Die AC/DC Weinedition © William West/AFP/Getty Images

Simply Red tut es. Antonio Banderas tut es. Sting ist dabei, genauso wie Günther Jauch . Gerard Depardieu sowieso. Und Francis Ford Coppola kann gar nicht mehr ohne. Sie alle können ihre Finger nicht von den Trauben lassen und sind unter die Weinproduzenten gegangen. Vor Kurzem gesellte sich dann noch eine Starkstromband zu den prominenten Wein-Quereinsteiger: AC/DC macht in Wein, wobei sich die Altrocker eher auf das Marketing konzentrieren als aufs Weinmachen.

Ihre ersten beiden Wein-Auskopplungen nennen sich Hells Bells und Back in Black , kernige Namen, die Hardrockfans auf den Geschmack bringen sollen. Beim Rotwein bleibt die Band dafür ihrer australischen Heimat treu. Beim Weißwein aber setzen sie auf Neuseeland, das mit seinen frischen, fruchtigen Weißen schon länger von sich reden macht. So weichen die Neueinsteiger den adipösen Vollfett-Chardonnays mit Holzausstattung aus, für die Australien noch immer berüchtigt ist. Auch den Kuschelkätzchen-weichen Rieslingen von der Westküste des Südkontinents, die es da ja auch gegeben hätte, haben die Rocker eine Absage erteilt. Damit folgt die Band dem Weintrend hin zum grasgrün-aromatischen Sauvignon, schließlich sollen die Weine ja mindestens so zustimmungsfähig sein, wie ein gut gelagerter Heavy-Metal-Song. Immerhin: AC/DC servieren beim Sauvignon eine Sorte, die mit ihrer grünen Frucht und den schrägen Paprika-Aromen für ein wenig Dissenz in der Fangemeinde sorgen könnte.

Beim Rotwein dagegen setzt AC/DC auf die australische Paradesorte Shiraz, die ursprünglich aus Frankreich stammt und dort Syrah genannt wird. In den endlosen Weiten des Kontinents gibt es genug Auswahl und Weingüter, die mit 1.000 Hektar Rebfläche als durchschnittlich gelten. So auch das Weingut Warburn Estate im Barossa Valley, woher der Back-in-Black -Syrah stammt. Wein ist in Australien in aller erster Linie ein Exportprodukt und kann in einem nahezu industriellen Maßstab produziert werden. Das wiederum zieht eine deutliche Orientierung an den Erwartungen der Weinliebhaber nach sich – kein Wunder also, dass die australischen Shiraz brav der internationalen Rotweinstilistik folgen und meist glatte Mainstream-Weine sind.

Das trifft auch auf den Back in Black zu, der alles andere als ein Hardrocker ist. Statt mit geschmacklichen Kanten und höllisch dichten Gerbstoffen zu provozieren, plätschert er nur lieb und nett im Glas.

Der AC/DC-Shiraz zeigt wohl die typischen aromatischen Zitate dieser Rebsorte, so wie sie in Australien gewöhnlich zu voller Größe heranreift. Der Kellermeister hat beim Komponieren des Back in Black aber nur einen kleinen Ausschnitt ihrer aromatischen Möglichkeiten zum Ausdruck gebracht. In der Hitze der Nacht hat sich keine optimale aromatische Reife der Trauben bilden können – was dazu führt, dass der Wein eben auch herb-grüne Blattstil-Aromen und Geranialnoten zeigt und auch ein wenig an nasses Heu erinnert.

Auf der anderen Seite zeigt er aber auch die reife Vollausstattung rund um eine Ladung an roten Früchten. So hat der Back in Black zwei Gesichter, wirkt ein wenig unentschlossen und weiß nicht ob er sich in der südlichen Rhône verorten möchte, der alten Heimat der Syrah oder aber in ihrem neuen Habitat der neuen Welt, wo die alten Regeln nichts mehr gelten und der Aufbruch zu neuen Ufern als Maßstab aller Dinge gilt. Schließlich drückt sich das bei den Weinen der Neuen Welt immer noch in Form einer Maximierung aller Leistungsmerkmale aus: Laut ist eben besser als leise. Fett ist immer noch besser als elegant. Aber jetzt mal ehrlich: Wer hätte bei den ACDC-Brüdern auch etwas anderes erwartet?