ist ein herrlich fettes Teil, cremig, weich und mit sanfter Säure. Der eigentliche Hattrick aber ist, dass Heiner Sauer seinen Biowein in großen, klassischen Holzfässern reifen lässt. Das bekommt dem Wein sehr gut, schleift ihn, feilt ihn, macht ihn rund. Mit feinen Kräuternoten, reifen Apfelnoten und einem satten Mundgefühl streichelt er nur so am Zäpfchen vorbei. Und das mit rund 11 Prozent Alkohol. Sauers Silvaner ist garantiert nichts für Angeber und Weinwichtigtuer, sondern einfach nur für Menschen, die gern Wein trinken. Mit der Betonung auf trinken.

Johner Estate: Sauvignon Blanc Gladstone 2011
Ca. 5 Euro

Sauvignon Blanc, der in Kurzform einfach nur Sauvignon genannt wird, ist neben Pinot Noir (Spätburgunder) die Rebsorte Neuseelands und als Beitrag der Insel zur modernen Weinwelt nicht mehr wegzudenken. Ein guter, expressiver Sauvignon braucht zwei Lesedurchgänge: früh, um die Frische und Säure zu konservieren, und spät, um die reifen Aromen der Exotik einzufangen. Auf dem Weingut Johner entsteht so ein opulenter, ausladender, enorm dichter Weißwein, der vor Kraft kaum laufen kann. Dabei gibt die frische Fruchtsäure dem Wein die nötige Abwechslung. Frischer Ziegenkäse, Rote Beete, Le-Puy-Linsen, bestes Olivenöl und Estragon sind die kulinarischen Mitspieler dieser großartigen Rebsorte.

Bartolo Mascarello: Barolo 2005 DOCG
Ca. 65 Euro

Eine Weinlegende braucht viel Aufmerksamkeit, vor allem wenn es sich, wie in diesem Fall, um einen traditionellen Barolo handelt, der zu einhundert Prozent aus der Rebsorte Nebbiolo hergestellt wird. Die hat eine dünne Schale und somit wenig Farbstoffe, dafür aber eine imposante Menge an Gerbstoffen. Mascarellos 2005er Barolo aus dem letzten Lebensjahr des Kultwinzers lässt sich noch auftreiben. Aber aufgepasst! Einen halben Tag vorher dekantieren ist ein Muss, erst dann entwickeln sich die Aromen und bilden einen Gegenpol zu den enormen Tanninen. Ein Muss ist auch das richtige Essen. In Rotwein geschmorter Rinderbraten, Beinscheiben. Steinpilze oder Polentaschnitten mit geschmortem Radicchio-Gemüse und Olivenöl – Hauptsache, die Gerbstoffe können so richtig andocken. Der teurere 2007er von Bartolos Tochter Teresa ist wegen des Jahrgangs runder, voller und reifer, braucht aber auch Zeit und das passende Essen.

Privatkellerei Tsantali: Metochi Chromitsa 2007& Premium-Cuvée Mount Athos Abaton 2006
Ca. 12,50 Euro bzw. 18 Euro

Heiliger Bimbam, was für ein Wein! Die Hälfte steuert die alte autochthone Rebsorte Limnio bei, den Rest teilen sich Cabernet und Merlot – alle ökologisch erzeugt. Limnio ist schon in der Antike von Polidefkis, Homer und Aristoteles erwähnt worden und wächst seit langem rund ums Kloster. Die Sorte steuert herbe Kraft, Kräuteraromen und fruchtige Säure bei – das gibt dem Wein die nötige Statur. Die beiden internationalen Zutaten liefern wiederum fruchtige Cassis- und Pflaumenaromen. So beschreitet der Tsantali einen ganz eigenen Weg und zeigt, wie großartig Wein aus Griechenland sein kann: Herbe Frucht in der Nase, voller Kraft und dem Duft des Südens. Vital, ungezähmt und mit erdigem Grundton liefert der Chromitsa reichlich reife Früchte, Pfeffer, Lorbeer. Der Wein bleibt im Mund richtig schön aktiv und verabschiedet sich ganz langsam mit einem salzigen Finish.

