London Fashion Week Kurven auf dem Laufsteg

Konfektionsgröße 42 ist Durchschnitt in britischen Geschäften. Auf der London Fashion Week reichten drei normalgewichtige Models, um für einen Eklat hinter der Bühne zu sorgen.

Wagte das Undenkbare: Der Designer Mark Fast schickte drei seiner Models in Konfektionsgrößen 40 bis 42 auf den Laufsteg

Wagte das Undenkbare: Der Designer Mark Fast schickte drei seiner Models in Konfektionsgrößen 40 bis 42 auf den Laufsteg

Wo wird Schönheit lebensgefährlich? Über diese Frage diskutiert die Modewelt seit Jahren. Auf der London Fashion Week, die noch bis Mittwoch andauert, ist diese Debatte nun neu entbrannt.

Der Anlass war die ungewöhnliche Entscheidung des Designers Mark Fast, drei Models der Konfektionsgrößen 40 bis 42 in Minikleidern auf den Laufsteg zu schicken. Das sind drei Kleidergrößen "üppiger" als üblich bei Modenschauen. Wie britische Medien berichteten hatte dies zur Folge, dass Fasts Stylist wutentbrannt die Szene verließ. Eine Ersatz-Stylistin half aus, sodass die Show trotzdem stattfinden konnte.

In der kommenden Frühjahrs- und Sommersaison sieht man zwar wieder viele weibliche Formen. Auswirkungen auf die Figuren der nach wie vor äußerst schlanken Models sind jedoch nicht erkennbar. Vielmehr fingieren Designer wie Jason Wu und Alexander Wang üppige Hüften, in dem sie mit Raffungen und Polsterungen spielen.

Nachdem vor drei Jahren ein bekanntes brasilianisches Model an den Folgen ihrer Magersucht gestorben war, erteilten zumindest einige Modeveranstalter in Italien und Spanien extrem untergewichtigen Mädchen ein Laufstegverbot. Doch Branchenkenner sehen das Problem zunehmend bei den Designern selbst.

Eines der drei Models, die Mark Fasts Strick-Minikleider in den Größen 40 und 42 vorführten

Eines der drei Models, die Mark Fasts Strick-Minikleider in den Größen 40 und 42 vorführten

So wandte sich die Chefredakteurin der britischen Vogue, Alexandra Shulman, im Juni diesen Jahres mit einem offenem Brief an Designer und führende Modehäuser und forderte sie zu einem Umdenken auf. Sie schrieb, Modezeitschriften seien mittlerweile gezwungen, Models mit "hervorstehenden Knochen und ohne Busen oder Hüfte" zu engagieren, weil die Kleidungsstücke winzig seien, die die Designer den Hochglanzmagazinen für Fotoshootings zuschickten. Die Vogue retuschiere nach den Fotoaufnahmen am Computer inzwischen regelmäßig die Körperfülle der Mädchen, damit sie fülliger und somit gesünder aussähen.

Auf der London Fashion Week versucht die Initiative "All Walks Beyond the Catwalk" ebenfalls, junge Designer zu ermutigen, ihre Kollektionen von Models verschiedener Konfektionsgrößen, Figuren und Altersgruppen zu vorführen zu lassen. "Jede Größe, jede Hautfarbe - genau darum dreht es sich bei der Mode", sagte die Frau des britischen Premier, Sarah Brown, die das Projekt unterstützt.

All dies sind ehrenwerte Versuche, doch zeigt der Vorfall auf der Fashion Week, dass es die Branche selbst ist, die normalgewichtige Models boykottiert. Im übrigen war das Gesprächsthema Nummer Eins das Gewicht von Victoria Beckham - das offensichtlich einen neuen Tiefstand erreicht hat.

 
Leser-Kommentare
  1. Es lebe Mike Fast! Die anderen, die hier einen Eklat provozieren, weil er normalgewichtige Frauen auf die Bühne geschickt hat, gehören allesamt aus der Modewelt ausgeschlossen, mitsamt ihren Magersüchtigen Gespenstern.
    Es wird Zeit, dass die wahnsinnig gewordene Modewelt von der Allgemeinheit boykottiert wird, Produkte, die von ausgehungerten Strichen in der Landschaft beworben werden nicht mehr gekauft werden.
    Es kann nicht sein, dass es von Modelagenturen unterstützt wird, dass sich Frauen zu Tode hungern um dann mit all der Hässlichkeit, die daraus resultiert, dem Konsumenten als "Schönheit" angedreht zu werden.

