AmaroneEin Wein, der wärmt

Der Amarone zählt zu den intensivsten Rotweinen der Welt. Die Ausleser sind zu Gast im Valpolicella, wo clevere Winzer den schweren Tropfen zum Exportschlager machten.

Bei der Vinitaly werden jedes Jahr im März in Verona die besten Amarone präsentiert.

Bei der Vinitaly werden jedes Jahr im März in Verona die besten Amarone präsentiert.

Die zerknitterte Haut strahlt pflaumenblau. Fabian zupft sich eine Schrumpelbeere vom Stiel und steckt sie sich in den Mund. Es knackt zwischen den Zähnen, als er auf die Kerne beißt. "Rosinen und Trockenfrüchte", sagt er und schließt die Augen. "Und wonach schmecken sie noch?", will ich wissen. "Nach Tabak und Kakao", sagt Bruder und schiebt sich genussvoll noch ein paar Beeren in den Mund.

Im Herzen des Valpolicella hatten wir sie entdeckt: Riesige Hallen, in denen sich Holzkisten voller angetrockneter Trauben bis unter die Decke stapeln. Draußen versank die hügelige Landschaft im watteweißen Schnee während drinnen Zigtausend Rotweintrauben in wohliger Wärme vor sich hin schrumpelten.

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"Aus dieser Rosinen-Mumie soll wirklich noch Rotwein werden?", fragt Fabian sich selbst. Beim Sprechen bilden sich kleine Kondenswölkchen in der eiskalten Januarluft. "Sieht wirklich ein bisschen komisch aus ...", murmelt er. Dann dreht er noch eine Traube vor seinem Gesicht hin und her und inspiziert sorgfältig, was die wochenlange Trockenkur von den Beeren übrig gelassen hat.

Der Unfall mit dem Süßwein

Das Appassimento ist ein ziemlich ungewöhnlicher Vorgang. Er dauert 120 Tage und dient dazu, die im September geernteten Trauben anzutrocknen. Aus frisch und saftig wird schrumpelig und trocken. Dabei würde jeder Winzer, der halbwegs bei klarem Verstand ist, die prallen und reifen Trauben auf der Stelle zu Rotwein verarbeiten. Doch das Schicksal hat für das Exemplar, das eben noch vor Fabians Nase baumelt, etwas anderes vorgesehen.

Ursprünglich hat man die Trauben in der Region Valpolicella nördlich von Verona zu einem Wein gleichen Namens verarbeitet: Valpolicella. Ein heiterer, eleganter, feiner Wein ohne viel Kawumms. Nur in besonderen Jahren wurden die besten Trauben getrocknet, um einen Süßwein daraus zu machen, den Recioto. Je süßer, desto besser – der Recioto galt als die ultimative Delikatesse der Region. Vom Typ her ist er dem Portwein ähnlich, fruchtig, lieblich und alkoholisch, und eignet sich gut zum Kekse eintunken. Doch wird beim Port Branntwein zugesetzt, um die Gärung zu stoppen und die Süße zu halten, ist es beim Recioto die ungeheure Zuckerkonzentration des Trocknungsvorgangs, der die Süße bringt. Lange Zeit stand der Recioto unangefochten an der Spitze der Weinpyramide der Region Valpolicella. Aber dann ging eines Tages etwas schief.

120 Tage lang werden die Trauben in Holzkisten angetrocknet.

120 Tage lang werden die Trauben in Holzkisten angetrocknet.

"In den 1930er Jahren begann bei uns ein Fass Recioto wieder zu gären", erzählt Luca Bissoli von der Cantina Valpolicella in Negrar und Marketing-Manager der größten Genossenschaft im Valpolicella Classico. Klammheimlich verwandelten die Hefen also die ganze schöne Süße des Weines – sie war futsch bis auf ein paar Gramm Restzucker. Peinlich, peinlich! "So ein Malheur war in der Region durchaus bekannt und passierte zwar von Zeit zu Zeit", sagt Luca Bissoli während er mit uns die eindrucksvolle Phalanx der riesigen Fässer im Keller des Weinguts abschreitet. "Meist waren das aber nur kleine Mengen, nie ein Fass mit mehreren Tausend Litern Inhalt wie bei uns."

Amarone_2 from Cornelius & Fabian Lange on Vimeo.

