Der Unterschied zwischen Schein und Sein ist ein grundsätzliches Problem der Erkenntnis. Im Alltag kommt das eher selten zur Sprache. Vielmehr ist es ein Thema in Philosophieseminaren, wo verzweifelte Dozenten sich mühen, eine Studentenmeute für Hegel, Kant und Schopenhauer zu begeistern. Denn selbst wenn Hegel sagt, dass "der Schein selbst dem Wesen wesentlich ist, denn die Wahrheit wäre nicht, wenn sie nicht schiene", wollen die künftigen Geisteswissenschaftler das nicht mehr ohne Gemaule kapieren. Sie zetern ja ständig über den fehlenden Praxisbezug . Da kommt nun McDonald's ins Spiel.

Die Weltmensa nämlich nimmt sich selbst zum Fallbeispiel, um der Erkenntnis auf die Sprünge zu helfen. Die McDonald's-Kundin Isabel M. aus Kanada , philosophisch beheimatet in der Tradition der Skeptiker, twitterte an die dortige Konzernzentrale: "Warum sehen Eure Hamburger im Laden eigentlich nie so aus wie auf den Werbeplakaten?" Die Frage, ein Pfeil ins Herz der postmodernen Konsumgesellschaft. Doch McDonald's blieb ganz ruhig und schickte niemand Geringeren als die Hoffnung höchstselbst zur Aufklärung: In einer Videoreportage erörtert die Marketingchefin Hope Bagozzi, wie Scheinburger und Seinburger zusammenhängen. Es ist schlicht eine Frage der Perspektive. Wo dem Kundenauge Zwiebel und Gurke verborgen bleiben, kehren Fotograf und Fooddesigner das Innerste des Burgers nach außen. Dass so eine Innenansicht ganz anders beschaffen ist, als sie zunächst scheint, lernt übrigens auch die Piratenpartei gerade – verdammte Dialektik.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass McDonald's hilft, des Pudels Kern zu erkennen. Alfons Schuhbeck schien ein ulkiger Sternekoch zu sein, der den Menschen am Schwarzkümmel gesunden sehen will. Als er in so vielen Kochshows auftrat, wie es McDonald's Filialen in Kanada gibt, kam ja bereits leiser Zweifel auf. Doch erst als McDonalds' vorderster Hüttenwirt hat sich das Wesen des Schuhbeck als G'schaftlhuber enttarnt. Die entschlackende Wirkung von Formschinken preisen? Klar, wenn's dem Haben zu mehr Sein verhilft. Wenn Kanada nicht Kanada sondern Deutschland wäre, hätte man sich die aufwändige Videoproduktion sparen können. Hierzulande musste die Lebensmittelindustrie schon vor Äonen eine Antwort auf Fragen der natürlichen Erscheinung im Allgemeinen und der von Isabel M. im Besonderen finden. Sie lautet: Serviervorschlag.