Werbung"Fleisch sollte man auch mal anders betonen"

Wie wirbt man richtig für ein umstrittenes Thema wie Fleisch? Der Werbeexperte Guido Heffels sagt im Interview: Die deutschen Fleischer haben das Pfund in der Hand. von 

Szene aus dem aktuellen Werbefilm der deutschen Fleischer-Fachgeschäfte

Szene aus dem aktuellen Werbefilm der deutschen Fleischer-Fachgeschäfte  |  © Deutscher Fleischer-Verband

ZEIT ONLINE: Herr Heffels, der Fleischerverband wirbt derzeit zur Primetime in der ARD, auf Sat1 und Kabel1 mit einer jungen Frau, die in ein Schinkenröllchen beißt, für die deutschen Fleischer-Fachgeschäfte. Aus Ihrer Sicht eine gelungene Reaktion auf die Skandale und die anhaltende Diskussion um den Konsum von Fleisch und Wurst?

Heffels: Man hat das Gefühl, dass dieser Spot in den siebziger oder achtziger Jahren gedreht wurde. Er strahlt extreme Naivität aus und wird dadurch unglaubwürdig.  

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ZEIT ONLINE: In den Achtzigern hätte die Frau vielleicht noch in ein Wiener Würstchen gebissen.

Heffels: Dass viele Leute darüber diskutiert haben, in was eine Frau heute beißen darf, merkt man dem Spot an. Der Kochschinken ist kalorientechnisch noch vertretbar und fühlt sich leichter an als eine Schweinshaxe. Dieses Kalkül ist der Werbung anzusehen. Schon in der Anfangseinstellung steckt der Versuch, dem Schinken mit den aufgeschnittenen Cherrytomaten und dem Salat eine gesunde Anmutung zu geben. Ich finde: Wenn man Fleisch bewirbt, sollte man auch Fleisch nehmen. Kein Gemüse.


ZEIT ONLINE:
Wie gehen Sie an Werbung für ein umstrittenes Thema wie Fleischkonsum heran?

Gregor Heffels: Zunächst würden wir uns die Zeit ansehen, in der wir leben. Es ist eine Zeit voller Diskussionen und Ängste, die Menschen bezüglich ihrer Ernährung haben. Die günstigen Preise für Fleisch haben immer wieder Skandale zur Folge. Plötzlich ist das Steak dann doch kein Steak, sondern Hund. Die Menschen sind in dieser Hinsicht sensibel geworden.

ZEIT ONLINE: Sie würden also in einem TV-Spot hervorheben, dass das Fleisch einwandfrei ist?

Heffels: Ich halte das Medium Fernsehen grundsätzlich für das Fleischerhandwerk ungeeignet. Es ist zu kurz und zu schnelllebig für die Argumentation, die nötig wäre. Für Werbung und Kommunikation ist es heute zentral, zu fragen, was ist los da draußen in der Welt. Wie passen mein Unternehmen und ich in diese Welt? Man muss reagieren können. Das Fleischerhandwerk hat viele Jahre nichts getan. 

Guido Heffels

Guido Heffels (45) ist Geschäftsführer und Kreativchef der Berliner Werbeagentur HEIMAT, die erfolgreiche Kampagnen für Unternehmen wie Hornbach, Burger King und die Volksbanken Raiffeisenbanken konzipiert.

ZEIT ONLINE: Der Verband wirbt also an der Wirklichkeit vorbei?   

Heffels: Ich würde dem Fleischerhandwerk empfehlen, ein Argument zu suchen, das die Ängste und Einwände der Menschen, die weiterhin Fleisch essen wollen, miteinbezieht. Es geht nicht darum, mehr Fleisch zu essen, sondern den Leuten zu sagen: Kauft Euer Fleisch bitte im Fachgeschäft. Was ist es, das ein Fleischer-Fachgeschäft – ein schöner Begriff übrigens – von dem industriell produzierten Fleisch in einer Supermarktkette unterscheidet? Ein solches Argument liefert mir der Spot nicht.  

ZEIT ONLINE: Was wäre das beispielsweise für ein Argument?

Heffels: Es könnte ökologischer Natur sein. Man muss den Menschen etwas garantieren können. Zum Beispiel, dass das Fleisch im Fachgeschäft eine bessere Qualität hat. Eine andere Strategie wäre, das Fleischessen in eine kultige Ecke zu stellen. So dass die Leute sagen: Es ist zwar bescheuert, aber es macht großen Spaß, Fleisch zu essen! Fleisch, das Wort, sollte man auch mal ganz anders betonen: Fleeeiiiisch (zieht das Wort mit tiefer Stimme lang).

Leserkommentare
  1. Gute Idee. Ich mache mit. Man könnte beispielsweise die Betonung auf das "i" legen, also Fla-i-sch sagen.

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  2. "Dass viele Leute darüber diskutiert haben, in was eine Frau heute beißen darf.."
    genau, das legen immer noch wir Männer fest - lol

    Herzlich Willkommen in unserer Zielgruppe für Wienerwürstchen....

