Herzhaft oder rockig, Kochen für den Frieden oder vegan Backen für den Kindergeburtstag, italienisch oder afrikanisch: Wer Rezepte ohne tierische Produkte sucht, findet inzwischen eine reichhaltige Auswahl veganer Kochbücher. Das Thema ist Trend. Um so schwieriger ist es, sich an den Büchertischen zu entscheiden.


Vegan tut gut – schmeckt gut wird vom Vegetarierbund empfohlen und liefert einen Querschnitt bekannter und beliebter Gerichte, die der Autor Jérôme Eckmeier veganisiert hat. Einem Mann, dessen Bauch man ansieht, dass es bei ihm nach mehr schmeckt.

Auf den ersten Block sind die Lieblingsessen seiner Blog-Community von denen konventioneller Alles-Esser kaum zu unterscheiden: Die asiatische Gemüse-Tofu-Pfanne steht auf Platz eins, gleich gefolgt vom Tex-Mex-Bohneneintopf – also dem verkappten Party-Klassiker Chili con Carne, dahinter kommen Ceasars Salad, Türkische Pizza, Spaghetti Bolo, Burger und Schnitzel. 

Für Neu-Veganer, die keinen Kulturschock erleben wollen

Eckmeier startet mit schnellen Mahlzeiten wie Couscous to go und einem veganen Tuna-Sandwich. Schon im nächsten Kapitel wird aber richtig gekocht, deftig und bodenständig sind die "Lieblingsgerichte für echten Hunger". Das ist besonders interessant für diejenigen, die auf vegane Ernährung umsteigen wollen, ohne einen Kulturschock zu erleben. Auch viele der Community-Lieblingsessen sind hier zu finden.

Jerome Eckmeier: Vegan tut gut – schmeckt gut, Dorling Kindersley Verlag © Dorling Kindersley Verlag/Brigitte Sporrer

So kommen Königsberger Klopse auf den Teller, die aus Weizengluten-Pulver, Hefeflocken, und Tofu und Gewürzen geknetet werden. Beim Burger ersetzen Kichererbsen das Fleisch, Sojasahne, vegane Mayo und Süßkartoffelchips machen die Veggie-Variante mindestens so gehaltvoll wie den fleischlastigen Bruder.

Eckmeier versucht außerdem zu widerlegen, dass vegane Küche Luxus ist, vor allem wegen der relativ teuren Ersatzprodukte wie Seitan für Fleisch und Mandel- oder Dinkelmilch. So tischt er zum Beispiel Spaghetti mit Grünkern-Bolognese auf, Kartoffelgulasch oder Ofenkartoffeln mit Quarkcreme aus Sojajoghurt. 

Risotto und Fondue für Gäste

Damit die Geselligkeit nicht zu kurz kommt, widmet Eckmeier – Vater von fünf Kindern – ein Kapitel den "Rezepten zum Beeindrucken": darunter Safranrisotto mit gebratenen Steinpilzen und ein "Käse"-Fondue mit frischem Baguette. Zum Schluss gibt’s Süßes: zum Beispiel Macadamia Brownies, Kaiserschmarrn mit Sojamilch und Reissahne, Himbeertrifle mit Seidentofu und Zwieback.

Wie die Zubereitung gelingt, ist verständlich erklärt. Eckmeier setzt keine Kochkünste voraus. Ein Foto begleitet jedes Gericht, die Gestaltung des Kochbuchs ist ebenso bodenständig wie die Rezepte. Eingestreut ist ein wenig Warenkunde, zum Beispiel zu Tofu, und manchmal etwas banale "Profi-Tipps", zum Beispiel, dass man veganen Wein durch Balsamico-Essig oder Traubensaft ersetzen solle, wenn Kinder mitessen.

Ausprobiert habe ich eines der schnellen Rezepte: Bruschetta mit Avocado, Orange und Oliven. Avocados und Orangenfilets werden in mundgerechte Stücke geschnitten, mit Knoblauch und Gewürzen zu einem Salat vermischt. Dazu werden in einer Pfanne Brotscheiben in Olivenöl und Knoblauch geröstet. Salat auf die Brotscheiden legen, mit Basilikum und gehackten schwarzen Oliven bestreuen und fertig ist ein Gericht, das wenig Arbeit macht, gut aussieht und gerade im Winter eine aromatische Alternative zur Tomaten-Bruschetta ist.