Erst Papst Gregor III. erließ 732 ein Verbot, Pferdefleisch zu essen. Einige vermuten: aus ganz profanen Gründen. Denn damals gab es angeblich einen Engpass an Streitrössern, und der Papst als weltlicher Kriegsherr wollte deshalb nicht, dass sie in Kochtöpfen landeten.

Pferdefleisch blieb dennoch in vielen Ländern beliebt, vor allem bei den Ärmeren. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es üblich, dass ausgediente Ackergäule und Kutschpferde geschlachtet wurden. In Deutschland gibt es bis heute etwa 100 Rossmetzgereien, in Frankreich und Italien findet man Pferdefleisch wie selbstverständlich im Supermarkt. Auch der Rheinische Sauerbraten wird noch heute original aus einem Stück vom Pferd zubereitet.

Warum also jetzt die große Erregungs- und Empörungswelle? Sicher: Die Hersteller von Tiefkühl-Lasagne, die statt teureren Rindfleischs Teile von Pferden verwendeten, haben Etikettenschwindel betrieben, man könnten sagen: Sie handelten als Rosstäuscher. Der Verbraucher hat aber ein Anrecht, zu wissen, was er isst. Das gilt erst recht, wenn das Pferdefleisch tatsächlich aus finsteren Abdeckereien stammte und mit Rheumamitteln oder Ähnlichem vergiftet war.

Aber muss man sich deshalb vor Pferdefleisch gleich grundsätzlich ekeln?

Das Pferd hat das Pech (oder Glück, wie man's nimmt), heute für die meisten in die Kategorie Hund & Katz zu gehören. Es trägt in der Regel einen Namen und zählt für Reiter und Pferdeliebhaber damit zur Familie. Gewissermaßen ist das Pferd also vom Nutztier und Fleischlieferanten zum geschützten Kulturgut aufgestiegen.

Doch was ist mit der Kuh "Rosi" oder dem Lämmchen "Wolli"? Auch sie haben doch große runde Augen. Auch sie wachsen manchen, nicht nur denen, die sie aufziehen, ans Herz.

Das kümmert die meisten Fleischesser nicht. Lieber biegen sie sich die Tierhierarchie entsprechend zurecht. Bis zum nächsten Fleischskandal.