Whisky-DestillerieWer brauen kann, kann auch brennen

Ein rheinischer Bierproduzent brennt jährlich 600 Flaschen Whisky in der Düsseldorfer Altstadt. Sein preisgekrönter, aromatischer BAAS überzeugt sogar Schotten. von Andreas Hohenester

Der Brauer und Uerige-Geschäftsführer Michael Schnitzler

Der Brauer und Uerige-Geschäftsführer Michael Schnitzler  |  © Uerige

Bekennende Biertrinker sind sich einig: Das dunkle Uerige aus der Düsseldorfer Altstadt zählt zum süffigsten obergärigen Gebräu, das hierzulande zu haben ist. Aber Whisky? Das ist eine andere Liga, eine neue Dimension. Oder auch nicht: Denn eigentlich haben Bier und Whisky eine viel engere Verwandtschaft, als die meisten vermuten. Brauen und Brennen besitzen eine gemeinsame Basis.

Das erkannte der jetzige Uerigen-Geschäftsführer Michael Schnitzler schon in den achtziger Jahren, als er mit seinem Vater durch Schottland reiste und die Whisky-Destillerie Glenmorangie besichtigte. Malz, gemälzte Gerste, ist die Grundlage beim Brauen und Brennen. Malz wird benötigt, um Stärke in Zucker umzuwandeln, damit überhaupt Alkohol entsteht. Dabei wird die Gerste erst eingeweicht, bis die Körner zu keimen beginnen. Dann wird das Korn getrocknet und geröstet. Danach trennen sich die Wege des Malzes. Zum Bierbrauen werden Hefe und Hopfen hinzugefügt, während der spätere Whisky nur mit Wasser zum Gären und somit zur Alkoholproduktion gebracht wird.

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Alles in allem: "Das können wir selber", so erinnert sich der Brauer und Mälzer Schnitzler an die Worte seiner Großmutter. Als im Jahr 2007 der moderne Anbau an das alte Brauhaus namens Stickum im Herzen der Düsseldorfer Altstadt fertiggestellt war, ging auch die Verschlussbrennerei in Betrieb. Allein die Brennanlage der renommierten Firma Arnold Holstein aus Markdorf am Bodensee hat mehr als 100.000 Euro verschlungen. Daraus rinnen nur zwölf bis fünfzehn Liter 72-prozentiger Alkohol pro Brennvorgang. Ergibt pro Jahr eine bescheidene Ausbeute von rund 600 Flaschen mit 42,5 Prozent Alkohol zum Preis von circa 85 Euro.

Auf der deutschen Whisky-Welle

Mit dem ehrgeizigen jungen Braumeister André Meurer fand Schnitzler auch einen engagierten Mitarbeiter, der mit Herz und Seele dabei ist. "Ich habe ihm dabei weitgehend freie Hand gelassen", sagt Schnitzler. Erstes Produkt war ein Bierbrand namens Stickum. Dann folgte nach drei Jahren der erste Whisky. So viel Reifezeit im Holzfass braucht das Destillat laut EU-Bestimmung mindestens, um sich Whisky nennen zu dürfen. Whisky ist ein Gattungsbegriff. Er hat lediglich aus Getreidesorten wie Weizen oder Gerste zu bestehen, Mais ist ebenfalls erlaubt.

Erschienen in Effilee, Ausgabe 24, Frühjahr 2013

Erschienen in Effilee, Ausgabe 24, Frühjahr 2013  |  © Effilee

"Whisky ist eigentlich nichts anderes als ein gelagerter Korn", sagt Spirituosen-Fachmann und Whisky-Kenner Jürgen Deibel aus Hannover und nennt auch gleich den Grund für den anhaltenden Boom der deutschen Version. "Der Markt für Whisky gibt erstaunliche Preise her, das weckt Begehrlichkeiten." Und den Ehrgeiz, etwas Besonderes zu schaffen. Dabei ist es gar nicht mehr so einfach, aus der deutschen Whisky-Welle herauszuragen.

Schnitzlers Erfolgsrezept: "Von allem nur das Beste." Anders als seine schottischen Vettern filtert Brennmeister Meurer die Maische, den Rohstoff für den Brennkessel. So werden Spelzen, die Treber, entfernt, die das Aroma unangenehm beeinflussen könnten. Nur der saubere Mittellauf des Destillats, das Herzstück, reift später in den Fässern aus amerikanischer Weißeiche. Das können sowohl gebrauchte Bourbon- oder auch Portweinfässer sein.