Aus dem zuckersüßen Recioto wurde ein fast trockener, ultraschwerer Rotwein mit 15, 16 Prozent Alkoholgehalt. Weil die verpfuschten Kleinfässer schon den Namen Recioto amaro, also bitterer Süßwein, weg hatten, tauften die Genossen den neuen Rotwein einfach Amarone. In Italien, so viel wussten die Winzer, war so etwas damals jedoch kaum verkäuflich. Also suchten sie nach neuen Märkten. "Ausgerechnet im bitterkalten Kanada schlug unser Wein ein wie eine Bombe," sagt Luca Bissoli lachend. Er scheint es selbst nach 80 Jahren kaum zu glauben. Aber bei vielen Exil-Italienern kam der viele Alkohol, die vielen Gerbstoffe und die viele Frucht mit dem klitzekleinen Fitzelchen Süße so gut an wie ein glühendheißer Bollerofen am Ende einer stundenlangen Schneewanderung. Genau richtig, um in langen dunklen Winternächten von der Sonne Italiens zu träumen.

Aus der Cantina Valpolicella Negrar stammt der erste Amarone.

Aus der Cantina Valpolicella Negrar stammt der erste Amarone.

Bis in die siebziger Jahre blieb die Nachfrage nach Amarone zwar konstant, aber auf relativ niedrigem Niveau. Erst als das Augenmerk der Genießer in den Achtzigern zunehmend auf starke und ausgefallene Weine fiel, schnellten die Verkaufszahlen nach oben. Und damit die Preise. Mittlerweile ist der Amarone in Übersee ein Star. Er hat in Moskau, Bangalore, Seoul, Tokio und Shanghai Karriere gemacht und lässt diese Städtenamen in den Ohren der Amaronisti wie Musik klingen. In Mumbai geht eine gute Flasche Amarone leicht für 200 Euro über den Tresen.

Niemand konnte ahnen, dass ein trockener Rotwein aus rosinierten Trauben einen derart fulminanten Zuspruch finden würde, denn der Amarone ist zudem enorm alkoholstark. 16 Prozent sind die Regel, doch auch Exemplare mit über 17 Prozent kann man finden. Auch die anderen Weinbestandteile werden bei seiner Herstellung konzentriert: Die Fruchtsäure, die Gerbstoffe und die Aromen. Der Amarone gehört zu den intensivsten Rotweinen der Welt. Würde man ihm ein aromatisches Psychogramm ausstellen, dann wäre das ein irrer Mix aus Niederquerschnittsreifen, Dominosteinen und dem Auftakt von Also sprach Zarathustra von Richard Strauss.

Der Wein

Cantina Zecchini: Amarone "Valpantena" Valpolicella 2009
Ca. 25 Euro

Der Amarone Valpolicella 2009er "Valpantena" von der Cantina Zecchini hat moderate 15 Prozent Alkohol und ist noch verschlossen im Duft, gibt aber im Geschmack Eisen, etwas Blut, Sandelholz, getrocknete Rosenblätter und Assamtee mit Kandis preis. Der Wein hat mittelkörniges Tannin, kaum Holz und bleibt dank fruchtiger Säure voller Dynamik und bleibt im Mund schwebend. Vor allem aber ist er eines: wunderbar frisch!

Vigneti Villabella: Amarone delle Valpolicella Classico 2009
Ca. 20 Euro

Das Weingut Villabella liefert mit seinem 2009er Amarone delle Valpolicella Classico, der inTausend-Liter-Fässern reift, den Beweis, dass es auch anders als breit, schwarz und stark geht. Der Wein hat vergleichsweise moderate 15 Prozent Alkohol, aber genug Kraft und eine fein ausgependelte Säure. Trockenfrüchte und Unterholzaromen neben Kakaonoten bringen einen klar auf der fruchtigen Seite verorteten Amarone – in der Nase wie im Geschmack.

Cantina Torre d’Orti: Amarone della Valpolicella 2008
Ca. 28 Euro

Ein Paradoxon löst gekonnt die Cantina Torre d’Orti. Das Weingut wurde erst im Jahr 2000 gegründet. Doch der 2008er Amarone della Valpolicella bringt schlappe 17,5 Prozent Alkohol auf die Waage. Seine unglaublich reife volle Nase liefert reichlich Lack-Aromen und Trockenfrüchte rund um Rosinen und Pflaumen. Im Mund liefert er ein opulentes Spiel und bringt reifen Gerbstoff mit. Paradox aber erstaunlich wahr: Trotz massiven Alkohols ist dieser Amarone ein belebender Wein.

