Pferdefleisch : Das Ross, das arme Schwein

Die Deutschen ekeln sich: Pferdefleisch wurde ihnen als Rind angedreht. "Skandal!" schreien nun viele. Aber warum eigentlich?, fragt Ludwig Greven.
In der französischen Küche ist Pferdefleisch kein Tabu © Andrew Winning/Reuters

Im Tierreich gilt eine eigentümliche Hierarchie, zumindest was ihren Verzehr betrifft. Hierzulande verspeist man in großen Mengen tote Schweine, Hühner und Rinder – nicht unbedingt die saubersten Lebewesen, vor allem wenn sie aus der wenig zimperlichen Fleischindustrie stammen und mit allerlei Medikamenten, Weichmachern und Farbstoffen versetzt sind. Manche lieben auch Wild, andere wenden sich da empört ab: Rehe schauen so putzig aus mit ihren Knopfaugen! Wie kann man die essen?!

Froschschenkel, in Frankreich bis heute eine Gaumenfreude, stehen bei uns auf der dunkelroten Liste, ebenso wie Singvögel, welche die Italiener bis vor einiger Zeit jagten. Haus- und Schmusetiere wie Hunde und Katzen, mancherorts beliebter Teil der Speisekarte, würde sich erst recht kein Deutscher einverleiben. Schließlich gelten sie als die besten Freunde des Menschen. Und Freunde isst man bekanntlich nicht.

Aber was ist mit dem Pferd, das dieser Tage im übertragenen Sinne in aller Munde ist? Stadtbewohner bekommen es heutzutage allenfalls noch bei Reitturnieren im Fernsehen, bei Pferderennen oder beim Reitunterricht der Tochter zu Gesicht. Aus der Landwirtschaft ist es als Nutz- und Zugtier weitgehend verschwunden. Und damit auch als normaler Bestandteil der deutschen Küche.

Dabei wurden Pferde über Jahrtausende am Ende ihres Daseins als Reit-, Schlacht- oder Kutschross regelmäßig geschlachtet und verspeist. Feinschmecker schätzen bis heute ihr Fleisch, das dem der Rinder ähnelt, weil es zarter und magerer ist.

Schon die Steinzeitmenschen erlegten die damals noch wilden Huftiere, wie Höhlenmalereien belegen. Auch die alten Perser, Griechen und Römer liebten das Fleisch edler und weniger edler Rösser. Kelten und Germanen entwickelten regelrechte Opferkulte um das inzwischen domestizierte Reittier. Darauf deuten womöglich bis heute die gekreuzten Pferdeköpfe an Bauernhäusern in Niedersachsen hin.

Kommentare

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Der Vorteil von dem Pferdefleisch ist, dass man es eindeutig

nachweisen kann, wenn es laut Deklaration nicht drin sein sollte. Der Verbraucher hat bei den heutigen Handelswegen dagegen kaum eine Möglichkeit den Betrug mit nicht für den Verzehr zugelassenem Fleisch von kranken Schweinen, Kühen oder Federvieh zu erkennen.

Der dreiste Betrug zeigt, es gibt ein ernstzunehmendes Kontrolldefizit. Die kultigen Antibürokratie-Jodler werden das natürlich leugnen und lieber noch ein bisschen Bürokratie abbauen. Wir haben in Europa eh absoluten Mangel an Arbeitskräften.

Wie kommen Sie ...

>> Hören Sie doch bitte auf, mir Missionierung zu unterstellen. <<

... denn auf das schmale Brett, dass ich Ihnen irgendetwas unterstellt hätte? Ich antwortete ursprünglich auf #31 von "Monaco Franze". Sie fühlten sich offenbar angesprochen.

Wenn überhaupt, dann unterstellen Sie sich offenbar selbst missionarischen Eifer, oder Sie fühlten sich jedenfalls bemüßigt, diesen zu verteidigen. Das ist aber Ihre Sache, nicht meine.

>> Derart reflexartige Art und Weise mir das unterjubeln zu wollen, kann ich nicht ernst nehmen. <<

Äh, ja. Ich auch nicht.

nach Preis

"- Der Verbraucher, der Lebensmittel nur nach Preis kauft und dann auch noch echauffiert, wenn er Abfall vorgesetzt bekommt!"

Standardhinweis: ein hoher Preis sagt nicht unbedingt etwas aus,
die 'Hersteller' würden sich freuen, ihren 'Produkte' unverändert auch für das Doppelte zu verkaufen,

teilweise zu sehen in:
- 100 Euro Marken-Kleidungsstück genauso von Kinderarbeit in Fernost genäht wie 5 Euro-Variante beim Kleidungs-Discounter,

- manche Lebensmittel ziemlich unverändert unter Billig-Marke im Discounter und richtigen Markennamen im gehobenen Supermarkt

Geld allein für den Marken-Sticker, evtl. noch halbverständlich für das bessere Einkaufserlebnis (schönerer Laden, weniger 'Unterschicht'-Kundschaft nebenher), bitte

Sind Sie sicher?

Sind Sie wirklich ganz sicher, das in teuren Produkten kein bisschen Medikamentenrückstände sind? Kein bisschen falsch ettiketiertes Beiprodukt? Sind Sie ganz sicher, das beim teuren Produkt alles nur allerbeste Qualität ist?

Bis jetzt ist nur bei Diacountern und Supermärkten geprüft worden.... Was mich etwas aufhorchen lässt, ist, das die Metro auch schon Produkte aus dem Sortiment genommen hat.

Sind Sie also ganz sicher, das bei teuren Produkten auf gar keinen Fall etwas schlimmes passieren kann?

Ihr Wort in Gottes Gehörgang!!!

Allerdings sagt mir meine Lebenserfahrung, das Gier selbt in den "besten" Kreisen vorkommt und keine Rücksicht auf Kunden mit "Qualitätsanspruch" nimmt.

Ich habe nie behauptet

daß in teuren LM nur hochwertige Zutaten verwender werden!

Natürlich besteht IMMER und ÜBERALL die Gefahr, daß ich besch**** werde. Leider.

"Werde ich da möglicherweise betrogen?" ist aber die falsche Frage.

Fragen Sie besser:
"Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß ich hier NICHT betrogen werde?"

Wenn Sie sich diese Frage bei der Fertiglasagne für 2,99 ehrlich beantwortet haben, kaufen Sie sie nicht!