Wüste. Überall Wüste, in der die Hitze mit eiserner Faust regiert. Das matte Grau weicht nur dort einem hellen Grün, wo das Schmelzwasser die Erde durchdringt. Leuchtend grün schneiden die Teppichflecken durch die karge Landschaft. Kantig und rau, so ist die Umgebung von Mendoza und die Natur wird immer extremer , sobald man die Stadt am Fuß der argentinischen Anden verlässt.

Nur dank des Wassers siedeln überhaupt Menschen hier. Es sprudelt, quillt, ergießt sich scheinbar unerschöpflich aus den Anden und ist, wenn sich sein Aggregatzustand von fest in flüssig verwandelt hat, kaum zu halten. Unaufhaltsam fließt es von den Drei-, Vier-, Fünf- und Sechstausendern hinab und nährt alles, was sich im Flachland davor grün in den Himmel streckt. So reichhaltig, dass das stolze Mendoza seit seiner Gründung im Jahr 1561 von Platanen gesäumten Wasserläufen durchzogen ist. Land ist billig in der Provinz Mendoza, aber die Rechte am kostbaren Nass, die haben ihren Preis. Und davon hängt für den Wein aus dieser Gegend alles ab.

Früher erbten die Weinbauern das Recht auf Wasser. Sie brauchten bloß ein paar Furchen in die Erde zu ziehen und konnten das Wasser aus den Kanälen am Grundstücksrand so lange in ihre Äcker leiten, wie es ihnen gefiel. Unter jeder Rebzeile floss dann ein kleiner Bach und oben dankten es ihnen die Reben mit prallen Trauben. Eine wahre Segensflut an Wein ergoss sich da und tut es noch immer. Und genau das ist der Fluch, unter dem die Weine Argentiniens lange litten: zu viel, zu dünn, zu flach. Vor hundert und auch vor fünfzig Jahren noch war Wein ein Grundnahrungsmittel für die vielen Zugewanderten aus Italien , Frankreich , Deutschland, Spanien und dem Rest der Welt. 90 Liter pro Kopf und Jahr trank das Volk noch bis weit nach dem zweiten Weltkrieg an einfachen, billigen Weinen.

Chardonnay, Cabernet, Merlot sind auch in Argentinien zu Hause

Heute versuchen die Waghalsigen unter den Spielern im globalen Grand Casino Wein hier durch hohe Einsätze ihr Vermögen zu mehren. In weniger als zehn Jahren ist der Weinbau aus der Asche der letzten Wirtschaftskrise empor gestiegen. Neue Rebflächen wurden nach modernsten Methoden bewirtschaftet und mit effektiver Tröpfchenbewässerung ausgestattet. Neue, weltweit akzeptierte Sorten wie Chardonnay, Cabernet, Merlot gepflanzt, dazu der Malbec, Hoffnungsträger Argentiniens. Dank deutlicher Holznote und der Arbeit jener allgegenwärtigen flying winemaker , die an der Gleichschaltung des globalen Weinbaus arbeiten, rollt dieser neue argentinische Wein seit einiger Zeit den US-Markt auf. " Made by Michel Rolland ", steht auf so mancher Premiumflasche – der französische Önologe hat beste Beziehungen zu US-Importeuren und dem einflussreichen Kritiker Robert Parker . Sein Name garantiert, dass ein Wein zum Selbstläufer wird.

Einer der neuen Könige ist Nicolás Catena, der auf seiner Bodega Catena Zapata eine Azteken-Pyramide errichten ließ, um dort unsagbar dicke, verholzte Premiumweine für 150 Dollar abzufüllen. Ein Wunder, dass der Sirup überhaupt aus der Flasche fließt, so konzentriert ist er.