Cantina Terre di Leone: Amarone 2007
Preis auf Anfrage

Dass es auch ganz anders geht, zeigt die Cantina Terre di Leone. Auf den vulkanischen Böden wachsen die Weine in bis zu 450 Metern Höhe und profitieren dort von der Kühle der Nacht. Das bringt reichlich Fruchtaroma und belebende Fruchtsäure. Der 2007er Amarone mit seinen 16,5 Prozent ist ein extrem feiner Wein mit reifen, gut ausgependelten Gerbstoffen, die beleben statt Sand ins Aromen-Getriebe zu werfen. In der Nase liefert er Thymianöl und flüchtige Noten. Dabei bleibt dieser Spitzen-Amarone vielschichtig und dynamisch. Großes Amarone-Kino.

Die Autoren

Fabian und Cornelius Lange sind immer auf der Suche nach ultimativen Weinen. In der Kolumne "Die Ausleser" schreiben sie über Entdeckungen und Begegnungen in aller Welt, singen ebenso inbrünstig ein Loblied auf die Segnungen der Globalisierung wie sie die Qualität eines regionalen Weins aus der Literflasche beschwören. Mehr über die beiden Autoren erfahren Sie hier.

Die Weinempfehlungen im Überblick

Diese Weine haben "Die Ausleser" bisher besprochen:

Weingut Heiner Sauer: Silvaner 2011 in der Literflasche
6 Flaschen, 33 Euro
Die einfachen Dinge sind manchmal besonders kompliziert. Guten Literwein zu finden zum Beispiel – eine Paradedisziplin für Silvaner, der immerhin auf Platz drei der weißen Sorten Deutschlands rangiert. Im Bioweingut Heiner Sauer in der südlichen Pfalz pendelt er sich genau auf dem Mittelweg ein, als gut gemachter, klassischer Stoff. Und 2011 war ein perfektes Jahr für diese Sorte. Sauers Interpretation in der Literflasche wächst auf Lösslehmböden und ist ein herrlich fettes Teil, cremig, weich und mit sanfter Säure. Der eigentliche Hattrick aber ist, dass Heiner Sauer seinen Biowein in großen, klassischen Holzfässern reifen lässt. Das bekommt dem Wein sehr gut, schleift ihn, feilt ihn, macht ihn rund. Mit feinen Kräuternoten, reifen Apfelnoten und einem satten Mundgefühl streichelt er nur so am Zäpfchen vorbei. Und das mit rund 11 Prozent Alkohol. Sauers Silvaner ist garantiert nichts für Angeber und Weinwichtigtuer, sondern einfach nur für Menschen, die gern Wein trinken. Mit der Betonung auf trinken.

Johner Estate: Sauvignon Blanc Gladstone 2011
Ca. 5 Euro

Sauvignon Blanc, der in Kurzform einfach nur Sauvignon genannt wird, ist neben Pinot Noir (Spätburgunder) die Rebsorte Neuseelands und als Beitrag der Insel zur modernen Weinwelt nicht mehr wegzudenken. Ein guter, expressiver Sauvignon braucht zwei Lesedurchgänge: früh, um die Frische und Säure zu konservieren, und spät, um die reifen Aromen der Exotik einzufangen. Auf dem Weingut Johner entsteht so ein opulenter, ausladender, enorm dichter Weißwein, der vor Kraft kaum laufen kann. Dabei gibt die frische Fruchtsäure dem Wein die nötige Abwechslung. Frischer Ziegenkäse, Rote Beete, Le-Puy-Linsen, bestes Olivenöl und Estragon sind die kulinarischen Mitspieler dieser großartigen Rebsorte.

Bartolo Mascarello: Barolo 2005 DOCG
Ca. 65 Euro

Eine Weinlegende braucht viel Aufmerksamkeit, vor allem wenn es sich, wie in diesem Fall, um einen traditionellen Barolo handelt, der zu einhundert Prozent aus der Rebsorte Nebbiolo hergestellt wird. Die hat eine dünne Schale und somit wenig Farbstoffe, dafür aber eine imposante Menge an Gerbstoffen. Mascarellos 2005er Barolo aus dem letzten Lebensjahr des Kultwinzers lässt sich noch auftreiben. Aber aufgepasst! Einen halben Tag vorher dekantieren ist ein Muss, erst dann entwickeln sich die Aromen und bilden einen Gegenpol zu den enormen Tanninen. Ein Muss ist auch das richtige Essen. In Rotwein geschmorter Rinderbraten, Beinscheiben. Steinpilze oder Polentaschnitten mit geschmortem Radicchio-Gemüse und Olivenöl – Hauptsache, die Gerbstoffe können so richtig andocken. Der teurere 2007er von Bartolos Tochter Teresa ist wegen des Jahrgangs runder, voller und reifer, braucht aber auch Zeit und das passende Essen.