Der Premium-Cuvée Mount Athos Abaton reift ebenfalls in der Klosterkellerei. Hier dominieren Cabernet und Merlot, Limnio macht nur 30 Prozent aus. Der 2006er Abaton reift zu hundert Prozent in neuen Barriques und ist daher weicher und offener als der Metochi Chromitsa. In der Nase ist Minze spürbar, reife, zum Teil getrocknete Früchte. Im Mund setzt der Abaton eine Oktave tiefer an, bietet eine schöne reife Süße im Aroma. Vanille und Holz sind spürbar und ein attraktiver, geschliffener Gerbstoff. Alles zusammen mündet in einem schokoladigen Finale.

Weingut am Stein Ludwig Knoll: Würzburger Stein Silvaner trocken 2011 & Würzburger Innere Leiste Scheurebe 2011
Ab Weingut ca. 9,50 Euro

Weingut August Kesseler: Lorcher Kapellenberg Riesling Kabinett trocken 2011
Ab Weingut ca. 15 Euro

Weingut Theo Minges: Pfalz Muskateller trocken 2011
Ab Weingut 7,80 Euro

Weingut Kruger-Rumpf: Münsterer Pittersberg Riesling trocken 2011
Ab Weingut ca. 12 Eur

Weingut Matthias Müller: Bopparder Hamm Ohlenberg Riesling Spätlese trocken 2011 & Bopparder Hamm Mandelstein Riesling Auslese 2011
Ab Weingut ca. 10 Euro bzw. 14 Euro 

Weingut Dr. Heinz Wagner: Saar Riesling trocken 2011 & Saarburger Kupp "Alte Reben" Riesling Spätlese trocken2011 & Saarburger Rausch "Josef Heinrich" Riesling Spätlese "feinherb"2011
Ab Weingut 8 Euro bzw. 14 Euro

Weingut Brüder Dr. Becker: Ludwigshöher Silvaner (Ortswein) trocken 2011
Ab Weingut ca. 10,50 Euro

Weingut Moric: Blaufränkisch "Reserve" 2009
Ca. 25 Euro

Der erste Schluck kommt so normal daher, dass es fast irritiert: kein Holz, kein Rumtopf, kein Rauch, einfach nur Frucht. Pur, geläutert, schlicht, schön, groß. So soll es sein, denn diese Frucht rekelt sich beinahe im Glas, ist saftig, lustvoll und macht Durst auf mehr. Der Winzer wirft dem Wein keine Holzknüppel zwischen die Beine, denn Morics Reserve läuft und läuft und läuft. Feine Kirschfrucht, kultivierte, runde Gerbstoffe, immer offen, elegant und zugänglich mit einer dezenten Portion Kakao am Ende. Ein moderner, ernsthafter Rotwein.

Weingut Trapl: Blaufränkisch Spitzerberg 2009
Ca. 33 Euro

Auch dieser Blaufränker hat vor allem Kirsche an Bord, aber auch Brombeere. Beides wird nur ganz zurückhaltend vom Holz flankiert, statt dass es die Frucht mundtot macht. Dafür hat der Spitzerberg eine feine Frische mit einem Hauch Citrus und eine Idee Minze auf Lager, die den Wein am Gaumen in angenehme Schwingungen versetzt. Das ist klasse gemacht, ein Rotwein, der die Zukunft einläutet.

Winzerkeller Neckenmarkt: Blaufränkisch Hochberg, Mittelburgenland DAC 2009
Ca. 8 Euro

Das hier ist eine Entdeckung von der Vievinum – so was läuft außer Konkurrenz. Ist er den Juroren zu "einfach"? Zu sehr Blaufränkisch? Wir wissen es nicht, raten aber trotzdem dazu. So muss Blaufränkisch sein: Voller Frucht, saftig, rund und voll. Dabei reif und mit fein geschliffenen Gerbstoffen. Hier haben die Genossen aus dem Burgenland ganze Arbeit geleistet.