Aber saubere Brenntechnik und ein erstklassiges Fass garantieren noch keinen Whisky der Spitzenklasse. Zwar fehlt dem rheinischen Tropfen der Mythos von Meer und rauchenden Torffeuern, aber dafür ist ein sehr mildes, ausgewogenes Destillat gelungen. Und der joviale Düsseldorfer machte sich gar nicht erst die Mühe, sich an den Schottenrock zu hängen. Er gab seinem Whisky selbstbewusst den Namen BAAS Uerige Single Malt Whisky und verleugnete seine Herkunft nicht: Düsseldorf-Altstadt. Baas bedeutet in der rheinischen Metropole so viel wie der alte Meister.

Leserkommentare
  1. "600 Flaschen spukt die Brennanlage pro Jahr aus."

    Da kriegt der 'Geist' in der Spirituose ja eine ganz andere Bedeutung :D

    Eine Leserempfehlung
    • porph
    • 22. März 2013 15:51 Uhr

    Naja, 3 Jahre sind zwar das gesetzliche Minimum um sich Whisky nennen zu dürfen, aber wirklich gute dreijährige sind mir persönlich nicht bekannt (womit nicht gesagt wäre, dass es sie überhaupt nicht gibt). In einem so jungen Alter dominieren eigentlich meistens noch die unangenehmen Brenn-"Artefakte". Das im Artikel erwähnte "kratzige" Gefühl in der Kehle, dass als unangenehm empfunden wird, rührt eigentlich fast immer vom zu jungen Alter der am meisten konsumierten Massenmarkt-Whiskys her und hat nicht viel mit dem komplexen, auch "starken" rauchigen Aroma eines z.B. Islay Whiskys oder dem starken Eichenfasseinschlag eines z.B. alten Macallan zu tun. Wer zum ersten mal einen etwas älteren Whisky probiert hat (da reichen schon 10 Jahre, was durchaus noch günstig ist, nicht viel teurer als so mancher dreijähriger "Lifestyle-Marken-Blend", der ist oftmals überrascht, wie mild und dennoch geschmacksintensiv dieser ist. Ein Whisky ist eben nicht einfach nur ein etwas gelagerter Brand sondern eine Kombination aus Brennereicharakter und Fasscharakter.

    Neben dem (bisher) jungen Alter fällt aber auch beim Bild von der Brennblase auf, dass diese vermutlich einen eher "reinen" und damit auch etwas "langweiligen" Brennereicharakter erzeugt (klein, wenig bauchig, eingeschnürt). Das ist aber nur Spekulation, das Destillat habe ich noch nicht probieren dürfen. Ich fände es schön, wenn es auch ein paar wirklich geschmacklich konkurrenzfähige deutsche Whiskys gäbe!

    3 Leserempfehlungen
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    >>Ich fände es schön, wenn es auch ein paar wirklich geschmacklich konkurrenzfähige deutsche Whiskys gäbe!

    Es gibt tatsächlich ein paar, die zumindest mit jüngeren Standard-Abfüllungen der Irisch-Schottischen Lonkurrenz mithalten können. Auf Anhieb fällt mir da der Slyrs ein, der am Schliersee gebrannt wird und m.W. einer der ersten deutschen Malts überhaupt war. Außerdem hatte ich neulich die Gelegenheit den "Allgäuer Whisky" der Brennerei Martin Meier in Neuravensburg zu probieren, der auch recht trinkbar war.

    Das Problem ist, wie Sie schon richtig sagten: Die meisten deutschen Whiskys sind noch zu jung, um einen richtigen Eindruck zu bekommen. Sie können ja auch noch nicht viel älter als drei Jahre sein, der "Whisky-Boom" in deutschen Brennereien ist ja selbst erst wenige Jahre alt. Also kann man auch noch keine 8, 12 oder 18-jährige erwarten. Dennoch: Die jungen, die ich probieren konnte, waren doch recht vielversprechend.

    Die Zeiten von Racke Rauchzart sind gottseidank vorbei...

  2. Macht doch da eine ganze Reihe draus.
    Whisky-Brennereien in Deutschland.
    Da gibt es doch einige, auch in verschiedenen Gegenden, wie dem Spreewald oder dem Westerwald.

    Das fände ich gut.

    4 Leserempfehlungen
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    ... Herbert Schulz aus Neuses an den Eichen (Landkreis Coburg) vergessen!!!

  3. >>Ich fände es schön, wenn es auch ein paar wirklich geschmacklich konkurrenzfähige deutsche Whiskys gäbe!