Privatkellerei Tsantali: Metochi Chromitsa 2007& Premium-Cuvée Mount Athos Abaton 2006
Ca. 12,50 Euro bzw. 18 Euro

Heiliger Bimbam, was für ein Wein! Die Hälfte steuert die alte autochthone Rebsorte Limnio bei, den Rest teilen sich Cabernet und Merlot – alle ökologisch erzeugt. Limnio ist schon in der Antike von Polidefkis, Homer und Aristoteles erwähnt worden und wächst seit langem rund ums Kloster. Die Sorte steuert herbe Kraft, Kräuteraromen und fruchtige Säure bei – das gibt dem Wein die nötige Statur. Die beiden internationalen Zutaten liefern wiederum fruchtige Cassis- und Pflaumenaromen. So beschreitet der Tsantali einen ganz eigenen Weg und zeigt, wie großartig Wein aus Griechenland sein kann: Herbe Frucht in der Nase, voller Kraft und dem Duft des Südens. Vital, ungezähmt und mit erdigem Grundton liefert der Chromitsa reichlich reife Früchte, Pfeffer, Lorbeer. Der Wein bleibt im Mund richtig schön aktiv und verabschiedet sich ganz langsam mit einem salzigen Finish.

Der Premium-Cuvée Mount Athos Abaton reift ebenfalls in der Klosterkellerei. Hier dominieren Cabernet und Merlot, Limnio macht nur 30 Prozent aus. Der 2006er Abaton reift zu hundert Prozent in neuen Barriques und ist daher weicher und offener als der Metochi Chromitsa. In der Nase ist Minze spürbar, reife, zum Teil getrocknete Früchte. Im Mund setzt der Abaton eine Oktave tiefer an, bietet eine schöne reife Süße im Aroma. Vanille und Holz sind spürbar und ein attraktiver, geschliffener Gerbstoff. Alles zusammen mündet in einem schokoladigen Finale.

Weingut am Stein Ludwig Knoll: Würzburger Stein Silvaner trocken 2011 & Würzburger Innere Leiste Scheurebe 2011
Ab Weingut ca. 9,50 Euro

Weingut August Kesseler: Lorcher Kapellenberg Riesling Kabinett trocken 2011
Ab Weingut ca. 15 Euro

Weingut Theo Minges: Pfalz Muskateller trocken 2011
Ab Weingut 7,80 Euro

Weingut Kruger-Rumpf: Münsterer Pittersberg Riesling trocken 2011
Ab Weingut ca. 12 Eur

Weingut Matthias Müller: Bopparder Hamm Ohlenberg Riesling Spätlese trocken 2011 & Bopparder Hamm Mandelstein Riesling Auslese 2011
Ab Weingut ca. 10 Euro bzw. 14 Euro 

Weingut Dr. Heinz Wagner: Saar Riesling trocken 2011 & Saarburger Kupp "Alte Reben" Riesling Spätlese trocken2011 & Saarburger Rausch "Josef Heinrich" Riesling Spätlese "feinherb"2011
Ab Weingut 8 Euro bzw. 14 Euro

Weingut Brüder Dr. Becker: Ludwigshöher Silvaner (Ortswein) trocken 2011
Ab Weingut ca. 10,50 Euro

Weingut Moric: Blaufränkisch "Reserve" 2009
Ca. 25 Euro

Der erste Schluck kommt so normal daher, dass es fast irritiert: kein Holz, kein Rumtopf, kein Rauch, einfach nur Frucht. Pur, geläutert, schlicht, schön, groß. So soll es sein, denn diese Frucht rekelt sich beinahe im Glas, ist saftig, lustvoll und macht Durst auf mehr. Der Winzer wirft dem Wein keine Holzknüppel zwischen die Beine, denn Morics Reserve läuft und läuft und läuft. Feine Kirschfrucht, kultivierte, runde Gerbstoffe, immer offen, elegant und zugänglich mit einer dezenten Portion Kakao am Ende. Ein moderner, ernsthafter Rotwein.

