Eigentlich war es ein Hobby. Doch dann ist die Brauerei irgendwie aus dem Ruder gelaufen. Und jetzt stellt Fritz Wülfing 3.000 Liter Bier pro Monat her und verkauft es deutschlandweit, wird von amerikanischen Bloggern für sein Fritz Ale gefeiert – und verbringt jedes zweite Wochenende auf der Autobahn. Fritz Wülfing ist hauptberuflich Ingenieur bei der Deutschen Telekom in Bonn. Brauen kann er nur am Wochenende. Alle ein bis zwei Wochen fährt er dafür zur Vormann Brauerei nach Hagen-Dahl, 100 Kilometer hin und wieder zurück.

Unter Kleinbrauern ist das "Kuckucksbrauen", wie Wülfing es nennt, ein bewährtes Konzept. Wer keine eigene Brauerei hat, bucht sich stunden- oder tageweise bei mittelgroßen Brauereien ein. In der Regel zahlt man dafür eine Art Miete plus einen Anteil an Wasser und Strom, manchmal nimmt die Brauerei auch einen Teil des produzierten Biers in Zahlung. In den USA, wo die Privatbräu-Szene groß und das Prinzip alltäglich ist, heißen Enthusiasten wie Wülfing Gypsy Brewer.

Fritz Wülfing ist ein schmaler Mann, der leise spricht und sehr entspannt wirkt, obwohl sein Brauerleben unstet ist. "Die Fahrerei ist ein ganz schöner Zeitfresser", sagt er, "die Familie leidet ein bisschen darunter." Ja schon, es gäbe die Möglichkeit, den Braumeister bei Vormann allein arbeiten zu lassen, nach Wülfings Rezept. Sie haben sein Fritz Ale schließlich oft gemeinsam gebraut, sowohl das fruchtige, orangegelbe IPA als auch das deutlich bittere und hellere Pale Ale. Aber Wülfing schüttelt den Kopf. "Ich kann das Brauen nicht delegieren, ich muss das selber machen." Professionelle Brauer trauten sich zwar immer alles zu, aber ungewöhnliche Bierstile wie eben diverse Alesorten, Stouts oder Sauerbier kriegten sie dann doch nicht hin. "Sie sind so festgefahren in ihrer Art, Kölsch oder Lager zu brauen."

Das Modell Kuckuck ist für den Bonner also keine Dauerlösung. "Irgendwann muss ich eine eigene Brauerei haben", sagt Wülfing und plant ziemlich konkret. Mit 50, wenn andere an eine vorgezogene Rente und ein Ferienhaus in Spanien denken, bereitet er den Bau einer eigenen Brauerei vor. Finanzieren will er sein Projekt durch Crowdfunding, ein paar Geldgeber und mit Unterstützung der Bank. Eigentlich brauche man ja nicht viel, so Wülfing, das Equipment sei letzten Endes bezahlbar. "Viel schwerer wird es, einen Standort zu finden."

Jungs, kommt bald wieder

Fritz Wülfing braut sein Fritz Ale nur am Wochenende. © Nina Anika Klotz

Wie schwer, wissen Oliver Wesseloh und Friedrich Matthies. Der 40-jährige Brauer, Berater und Biersommelier und der 26-jährige Brauerei- und Getränketechnologieabsolvent aus Hamburg beschlossen im Herbst 2012, die Kreativbrauerei Kehrwieder zu gründen. Erst wollten sie eine stillgelegte Brauerei aufkaufen, doch die Kosten für den Umbau einer alten, deutschen Brauanlage schreckten sie ab. Traditionelle Brauereien sind für Spezialbiere ungeeignet. "Die meisten sind nur auf Standardpils ausgelegt", sagt Wesseloh.

Eine eigene Anlage bekamen die Brauer auch so hin, aus acht ausrangierten Milchtanks selbst zusammengeschweißt. Am Boden, dort wo früher die Kühlung saß, steckt jetzt das Heizelement. Doch das Sudhaus Marke Eigenbau steht bislang ungenutzt in einer Garage von Freunden. Wesseloh und Matthies suchen seit fast einem Jahr vergebens nach einer Halle in oder nahe Hamburg. Nicht einmal das Angebot, für eine erfolgreiche Vermittlung Freibier für ein ganzes Leben auszugeben, hat bislang geholfen.