Weingut Umathum: Zweigelt 2010
Ca. 10 Euro

Herrlich knackiger Bursche, voll und prall im Glas. Eine Frucht zum draufbeißen, reinbeißen, aussaugen. Saftig pralle Schwarzkirschen, feinkörnige Gerbstoffe und angenehm pfeffrig. Rundum rund und voll mit allem was ein perfekter Zweigelt so braucht. Holz zählt jedenfalls nicht dazu.

Bodega Atamisque: Pinot Noir "Catalpa" 2010
Ca. 11 Euro

Bodega Atamisque:Malbec "Catalpa" 2010
Ca. 11 Euro

Ohne Malbec wäre Argentinien nicht Argentinien. Die ursprünglich aus dem Bordeaux stammende Sorte wächst dort auf 24.000 Hektar Rebfläche. Bei Atamisque entsteht aus den Trauben ein kraftvolles Urgestein, das nach einem Mund voll reifer Beeren schmeckt, mit prägnanten aber runden Gerbstoffen. Ideal zum draußen trinken, denn dieser opulente Malbec kann sich auch gegen ein laues Lüftchen behaupten. Wird zu zwei Dritteln im Stahltank ausgebaut und stammt von Rebstöcken, die bis zu 80 Jahre alt sind.

Bodega Atamisque:Cabernet Sauvignon "Atamisque" 2008
Ca. 16 Euro

Herrlich knackiger Bursche, voll und prall im Glas. Eine Frucht zum Draufbeißen, Reinbeißen, Aussaugen. Saftig pralle Schwarzkirschen, feinkörnige Gerbstoffe und angenehm pfeffrig. Rundum rund und voll mit allem, was ein perfekter Zweigelt so braucht. Holz zählt jedenfalls nicht dazu.

ACDC Sauvignon Blanc: Hells Bells, Marlbourough, New Zealand
ca. 12 Euro

Metallisch-kühler Duft nach Salbei, frisch geschnittenem Gras und Holunderblüten. Reichlich grüne Paprika klingelt in der Nase. Im Mund versteckt sich die Frucht, läutet gar nicht laut, sondern klingt eher leise an. Keine Exotik oder Maracuja, dafür aber eine Spur salzig. Die Macher der Höllenglocken haben sich für den grünen, vegetabilen Stil des Sauvignon Blancs, für den die Weine aus Neuseeland berühmt sind, entschieden – und zeigen kein Fitzelchen Gerbstoffe. Eichenholzfrei schlägt der Hells Bells glockenrein am Gaumen. Kein großer Stoff, aber gute Standardware.

ACDC Shiraz: Back in Black, Barossa Valley, Australia
ca. 12 Euro

Zwei schwere Jungs, Angus und Malcom Young bedienen bei AC/DC die Gitarren. Beim Wein der Brüder ist eher Volksmusik angesagt: Im Duft reife Himbeeren, hochreife Pflaumen, Trockenobst und eine Prise schwarzer Pfeffer – alles, was ein Schlager heute so braucht. Im Mund machen sich dann Nelke, Piment, eine Spur Teerpflaster, Zimt und wieder vollreife Himbeeren bemerkbar, neben einem Hauch grasiger Noten. Runde Gerbstoffe ohne Ecken und Kanten oder jegliche Disharmonien machen den Back in Black zu einem Everybody's Darling. Der Florian Silbereisen unter den Shiraz.

Champagne Bérèche et Fils: Reflet d’ Antan
Ca. 69 Euro

Feine goldene Farbe, extrem zurückhaltende Perlage. Im Mund sahniges Mousseux mit appetitlicher Säure, feinem Apfelaroma und einem Anflug von Anis, frischem Tabak und geröstetem Sesam. Statt frischer Frucht wird dieser kräftige Champagner durch intensive, anhaltende Kräuternoten, Malzaromen und einer mineralischen Kreide-Spur über die Zunge gelenkt. Ein sehr nachhaltiges Geschmackserlebnis, das die Tür in eine neue Champagner-Dimension eleganter Reife und Intensität aufstößt. Ideal auch zum Essen: Atlantikfisch mit Noilly-Prat, geräucherter Forelle, Hahn mit Creme-Frâiche-Sauce oder Pilz-Risottos.

