Eng liegen die Kakaobohnen in hüfthohen, hölzernen Boxen, geben in der strahlenden ecuadorianischen Sonne ihren Saft ab, reiben sich aneinander beim Mischen. Dann genießen sie noch eine Weile die trockene Luft und schlüpfen schließlich gemeinsam in die Transport-Säcke. In Kürze werden sie im Süden von Ecuadors Hauptstadt Quito zu Schokolade verarbeitet.

Was klingt wie der ganz normale Kreislauf eines traditionellen Wirtschaftszweigs, ist für Ecuador in Wirklichkeit eine Revolution. Denn seit mehr als 400 Jahren werden die landestypischen Kakaobohnen der Sorte Arriba Nacional fast ausschließlich exportiert. Fabriken zur Weiterverarbeitung im eigenen Land gab es nicht, ganz zu schweigen von einer Chocolatiér- oder Pâtisserie-Kultur.   

Generation um Generation blieb den Ecuadorianern verborgen, welche Genüsse aus den Kakao-Bohnen von ihren Plantagen in Europa und den USA entstanden. Bis heute ist der Kakao-Anbau für die meisten Bauern ein Tausch von Plackerei gegen Mittellosigkeit. Dabei werden nach Angaben der International Cocoa Organization im Jahr 2013 etwa 16 Prozent aller weltweit verkauften Kakao-Bohnen aus Ecuador stammen. "Diese Leute produzieren den besten Kakao der Welt. Aber das Einzige, was davon in Ecuador übrig bleibt, ist Armut", sagt Santiago Peralta.  

Peralta ist einer der Anführer von Ecuadors Schokoladen-Revolution. Seit elf Jahren produziert der 41-Jährige in Quito nach dem Prinzip "from tree to bar" 50 Gramm Tafeln feinster ecuadorianischer Schokolade. "Nach so vielen Jahren der neokolonialen Wirtschaft wollten wir die Geschichte unserer Schokolade endlich selbst erzählen", sagt Peralta. Mit Pacari Gourmet Organic Chocolate gründete er im Jahr 2002 die erste einheimische Bioschokoladenmarke. Pacari produziert nach biodynamischen Maßstäben und in Kooperation mit mehr als 3.000 Bauernfamilien. 

Peralta will, dass Ecuador vom armen Rohstoffproduzenten zum selbstbewussten Hersteller edler Delikatessen wird. Also vermarktet er den Geschmack der unterschiedlichen Regionen seines Landes wie ein Winzer. Ähnlich wie das Zusammenspiel von Boden und Traubensorte einen Wein prägt, spiegeln sich die unterschiedlichen Kakaobaum-Sorten, die Böden und die klimatischen Bedingungen in den dunklen Pacari-Schokoladen. Die trockene Provinz Manabi hüllt der Pichincha-Vulkan regelmäßig in seine Asche. Den bitteren Grundcharakter der 65-Prozent-Schokolade aus dieser Region tönt eine dezente Macadamia-Note und ein Hauch Limette. Leicht holzig bis grasig schmeckt dagegen die Schokolade mit 60 Prozent Kakaoanteil aus den Bohnen der verregneten Provinz Esmeraldas.

Die sogenannte Raw Chocolate mit 70 Prozent Kakaoanteil entsteht durch eine besonders sanfte Vermahlung der Bohnen bei niedrigen Temperaturen. So verbleiben mehr Antioxidantien und Flavonoiden in der Kakaomasse. "Vielleicht würde ein feiner französischer Chocolatier sie nicht mögen. Dafür ist sie sehr gesund", sagt Peralta. Die Raw Chocolate schmeckt fruchtig, würzig und nach einem Hauch von Curry.