    Ich lach mich weg !

    6 Leserempfehlungen
  3. Für mich nicht. Ein tolles Steak, garniert mit einem kleinen Salat, keine Sauce
    sondern nur den eigenen Fond, was gibts da zu streiten?

    14 Leserempfehlungen
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    Der ist überflüssig und stört bloß :-)
    Guten Hunger!

  4. als ob sie gleich mich fressen wollen.

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    das klingt aber echt nach einer Phobie, das sollten Sie behandeln lassen.

    Würde der Held eines Zombiefilms einen Raum betreten, um dann von zwei Gestalten SO angeschaut zu werden, würde er als nächstes die Beine in die Hand nehmen.

    Echt, an diesen Blicken und diesem "Lächeln" hätte man sich bei World War Z einige Scheiben abschneiden können ...

  5. ... mit dem Klischee Köch<em>in</en> machen will:

    Ich gehe als Frau nicht zum Fleischer, um mir Brotbelag zu kaufen, sondern weil ich für die Familie eine qualitativ hochwertige Fleischmahlzeit will: Lammrücken, Geflügel, Rumpsteak, Rippchen, Zunge, frische Würste und so weiter

    Wie wär's mal mit dem Sonntagsbraten à la modern in der Werbung?

    5 Leserempfehlungen
    • Robo T
    • 13. August 2013 13:17 Uhr

    empfehle ich folgende dokumentation:
    http://www.youtube.com/watch?v=jieSlTLIKJ0

    spätestens beim anblick von rindern, die beim ausnehmen wieder aufwachen und somit bei lebendigem leibe ausgenommen werden, sollte sich der zuschauer mal gedanken machen, wo das täglich fleisch herkommt!

    11 Leserempfehlungen
  6. Es gibt eine anhaltende Diskussion zum Thema Fleisch? Ich dachte, das Thema Veggie Day wäre von allen unverzüglich als Unfug tituliert worden und wäre einen Tag später wieder vergessen gewesen. Wer ausser den Zeitungen im Sommerlock diskutiert das Thema denn noch?

    3 Leserempfehlungen
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    Diskutiert wird der Veggie-Day kaum noch. Allerdings versucht ZON das Thema mit allen Mitteln am köcheln zu halten.

    Irgendwo habe ich heute gelesen, dass es gelungen ist, einen Raubfisch auf vegetarisch "umzustellen". Was mit dem Fisch geht, muss auch mit den Menschen gehen. Lasst den Trittin und die Künast mal machen. ZON wird sie dabei unterstützen.

  7. Gleich bei der Einleitung des Artikels ("Der Agent Guido Heffels sagt ...)" habe ich gedacht: Huch, haben die jetzt einen von der CIA oder so angeheuert. Aber nein, so schlimm ist es dann doch nicht. Einge Google-Suche (Gruss an die Agenten der NSA) hat ergeben, dass es sich um einen Werbefuzzi handelt.

    Dann kommt aber schon bald die erste falsche ZON-Aussage, um dem Thema die richtige Richtung zu geben: " umstrittenes Thema wie Fleischkonsum". Nur weil eine grasgrüne Micro-Minderheit sich lautstark mit voller Unterstützung der einschlägigen Medien zu Wort meldet, ist das Thema nicht umstritten. Da ist ja die tägliche Wettervorhersage umstrittener.

    Das hier "Menschen, die weiterhin Fleisch essen wollen" hört sich an, wie "Huch, irgendwie muss es doch zu schaffen sein, den Leuten das Fleischessen zu vermiesen. Wenn nicht heute, dann morgen."

    Beide, Agent und Balzer, haben übrigens sehr wenig Ahnung von dem, über das sie reden: Die meisten "Metzger um die Ecke" beziehen ihr Fleisch von irgendwoher, nicht besser als der Supermarkt. Und Rinderfilet ist zwar das "zarteste" Stück, aber nicht unbedingt das beste. Nicht umsonst schneiden die besten Fleischkenner der Welt, Brasilianer und Argentinier, die Stück so, dass das Filet immer nur ein "Beistück" zu einem kräftiger schmeckenden Stück ist.

    The Veggie show must go on. Auf geht's.

    16 Leserempfehlungen
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    und heute mit einem Werber, der gewöhnlich die Wünsche jedes zahlenden Kunden erfüllt, egal ob pro-Fleisch oder pro-veggie, über Fleisch und dessen Vermarktung spricht, warum sollte das für jemanden relevant im Sinne einer Handlungsempfehlung sein.
    Das sind reine Auftragsarbeiten, da muss weder thematische Sachkunde noch Engagement drinstecken und genauso beliebig kommt es daher.
    Der Werber hat keine Ahnung vom Produkt und redet banales Zeug und der Artikel wird halt damit gemacht, weil der Redakteur das so verlangt hat.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Werbung | Rind | Skandal | Rheinland
  • Models present creations from the Felder &amp; Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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