Oeufs Cocotte © Home Made

Hund isst mit. Zwischen Rezepten für selbst gemachte Marmeladen, Drinks, Salate, Suppen und Pasteten streut Yvette van Boven in Home Made Hundekuchen-Variationen ein, selbstverständlich hausgemacht. Und aus Katzengras, Kamille und Minze mischt sie einen erfrischenden Tee.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Die Amsterdamer Restaurantbesitzerin hat in ihrem eben erschienenen Kochbuch vor allem Rezepte für Menschen zusammengestellt. Und zwar solche, die gern öfter Essen und Trinken mit Freunden teilen würden, aber den Aufwand scheuen oder sich die Chefrolle am Herd nicht zutrauen. Home Made soll entspannen.

Aufwendige Kreationen, Menüs, die tagelang geplant werden müssen, Zutaten aus der Feinkostabteilung – das alles überlässt Yvette van Boven anderen Kochbuchautoren. Lieber länger beim Rotwein sitzen und genießen. Ihr Mantra lautet: häuslich und cool dabei. Linsensalat statt Dreierlei vom Hochland-Rind mit Erbsenpyramide auf Rotweinspiegel. Tatsächlich macht van Bovens sympathisches Buch Lust, das Brot für's Sonntagsfrühstück doch mal selbst zu backen, anstatt sich über schlechte Massenware zu ärgern. Oder sich gar an der französischen Fischsuppe zu versuchen, der Bouillabaisse. Ihre schnelle Variante des Klassikers ist in einer guten halben Stunde zubereitet.

"Home Made", DuMont, 34 Euro © DuMont

Das Geheimnis der Leichtigkeit von Home Made: Die Amsterdamerin ist keine gelernte Profiköchin, sondern Illustratorin. Rezeptesammeln war lange lediglich ihr Hobby. Für das Buch wählte sie nun aus ihrem Fundus einfach die leichtesten Übungen aus. Diese Lässigkeit zieht sich auch optisch durch Home Made. Die Gerichte auf den Fotos sehen aus, wie Essen aussieht, das zu Hause auf den Tisch kommt – ohne vorher einen Abstecher zum Foodstylisten gemacht zu haben. 

Manche Rezepte garniert van Boven mit Illustrationen, andere sind komplett gezeichnet wie jenes für einen "Unglaublich leckeren Salat mit Entenbrust & rotem Reis". Als Kind hat die Autorin in Irland gelebt, heute pendelt sie zwischen Amsterdam und Paris und mehreren Sprachen. Das schlägt sich auch im Buch nieder: "Spaghetti no grazie: Gnocchi!" versammelt Pasta- und Gnocchi-Rezepte, Beilagen heißen "On The Side", und wer "Du Chocolat pour Tous!" aufschlägt, findet Pralinen und Kekse.

Die üppige Mischung auf über 400 Seiten ist Augenfutter, weckt Futterlaune und ermutigt, Freunde zu "Schwarzen Spaghetti mit Tomaten" einzuladen, zum Nachtisch den Buttermilchkäse "Hangop" zu servieren und statt Teilchen vom Bahnhofsbäcker mal selbstgebackene Mandel-Apfel-Muffins ins Büro mitzubringen. Grundsätzliches wie die Herstellung einer Pastete und das Einwecken von Gemüse wird Arbeitsschritt für Arbeitsschritt in Fotoserien erklärt. Viele Rezepte werden zudem einfach variiert. Aus dem Rezept für herzhafte Tarte mit geräuchertem Huhn und Ziegenkäse leitet van Boven zehn weitere ab. Wenig Aufwand also und trotzdem keine Langeweile.

Die Parpadelle mit Kapern und Lammragout sind einfach zubereitet und überraschend würzig. Eine Mischung aus Fenchel- und Koriandersamen sowie Kreuzkümmel gibt dem Gericht, das in der Zubereitung einer Sauce Bolognese ähnelt, die besondere Note. Noch einfacher und trotzdem effektvoll sind die Oeufs Cocotte: im Backofen gegartes Ei, unterfüttert mit dem, was der Kühlschrank an Resten so hergibt. Mein jugendlicher Testesser verlangte schon Nachschlag, bevor das Förmchen – gefüllt mit zwei Löffeln Ratatouille, Crème fraîche und Ei – leer war. Dieses Kochbuch bekommt einen Stammplatz in meiner Küche – die jetzt Bistro heißt.

Hier können Sie das Œuf Cocotte-Rezept kostenfrei herunterladen.
Und hier das Rezept für Parpadelle mit Kapern und Lammragout.

Yvette van Boven, Home Made, Dumont, 34 Euro