Weingut Trapl: Blaufränkisch Spitzerberg 2009
Ca. 33 Euro

Auch dieser Blaufränker hat vor allem Kirsche an Bord, aber auch Brombeere. Beides wird nur ganz zurückhaltend vom Holz flankiert, statt dass es die Frucht mundtot macht. Dafür hat der Spitzerberg eine feine Frische mit einem Hauch Citrus und eine Idee Minze auf Lager, die den Wein am Gaumen in angenehme Schwingungen versetzt. Das ist klasse gemacht, ein Rotwein, der die Zukunft einläutet.

Winzerkeller Neckenmarkt: Blaufränkisch Hochberg, Mittelburgenland DAC 2009
Ca. 8 Euro

Das hier ist eine Entdeckung von der Vievinum – so was läuft außer Konkurrenz. Ist er den Juroren zu "einfach"? Zu sehr Blaufränkisch? Wir wissen es nicht, raten aber trotzdem dazu. So muss Blaufränkisch sein: Voller Frucht, saftig, rund und voll. Dabei reif und mit fein geschliffenen Gerbstoffen. Hier haben die Genossen aus dem Burgenland ganze Arbeit geleistet.

Weingut Umathum: Zweigelt 2010
Ca. 10 Euro

Herrlich knackiger Bursche, voll und prall im Glas. Eine Frucht zum draufbeißen, reinbeißen, aussaugen. Saftig pralle Schwarzkirschen, feinkörnige Gerbstoffe und angenehm pfeffrig. Rundum rund und voll mit allem was ein perfekter Zweigelt so braucht. Holz zählt jedenfalls nicht dazu.

Bodega Atamisque: Pinot Noir "Catalpa" 2010
Ca. 11 Euro

Bodega Atamisque:Malbec "Catalpa" 2010
Ca. 11 Euro

Ohne Malbec wäre Argentinien nicht Argentinien. Die ursprünglich aus dem Bordeaux stammende Sorte wächst dort auf 24.000 Hektar Rebfläche. Bei Atamisque entsteht aus den Trauben ein kraftvolles Urgestein, das nach einem Mund voll reifer Beeren schmeckt, mit prägnanten aber runden Gerbstoffen. Ideal zum draußen trinken, denn dieser opulente Malbec kann sich auch gegen ein laues Lüftchen behaupten. Wird zu zwei Dritteln im Stahltank ausgebaut und stammt von Rebstöcken, die bis zu 80 Jahre alt sind.

Bodega Atamisque:Cabernet Sauvignon "Atamisque" 2008
Ca. 16 Euro

Herrlich knackiger Bursche, voll und prall im Glas. Eine Frucht zum Draufbeißen, Reinbeißen, Aussaugen. Saftig pralle Schwarzkirschen, feinkörnige Gerbstoffe und angenehm pfeffrig. Rundum rund und voll mit allem, was ein perfekter Zweigelt so braucht. Holz zählt jedenfalls nicht dazu.

ACDC Sauvignon Blanc: Hells Bells, Marlbourough, New Zealand
ca. 12 Euro

Metallisch-kühler Duft nach Salbei, frisch geschnittenem Gras und Holunderblüten. Reichlich grüne Paprika klingelt in der Nase. Im Mund versteckt sich die Frucht, läutet gar nicht laut, sondern klingt eher leise an. Keine Exotik oder Maracuja, dafür aber eine Spur salzig. Die Macher der Höllenglocken haben sich für den grünen, vegetabilen Stil des Sauvignon Blancs, für den die Weine aus Neuseeland berühmt sind, entschieden – und zeigen kein Fitzelchen Gerbstoffe. Eichenholzfrei schlägt der Hells Bells glockenrein am Gaumen. Kein großer Stoff, aber gute Standardware.

ACDC Shiraz: Back in Black, Barossa Valley, Australia
ca. 12 Euro

Zwei schwere Jungs, Angus und Malcom Young bedienen bei AC/DC die Gitarren. Beim Wein der Brüder ist eher Volksmusik angesagt: Im Duft reife Himbeeren, hochreife Pflaumen, Trockenobst und eine Prise schwarzer Pfeffer – alles, was ein Schlager heute so braucht. Im Mund machen sich dann Nelke, Piment, eine Spur Teerpflaster, Zimt und wieder vollreife Himbeeren bemerkbar, neben einem Hauch grasiger Noten. Runde Gerbstoffe ohne Ecken und Kanten oder jegliche Disharmonien machen den Back in Black zu einem Everybody's Darling. Der Florian Silbereisen unter den Shiraz.