Champagne H. Billiot: Cuvée Laetitia
Ca. 60 Euro

Dunkles Strohgelb, seidiger Auftritt, sehr sahniges Mousseux. Entwickelt sich ruhig im Mund. Getrocknete Rosenblätter, gebratener Apfel und Orangenschalen klingen in der Nase an mit einer Spur Safran. Der Wein hat auch feine Krallen, mit denen er sich am Gaumen bemerkbar macht und ihn dadurch zum Essen prädestinieren. Langes Finale mit überraschend lebendigem Nachklang. Ein großer Champagner.

Sektkellerei Bardong: Erbacher Honigberg 2007, Riesling Sekt, Rheingau b.A. brut
Ca. 15 Euro

Frischer Rieslingduft im Glas, mit feiner Perlage. Im Mund zündet der Honigberg nach fünf Jahren Hefelager eine goldene Brilliantrakete: Apfel- und reifer Birnenduft machen Druck am Gaumen, der Sekt hat einen wunderbar nachhaltigen Schaum und verbindet viel saftige Frische und ausgependelte Reife. So herrlich kann perlender Riesling sein: fordernd, opulent und elegant.

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Sein 2011er Sauvignon Blanc Gladstone , den er ins Glas laufen ließ, haute mich gleich beim ersten Schluck aus den Socken. Der Wein entführte mich schwuppdiwupp auf die grüne Insel. Plötzlich hatte ich das Gefühl, am Strand zu stehen, wo ein paar Beachboys eine Herde Wale zurück in den Pazifik schoben. Salzige Gischt zischte mir ins Gesicht. Ich trug Bermudashorts mit psychedelischen Motiven. Was machte der Wein mit mir? Alles war plötzlich grün, Kolibris saugten aus exotischen Blüten Nektar, metallisch-glänzende Schmetterlinge im XXL-Format wippten mit den Flügeln und Limettensaft tropfte von dem glänzenden Blätterdach über mir. Wahrscheinlich alles nur Einbildung. Kein Sonnenstrahl drang zu mir herab. Grüne Bohnen, nachtschwarze Johannisbeeren, kritzekratzegrüne Erbsen, weißer Trüffelduft. Fluoreszierende Frösche machten im Unterholz mit ihren klebrigen Zungen Jagd auf irisierende Libellen. Ihre Flügel glitzerten wie Diamantkristalle. Das musste Mittelerde sein. Und ich mitten drin. Wow!

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Leserkommentare
  1. anderen psychotropen Substanzen einverleibt haben. Die Effekte, die er beschreibt, löst auch der allerbeste wein leider nicht aus.

  2. die Weine vom Johner, ob nun von hieben oder von drieben.

  3. ... weitaus verträglicher als das besserwisserische Geschwurbel eines Klimek ...

  4. 4. Hmmm,

    "Es gibt genau drei Wege, Sauvignon Blanc zu erleben."
    Die Autoren sollten aber wissen, daß die Modesorte SB mittlerweile von ziemlich jedem Pfalzwinzer angeboten wird. Der vorgestellte Betrieb baut sie im übrigen auch in Baden an. Und in der Steiermark gibt es schon etwas länger als die aktuelle Modewelle eine Reihe hervorragender Exemplare. Mir ist da etwas unklar, wo der Artikel etwas Aufregendes beinhalten soll.

  5. ein "Wairarapa Valley" gibt es nicht, jedenfalls nicht in NZ. Die Region rund um Martinborough - auf der Nordinsel in der Naehe von Wellington - nennt sich Wairarapa (hier wird wie in der Region Otago vorwiegend Pinot Noir angebaut), daneben gibt es ein "Waipara Valley" auf der Suedinsel noerdlich von Christchurch. Hier werden verschiedene Sorten angebaut, unter anderem auch SB fuer den aber mehr die Region Marlborough
    ganz im Norden der Suedinsel bekannt ist. Aehnliches ist nicht dasselbe.

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  • Serie Weinkolumne
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Sonne | Neuseeland | Wein | England | Neuseeland
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