Trends Haut zeigen

Leder ist das Material der neuen Saison. Für die Designer gehört es in jede Kollektion. Für Hosen gilt: Sie müssen eng sein

Wer jetzt noch keine Lederjacke trägt, der hat in den nächsten Wochen viele Gelegenheiten, sich eine zu kaufen. In den Berliner Modeläden ist Leder das Material der Saison. Das ist ein bisschen paradox, denn Leder ist teuer, und es scheint, dass viele Einzelhändler noch nicht mal ihre Sommerware trotz tropischer Temperaturen und drastischer Reduzierungen loswerden. Es liegen also noch jede Menge Schnäppchen in den Regalen, da sollen die Kunden gleichzeitig für eine Lederjacke tief in die Tasche greifen.

Daniela Biesenbach weiß: „Eine Lederjacke ist eine Investition.“ Zusammen mit Carl Tillessen entwirft sie für ihr Label Firma, und am liebsten macht sie Kleidung aus Leder. „Mit Leder zu arbeiten ist unsere größte Herausforderung“, sagt die Designerin.

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Den klassischen Lederblouson mit Stoffbündchen und schrägen Taschen sah man schon im vergangenen Winter – zumindest in den modischeren Stadtvierteln – an jedem zweiten Passanten, mit ihren hochgeklappten Kragen wollten sie oft aussehen wie verwegene Piloten. Auch diese Jacken hängen wieder zuhauf in den Läden, wie zum Beispiel bei Delight in der Alten Schönhauser Straße in den günstigeren Preislagen. Als ginge es darum, bis zum Anbruch der kalten Jahreszeit auch wirklich jeden Berliner mit so einem Kleidungsstück zu versorgen. Doch in dieser Saison gibt es nicht nur Jacken und Mäntel aus Leder, sondern auch Röcke, Kleider und Handschuhe, die bis fast unter die Achseln reichen.

Bei Salotto, einem Laden für italienische Mode in der Münzstraße, probiert eine große, schlanke Frau eine sehr enge Lederhose an. Hosen aus Leder haben gerade nur eine Daseinsberechtigung, wenn sie hauteng wie Leggings sitzen. Der Verkäufer kann sich ein anerkennendes „Wow“ nicht verkneifen, die Kundin schaut sehr entschlossen in den Spiegel.

Die wehrhafte Anmutung, die schwarzes, glattes Leder hat, ist durchaus beabsichtigt: Die Designer von Paris bis Berlin scheinen die Frauen rüsten zu wollen für harte Zeiten. Auch Daniela Biesenbach kann sich Weibchen nicht in ihren Entwürfen vorstellen.

Dass es immer mehr Kleidung aus Leder gibt, die direkt auf der Haut getragen werden kann, haben die Modefirmen der technischen Entwicklung zu verdanken. „Es gibt immer noch keine Kühe, die elastisch sind“, beteuert Carl Tillessen. „Aber man kann seit zwei Jahren Leder so behandeln, dass es nachgibt.“

Auch im Laden von Firma in der Mulackstraße gibt es fast jedes Kleidungsstück aus Leder: Jacken aus Lammnappa, Kleider aus Veloursleder, Wollmäntel mit Pferdelederbesatz. Die beiden Designer feiern in diesem Jahr ihr zehnjähriges Firmenjubiläum und gehören damit fast zu den Modeveteranen der Stadt. Weil sie, gemessen an der jungen Modeszene, schon so lange am Markt sind und ihre Kollektionen ebenso gradlinig gehalten sind wie ihr Stilvorbild, das Bauhaus, haben sie eine Jubiläumstasche namens „Gropius“ entworfen; kantig und verwandelbar, so wie ihre Kleidung. Erst vor drei Jahren begannen sie neben Anzügen, die eben nicht für italienische Gigolos gedacht waren, auch Kleider für Frauen zu entwerfen. Sie nahmen die gleichen Materialien und veränderten die Schnitte. Jetzt hat die Kollektion für Frauen immer noch etwas Maskulines, aber mit vielen weiblichen Details. Auf Rüschen können die beiden immer noch gut verzichten – stattdessen experimentieren sie lieber mit waschbarem, perforiertem, gewachstem und eben elastischem Leder.

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