    Es gibt tatsächlich ein paar, die zumindest mit jüngeren Standard-Abfüllungen der Irisch-Schottischen Lonkurrenz mithalten können. Auf Anhieb fällt mir da der Slyrs ein, der am Schliersee gebrannt wird und m.W. einer der ersten deutschen Malts überhaupt war. Außerdem hatte ich neulich die Gelegenheit den "Allgäuer Whisky" der Brennerei Martin Meier in Neuravensburg zu probieren, der auch recht trinkbar war.

    Das Problem ist, wie Sie schon richtig sagten: Die meisten deutschen Whiskys sind noch zu jung, um einen richtigen Eindruck zu bekommen. Sie können ja auch noch nicht viel älter als drei Jahre sein, der "Whisky-Boom" in deutschen Brennereien ist ja selbst erst wenige Jahre alt. Also kann man auch noch keine 8, 12 oder 18-jährige erwarten. Dennoch: Die jungen, die ich probieren konnte, waren doch recht vielversprechend.

    Die Zeiten von Racke Rauchzart sind gottseidank vorbei...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Nach 3 Jahren?"
  4. ...85 Steine für einen 3 Jahre alten Whiskey ? Aus Deutschland ?

    Ich bekomme für 23 Eus einen 12 Jahre alten Glenfidich !
    Die großen 7 kosten auch nur halb so viel, als der BAAS !
    Da spielt wohl ein bisschen Düsseldorfer-Chauvinismus mit !

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    Meinen Sie die Massenware der "Classic Malts" von Diageo ("Guinness" ...)? Dann sitzen Sie aber einer PR-Masche auf! Die sind zwar auf den ersten Schluck nicht schlecht, aber Ihre Farbe haben sie alle von schnöder Zuckerkulör. Da gibt's schon ganz andere Kaliber, die auch nicht mehr kosten. Dabei sollten Sie nicht nur Destillerien betrachten, sondern auch Abfüller wie "Murray McDavid" oder "Compass Box" – deren Blend(!!!) "Asyla" macht es jedes Jahr regelmäßig in die "Ten best Whiskies" des "Independent". Zu recht, übrigens. Ich hab' immer ein Bouteillchen davon im Haus. Oder probieren Sie mal einen zwölfjährigen Bunnahabhain Single Malt. Googeln Sie mal "Malts and More" ...

  5. ... Herbert Schulz aus Neuses an den Eichen (Landkreis Coburg) vergessen!!!

    Antwort auf "@zeit-online"
  6. Meinen Sie die Massenware der "Classic Malts" von Diageo ("Guinness" ...)? Dann sitzen Sie aber einer PR-Masche auf! Die sind zwar auf den ersten Schluck nicht schlecht, aber Ihre Farbe haben sie alle von schnöder Zuckerkulör. Da gibt's schon ganz andere Kaliber, die auch nicht mehr kosten. Dabei sollten Sie nicht nur Destillerien betrachten, sondern auch Abfüller wie "Murray McDavid" oder "Compass Box" – deren Blend(!!!) "Asyla" macht es jedes Jahr regelmäßig in die "Ten best Whiskies" des "Independent". Zu recht, übrigens. Ich hab' immer ein Bouteillchen davon im Haus. Oder probieren Sie mal einen zwölfjährigen Bunnahabhain Single Malt. Googeln Sie mal "Malts and More" ...

    Antwort auf "Na ja ..."
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    .... hat von Michael Jackson (nicht der !!;)) 8 von 10 Punkten bekommen. Der Tallisker kommt auch nicht schlecht weg und daß im Lagavullin (16 jahre alt) der Zuckerkulör schwimmt : Zuckerkulör ist derselbe Farbstoff, der auch im Holz der Fässer vorkommt, also egal !
    Mein Favorit ist der Dalwhinnie 15 Jahre mit eiskalten Hildon...mmmhh, yummi !

  7. ... daß der Uerige-Whisky ebenso überschätzt wird wie das Uerige-Alt. Das einzige, was beim Uerigen wirklich "oustanding" ist, ist die Tatsache, daß dort in der Schwemme die Köbesse noch unfreundlicher und die Gläser noch weniger voll sind als in den anderen Düsseldorfer Hausbrauereien. Meine persönlichen Favoriten sind eh Schumacher und Füchschen.

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    ...das Schuhmacher ist um Klassen besser !

    • Pangea
    • 23. März 2013 22:00 Uhr

    Ich tendiere zu "Schlüssel" - gebe Ihnen aber ansonsten unumwunden recht.

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