Eine Favela in Rio de Janeiro © Laurence Griffiths/Getty Images

Wer in Rio de Janeiro nach indischem Essen sucht, der stößt schnell auf den Curry Clube, die Auswahl an indischen Restaurants ist nämlich recht klein. Ich mache zurzeit ein Praktikum in Rio und bin durch meine Mitbewohner auf den Curry Clube aufmerksam geworden. Mitte September bin ich zum ersten Mal zu einem der Essen gegangen.

Der Curry Clube ist kein gewöhnliches Restaurant, sondern ein Gemeinschaftsessen, veranstaltet von Tom Ashe, einem britischen Musiker. Einmal die Woche lädt er zum Abendessen ein, meist in seine Wohnung in der Favela Comunidade Pereira da Silva im Stadtviertel Santa Teresa. Das Essen kocht er selbst – klassische indische Gerichte, manchmal kombiniert mit brasilianischem Churrasco.

Tom Ashe ist ein freundlicher Mann mit buschigem Vollbart. Mit seiner herzlichen Art sorgt er für eine gemütliche, fast familiäre Atmosphäre bei den Essen. Unter den Gästen sind Menschen aller Gesellschaftsschichten und Altersklassen, Brasilianer ebenso wie Gringos (Ausländer). Hauptsächlich kommen junge Leute zwischen 20 und 30. Es ist laut, bunt und fröhlich. Und das Essen schmeckt sehr lecker.

Die Idee zum Curry Clube hatte Tom Ashe, nachdem er 2008 von Nordengland nach Rio gezogen war. Er mochte die Stadt, aber er vermisste gutes indisches Essen. Schließlich begann er selbst zu kochen, nach Rezepten aus dem Internet, und servierte die Ergebnisse seiner Versuche Freunden und Bekannten. Über die Jahre kamen immer mehr Menschen zu seinen Abendessen und der Curry Clube nahm langsam seine heutige Gestalt an.

Denilson und Marcelo wohnen in der Nachbarschaft und sind regelmäßige Gäste. Ihnen gefallen vor allem die spontanen Musikeinlagen mancher Teilnehmer. Beide sind leidenschaftliche Pagode-Musiker und immer für ein Lied oder eine Trommeleinlage zu haben.

Auch ein älteres französisches Ehepaar ist gekommen. Die beiden verbringen zurzeit ihren Urlaub in Rio de Janeiro und haben zufällig vom Curry Clube erfahren. Es hat sie etwas Überwindung gekostet, abends in die Favela zu fahren, aber jetzt haben sie sichtlich Spaß am Austausch mit den jungen Leuten. Sie sind begeistert von der Offenheit der Teilnehmer und bedauern, dass sie nicht noch einmal wiederkommen können.

Bezahlt wird im Curry Clube auf Vertrauensbasis. Bevor man geht, legt man das Geld in Toms Instrumentenkoffer, der an der Tür bereit steht. So nimmt Tom wöchentlich zwischen 100 und 200 Euro ein. Das Geld geht als Spende an das Projeto Tô Ligado, ein lokales Sozialprojekt, das Musikunterricht und Instrumente für die Kinder aus dem Viertel finanziert. Aus den Spenden vom Curry Clube konnten zum Beispiel kürzlich 36 neue Melodicas angeschafft werden.