Champagne Bérèche et Fils: Reflet d’ Antan
Ca. 69 Euro

Feine goldene Farbe, extrem zurückhaltende Perlage. Im Mund sahniges Mousseux mit appetitlicher Säure, feinem Apfelaroma und einem Anflug von Anis, frischem Tabak und geröstetem Sesam. Statt frischer Frucht wird dieser kräftige Champagner durch intensive, anhaltende Kräuternoten, Malzaromen und einer mineralischen Kreide-Spur über die Zunge gelenkt. Ein sehr nachhaltiges Geschmackserlebnis, das die Tür in eine neue Champagner-Dimension eleganter Reife und Intensität aufstößt. Ideal auch zum Essen: Atlantikfisch mit Noilly-Prat, geräucherter Forelle, Hahn mit Creme-Frâiche-Sauce oder Pilz-Risottos.

Champagne H. Billiot: Cuvée Laetitia
Ca. 60 Euro

Dunkles Strohgelb, seidiger Auftritt, sehr sahniges Mousseux. Entwickelt sich ruhig im Mund. Getrocknete Rosenblätter, gebratener Apfel und Orangenschalen klingen in der Nase an mit einer Spur Safran. Der Wein hat auch feine Krallen, mit denen er sich am Gaumen bemerkbar macht und ihn dadurch zum Essen prädestinieren. Langes Finale mit überraschend lebendigem Nachklang. Ein großer Champagner.

Sektkellerei Bardong: Erbacher Honigberg 2007, Riesling Sekt, Rheingau b.A. brut
Ca. 15 Euro

Frischer Rieslingduft im Glas, mit feiner Perlage. Im Mund zündet der Honigberg nach fünf Jahren Hefelager eine goldene Brilliantrakete: Apfel- und reifer Birnenduft machen Druck am Gaumen, der Sekt hat einen wunderbar nachhaltigen Schaum und verbindet viel saftige Frische und ausgependelte Reife. So herrlich kann perlender Riesling sein: fordernd, opulent und elegant.

Domaine Vindemio: Côtes de Ventoux AOC "Regain Rouge", 2011
Ca. 8 Euro

Das hier ist ein wildes Tier mit weichem Pelz: ungezähmt, ungezügelt und mit Krallen! Intensive, schokoladige Düfte, Thymianblüten und ätherische Noten liegen über einem See aus roten Früchten. Mit jedem Schluck geht es tiefer in unbekannte Regionen, in die das Licht immer diffuser hineinfällt. Der geschmackliche Raum ist erfüllt von lebendigen Aromen, die sich wellenartig ausbreiten und voller Intensität nachklingen. Das wahrhaft Große am Regain (70 Prozent Grenache, 30 Prozent Syrah) ist seine unglaubliche Frische – trotz des Alkoholgehalts von 14 Prozent und dank der Tatsache, dass der Wein nie ein Barrique gesehen hat. Das ist nicht modern und nicht antiquiert, sondern zukunftsweisend.

Alle Folgen der Weinkolumne finden Sie hier

Um Amarone zu machen, brauchen die Winzer Risikobereitschaft, aktive Maischebearbeitung während der Gärung, und mindestens drei Jahre Lagerzeit in Holzfässern. Oft sind es Barriques, um dem Amarone Struktur zu geben. Oft erreichen sie damit leider viel zu viel des Guten. Feine Amarone erinnern an Zwetschkenkompott, Rosinen, frischen Tabak, Nelken, Weihnachtsgewürze, Kirschlikör und Schokolade, sind dabei kraftvoll und ausgewogen. Schlechte hingegen spülen zähnebeschlagendes Tannin in die Mundhöhle, benebeln mit zu viel Alkohol die Sinne und liefern zusätzlich Gerbstoff aus dem Holzfass. Amarone dieser Bauart können eine stressige Trinkerfahrung sein.

