Würchwitzer Himmelsscheibe und Bio-Milbenkäse-Rolle © Christian Schmelzer

Im Käseladen von Jill Erber in Arlington, Virginia, steht auf einem Schild: "Wir vertrauen den Milben." Mit diesem Glaubensbekenntnis ("In Mites we trust") setzt sich die Käsehändlerin für den uneingeschränkten Import einer Spezialität ein, der von den US-Behörden seit Anfang dieses Jahres blockiert wird: Mimolette.

Im März hatte die Bundesbehörde zur Überwachung von Nahrungs- und Arzneimitteln die Einfuhr von mehreren hundert Kilo des französischen Käses verweigert. Nur wenige Wochen, nachdem sich Präsident Obama für ein Transatlantisches Freihandelsabkommen ausgesprochen hatte. Und obwohl Mimolette seit Jahren in den USA gegessen wird. Nun aber werden dort die Vorräte der Händler knapp.

Alleine im Juli wurden 44 Käselieferungen am Zoll gestoppt, zwölf davon enthielten Mimolette. Das Produkt sei "dreckig, verfault oder verdorben", heißt es in den Akten der Behörde und "zum Verzehr nicht geeignet". Käsekenner wie Jill Erber halten diese Einschätzung für Unsinn und protestieren auf Facebook, Twitter und der Straße. Sie wollen sich den rotgoldenen Käse nicht vom Brot nehmen lassen.

Bakterien, Kälbermägen, Schimmelpilze, Maden und eben Milben – in der Käseherstellung kommt einiges zum Einsatz, das für sich allein genommen kaum jemand auf dem Teller haben möchte. In Verbindung mit Milch entstehen daraus jedoch Köstlichkeiten, die mal nach Heu und mal nach Karamell schmecken, die riechen wie Seetang oder ein lange verschlossener Kuhstall, die am Gaumen kleben oder ordentlich gekaut werden müssen. Rund 5.000 Käsesorten hat die vor allem in westlichen Ländern kultivierte Tradition des Milchvergammelns hervorgebracht. Manches Aroma, mancher Geruch kann Gänsehaut hervorrufen. Beim einen vor Lust, beim anderen vor Ekel.

Auch auf Gruyère kann man Milben finden

"Beim ersten Bissen erscheint der Mimolette erst trocken wie Parmesan. Ich empfehle unseren Kunden, ihn ein wenig im Mund zu behalten, bis er sich erwärmt. Dann entfaltet er sein ganzes Aroma", sagt Romain Dumond. Nach mehrmonatiger Reife im Keller schmeckt der Käse zunehmend nach Haselnuss mit leichter Säure. Und sieht wegen der Fraßlöcher in der Rinde aus wie der Mond.

Mehrere Kilo verkauft Dumond, Mitbegründer von La Käserie, einem Laden mit Café in Berlin Prenzlauer Berg, pro Monat an seine Kunden. Diese wüssten, dass auf der Rinde Milben herumwandern können. "Und nicht nur auf dem Mimolette, auch auf sehr altem Gruyère oder Comté. Käse ist etwas sehr Lebendiges."