    • hagego
    • 23.09.2009 um 10:48 Uhr

    Dem Mindestlohn gleich (entschuldigen Sie bitte diesen schrägen Vergleich) müsste festgelegt werden, dass alle Models zumindest "ihren" BMI (Body-Mass-Index) einzuhalten haben.

    MARK FAST hat Mut bewiesen und sollte diesen Weg konsequent weiter gehen. Er kommt damit wahrscheinlich auch den meisten Frauen entgegen. Und den Männern sowieso. Oder?

    Im Jenseits haben wir dann alle Zeit, um als Skelett über den Catwalk zu laufen...

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    • fanta4
    • 23.09.2009 um 11:52 Uhr

    "Er kommt damit wahrscheinlich auch den meisten Frauen entgegen. Und den Männern sowieso. Oder?"

    Mir auf jeden Fall. Ich kann bei Frauen, die aussehen, als wären sie gerade aus einem KZ befreit worden, nichts attraktives erkennen.

    • fanta4
    • 23.09.2009 um 11:52 Uhr

    "Er kommt damit wahrscheinlich auch den meisten Frauen entgegen. Und den Männern sowieso. Oder?"

    Mir auf jeden Fall. Ich kann bei Frauen, die aussehen, als wären sie gerade aus einem KZ befreit worden, nichts attraktives erkennen.

    • fanta4
    • 23.09.2009 um 11:52 Uhr

    "Er kommt damit wahrscheinlich auch den meisten Frauen entgegen. Und den Männern sowieso. Oder?"

    Mir auf jeden Fall. Ich kann bei Frauen, die aussehen, als wären sie gerade aus einem KZ befreit worden, nichts attraktives erkennen.

    Antwort auf "Mutig, Mark Fast!"
    • fanta4
    • 24.09.2009 um 9:18 Uhr

    hier gab es gestern noch drei Kommentare. Wo sind die geblieben?

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    • fanta4
    • 24.09.2009 um 9:21 Uhr

    seh ich sie wieder. Komisch. Vielleicht ein Browserproblem...

    • fanta4
    • 24.09.2009 um 9:21 Uhr

    seh ich sie wieder. Komisch. Vielleicht ein Browserproblem...

    • fanta4
    • 24.09.2009 um 9:21 Uhr

    seh ich sie wieder. Komisch. Vielleicht ein Browserproblem...

    Antwort auf "Liebe ZEIT,"
  2. Kleidung für *Frauen* zu schneidern, sollten mitsamt Ihrer Entwürfe, die angeblich nur an magersüchtigen Teenagern gut aussehen, einfach offiziell in die Kindermoden-Branche wechseln.

  3. Auf der einen Seite wird untragbare Mode produziert, welche lediglich von sehr kleinen oder furchtbar dünnen Frauen angezogen werden kann - auf der anderen Seite jammern Modehäuser über mangelnden Absatz.

    Der Kunde ist König und wenn der Kunde ungern an Essstörungen leidet, sollte dies respektiert werden.

    Schönheitsideal wird immer das sein, welches selten und somit exotisch ist.
    Aus Zeiten des Überflusses resultiert daher ein sehr schlankes, zierliches Ideal.

    Allerdings gibt man sich doch so fortschrittlich.
    Warum werden die Ideale dann so dramatisiert, dass Zustände wie im Mittelalter herrschen?
    Damals wurden Frauen bewusstlos, weil sie in ihren Korsetten so eingeschnürt waren, dass ihnen die Luft zum Atmen fehlte.
    Heute kippen sie reihenweise um, weil sie sich von einem Kaugummi in der Woche ernähren, um die schlanke Linie nicht zu gefährden.
    Vielleicht sollte mal weiter als bis zum Faustkeil gedacht werden.

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