Institut Paul Bocuse : Warum wollen Sie kochen lernen?

13.000 Euro kostet ein Lehrjahr, der Beruf gilt als Männerdomäne. Doch die Deutsche Sophie Huschka verdiente sich am Institut Paul Bocuse die Weihen der Nouvelle Cuisine.
Die Deutsche Sophia Huschka wird am renommierten Institut Paul Bocuse zur Köchin ausgebildet. © Stevan Paul

Sophie Huschka ist neunzehn Jahre alt, als sie beschließt, sich für das Institut Paul Bocuse in Écully bei Lyon zu bewerben. Die Tochter deutscher Eltern spricht fließend Französisch und studiert zu diesem Zeitpunkt an der Universität in Montpellier Englisch und Russisch. Es stünde ihr die Welt offen, doch Sophie Huschka möchte Koch lernen, jenen Lehrberuf ergreifen, der nach wie vor als Männerdomäne gilt, vor allem aber immer eines ist: unfassbar anstrengend.

Die Liebe zum Kochen hat sie von der Mutter geerbt, Sophie möchte mit den Händen arbeiten: "Das Studium hat mir überhaupt nicht gefallen, viel zu theoretisch." Sie sieht sich im Internet nach besonders guten Ausbildungsmöglichkeiten in Frankreich um. Das Institut ist gleich der erste Treffer: "Ich hab mir das durchgelesen und wusste, da will ich hin."

Die Aufnahmeprüfung am renommierten Paul Bocuse Institut für Hotellerie und Kulinarische Kunst ist knackig, Abitur und das Sprechen zweier Sprachen sind Grundvoraussetzung. Zunächst formuliert Sophie den geforderten Motivationsbrief, erklärt, warum nur sie für die Aufnahme in den neuen Jahrgang infrage kommt.

Erschienen in Effilee, Ausgabe 24, Frühjahr 2013 © Effilee

Um die sechshundert Bewerber sind es pro Jahr, je nach Qualität der Bewerbungen werden zwischen fünfundzwanzig und dreißig Kandidaten aufgenommen. Wer es, wie Sophie, in einem zweiten Schritt ins Bewerbungsgespräch schafft, muss sich noch eingehender erklären: Warum wollen Sie kochen lernen? Wie belastbar sind Sie? Sind Sie sich darüber im Klaren, dass jetzt harte Zeiten anbrechen? Werden Sie als Frau klarkommen in einer Männerwelt?

Man lernt schnell durchs Zuschauen

Es folgen umfassende Allgemeinwissentests und weitere Fragen zu Fallbeispielen und Situationen, deren Beantwortungen geeignet sind, auch psychologische Rückschlüsse auf die Kandidaten zu ziehen. Dann kommt sehr lange nichts und dann klingelt irgendwann das Telefon.

Schüler mit dreizehn Nationalitäten ziehen mit Sophie Huschka ins Institut: "Das Château du Vivier ist ja so ein richtiges Harry-Potter-Schloss. Als ich da ankam, regnete es in Strömen, die Fenster des Schlosses waren hell erleuchtet und ich dachte nur: Ich kann da nicht rein, ich mach mir in die Hose." Die Unterrichtssprache ist Französisch, wer schwächelt, bekommt im ersten Jahr Nachhilfe: "Sprache ist aber erstmal nicht so das Riesenproblem, das ist ein Handwerksberuf, da lernt man schnell durchs Zuschauen." Sophie lacht: "Die Japaner hatten immer ihre Kameras dabei und haben wirklich alles fotografiert."

13.000 Euro kostet das erste der insgesamt drei Lehrjahre, dafür bekommt man die Schuluniform und Messer, hat Anspruch auf ein Mittagessen und erhält eine der ungewöhnlichsten Kochausbildungen überhaupt. Auf dem Stundenplan stehen immer wieder Themenwochen: "Im ersten Jahr beispielsweise Kochen mit Ei oder Meeresfrüchten und am Ende jeder Woche das praktische Examen."

Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Da kann ich ihr nur viel Glück wünschen.

Das nötige Wissen hat sie.
Das nötige Handwerk beherrscht sie auch.

Alles dies nützlich ihr aber nichts, wenn sie nicht das nötige Glück hat. Etwas Vitamin B - nach dieser Ausbildung sollte sie es aber besitzen - gehört natürlich auch dazu.

Es wird Zeit, dass mehr Frauen dieses Handwerk lernen. Neue Einflüsse und Trends - z.B. deutlich weniger Kleinscheiß/Gedöns auf dem Teller ;-) - würde ich sehr begrüßen.