Der erste Schluck: wie warmer Apfelstrudel. Ungewohnt. Fehlt nur noch die Sahne obendrauf. Der zweite Schluck lässt die Zutaten erahnen: Apfelsaft, Wodka und ein Hauch von Gewürzen. Und dann kommt das mollig warme Gefühl, das sich im ganzen Körper ausbreitet an diesem eiskalten Januartag. Berliner Winter heißt das neue Getränk, das in den Szenekneipen der Stadt etwas Wärme verbreiten soll.

Alles begann mit diesem Mädchen. Benjamin Fischer, Winter-Erfinder, arbeitete neben dem Studium als Barkeeper in Kreuzberg. Irgendwann kam dieses Mädchen in die Bar und bestellte Apfelsaft mit Whiskey. "Und zwar warm und mit Zimt drauf", sagt der heute 30-Jährige grinsend.

"Das war schon eine komische Mischung, vor allem, weil der Whiskey sehr stark war." Doch er servierte, probierte und erkannte das Potenzial. Drei Jahre lang hat Fischer gemixt und mit Gewürzen herumexperimentiert. Den Whiskey ersetzte er durch Wodka, die Gewürzmischung ist natürlich streng geheim, et voilà! Anfang Dezember stand seine Kreation in den ersten Kneipen.

"Jede Flasche geht noch mal durch meine Hand"

Gut 3.000 Liter Berliner Winter wurden bis jetzt abgefüllt, die Äpfel für den Saft kommen aus Baden-Württemberg. "Das sind naturbelassene Äpfel von Streuobstwiesen, die Leute aufsammeln", sagt Fischer. Etikettieren muss er die Flaschen selbst, mit der Hilfe seiner Freunde. "So geht jede Flasche noch mal durch meine Hand, ein schönes Gefühl." Seine Freundin Judith Carnaby, Illustratorin, hat das Logo entwickelt und ihn dafür fotografiert: Mit Apfelkiste, dickem Schal, Mütze und Oberlippenbart ist es tatsächlich Fischer selbst, der auf dem Etikett zu sehen ist. Sein Freund Alex Kiener, Webdesigner, hat die Internetseite mit den Bildern von Carnaby in eine schwarz-weiße Bildergeschichte verwandelt.

Finanziert hat Fischer sich seinen Winter-Traum selbst. "Als klar war, dass ich das Projekt durchziehen wollte, habe ich viel gearbeitet und mir das Geld zusammengespart", sagt er. Freunde liehen ihm etwas dazu. Die Banken, bei denen er um Kredit bat, fanden seine Idee nicht überzeugend. Hilfe fand er allerdings an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), an der Fischer einen Bachelor in Kulturwissenschaft gemacht hatte. Eine Kooperationsstelle hilft dort jungen Gründern. "Die haben mir die Beratungsgespräche mit Steuerberatern, Anwälten und einem Unternehmensberater gezahlt", sagt er. "Das war eine große Hilfe."