Eine neue Generation von Amaronisti verfolgt einen anderen Weg: Sie entscheiden sich zu Beginn der Vinifikation für eine Standzeit der Beeren im eigenen Saft, um die Aromen vorsichtig zu extrahieren. Danach erst kommt die alkoholische Gärung, und zwar ohne zu starke physikalische Bewegung der Maische. Die Jungweine reifen in traditionellen 5.000-Liter-Fässern aus slowenischer Eiche, die kaum Vanillearomen abgegeben. So entsteht Amarone mit großer Fruchtintensität und einer feineren Gerbstoffstruktur. Diese Weine haben einen kühlen Kern, sind tief und weich, voll und rund. Sie wirken am Gaumen zwar ebenfalls komplex und würzig, aber eben nicht ganz so unerbittlich.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich wohne in NRW...gibts da irgendwelche Vertriebswege, die bis eben hierhin reichen?

    Wäre nett, wenn da Infos folgen würden.
    Den würde ich gerne mal probieren.

    Mfg

    K-F

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    einen bei Lidl gekauft, soo selten ist der Stoff in Deutschland nicht ;-)

    Redaktion

    Liebe/r Kritischer_Freigeist,

    leider fehlten bei Veröffentlichung tatsächlich die aktuellen Hinweise zum Bezug des Weines. Jetzt ist die Infobox auf der 2. Artikelseite aktualisiert und sie können dort Empfehlungen für vier Sorten Amarone finden. Wenn es nicht genau der von unseren Kolumnisten empfohlene sein muss, führt sicher auch ihr ortsansässiger Weinhändler einen guten Amarone.

    Viele Grüße, Maria Exner

    einen bei Lidl gekauft, soo selten ist der Stoff in Deutschland nicht ;-)

    Redaktion

    Liebe/r Kritischer_Freigeist,

    leider fehlten bei Veröffentlichung tatsächlich die aktuellen Hinweise zum Bezug des Weines. Jetzt ist die Infobox auf der 2. Artikelseite aktualisiert und sie können dort Empfehlungen für vier Sorten Amarone finden. Wenn es nicht genau der von unseren Kolumnisten empfohlene sein muss, führt sicher auch ihr ortsansässiger Weinhändler einen guten Amarone.

    Viele Grüße, Maria Exner

  2. einen bei Lidl gekauft, soo selten ist der Stoff in Deutschland nicht ;-)

  3. .. die besten Weine kommen immer noch aus Italien ..

    ..;-) .. http://www.youtube.com/wa...

    Gruß

    AMD

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Um slowenische Eiche düfte es sich bei den 5000-Liter-Fässern in der Valpolicella kaum handeln, denn in Slowenien gibt es sicher nicht genügend Eichen. Eher ist wohl slawonische Eiche (Quercus Robur Slavonica) gemeint, und dieses Slawonien, das so ähnlich klingt wie Slowenien, ist eine Landschaft im Osten Kroatiens. Die slawonische Eiche wird inzwischen nicht nur zwischen Drau, Donau und Save, sondern auch in vielen anderen Gegenden angebaut. Aber wer viel von Wein versteht, muss ja nicht unbedingt auch ein Holzfachmann sein. Slawonische Eiche ist jedenfalls die beste für Weinfässer. Ob italienischer Wein wirklich der beste ist, sei dahingestellt. Das dürfte wohl Geschmackssache sein.

    Eine Leser-Empfehlung
    • cmim
    • 05.04.2013 um 3:55 Uhr
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
  5. Redaktion
    6. Bezug

    Liebe/r Kritischer_Freigeist,

    leider fehlten bei Veröffentlichung tatsächlich die aktuellen Hinweise zum Bezug des Weines. Jetzt ist die Infobox auf der 2. Artikelseite aktualisiert und sie können dort Empfehlungen für vier Sorten Amarone finden. Wenn es nicht genau der von unseren Kolumnisten empfohlene sein muss, führt sicher auch ihr ortsansässiger Weinhändler einen guten Amarone.

    Viele Grüße, Maria Exner

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    Vielen Dank für die Erweiterung bzw. den Nachtrag!!

    Mfg

    K-F

    Vielen Dank für die Erweiterung bzw. den Nachtrag!!

    Mfg

    K-F

  6. 7. Danke!

    Vielen Dank für die Erweiterung bzw. den Nachtrag!!

    Mfg

    K-F

    Antwort auf "Bezug"
  7. "Aber bei den vielen Exil-Italienern kam der viele Alkohol, die vielen Gerbstoffe und die viele Frucht mit dem klitzekleinen Fitzelchen Süße so gut an ..."

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