Modemacher "Die Münchnerin zeigt gerne, was sie hat"
Das Designer-Duo Talbot Runhof kleidet in München die sogenannte Schickeria ein. Ein Gespräch über Opulenz, Tradition und Tracht.
ZEIT ONLINE: Herr Runhof, Herr Talbot, wie kamen Sie als Betriebswirt und Elektroingenieur dazu, Mode für die Münchner High Society zu entwerfen?

Johnny Talbot (li.) und Adrian Runhof sind bekannt für ihre opulenten Abendroben
Talbot und Runhof: Wir hatten beide schon immer ein Faible für Mode. Adrian ist ja sowieso in einer Familie von Modeproduzenten aufgewachsen. Als wir uns dann beide 1991 das erste Mal in München trafen, war uns sofort klar, dass wir zusammen glamouröse Mode schaffen wollen. Eins führte zum anderen, bis wir schließlich 2000 unsere eigene Boutique in der Münchner Innenstadt eröffneten. Unserem Konzept und der Stadt sind wir seit jeher treu geblieben.
ZEIT ONLINE: Ihre Entwürfe sind vor allem von glamourösen Auftritten auf den roten Teppichen der Republik bekannt
Talbot und Runhof: Das stimmt, unter unseren Kundinnen sind viele deutsche, aber auch amerikanische Schauspielerinnen. Wir kleiden aber auch Frauen ein, die gut darauf verzichten können, ständig im Rampenlicht zu stehen und die den diskreten Chic unserer Mode zu schätzen wissen.
ZEIT ONLINE: Wie ist es mit Ihnen selbst, mögen Sie große Auftritte?
Talbot und Runhof: Für unsere Kleider ja, für uns selbst nein!
ZEIT ONLINE: Was halten Sie dann von der sogenannten Münchner "Schickeria"? Gibt es die überhaupt?
Talbot und Runhof: Bestimmt gibt es die Münchner Schickeria. Gehen Sie mal Samstagabend ins Hugo’s...

Ein Model hinter der Bühne des Talbot-Runhof-Defilées in Paris
ZEIT ONLINE: Und zählen Sie diese Schickeria zu Ihrem Kundenkreis?
Talbot und Runhof: Da sieht man ab und zu auch eines unserer Cocktailkleidchen, also gehört sie wahrscheinlich auch zu unserem Kundenstamm.
ZEIT ONLINE: Kennen Sie Ihre Kunden denn alle persönlich? Die Münchner reden von Ihrer Stadt ja gerne mal als Dorf, in dem jeder jeden kennt.
Talbot und Runhof: Wir kennen viele unserer Kundinnen, denn wir sind sehr oft in unserer Münchner Boutique persönlich präsent. Es gehört einfach dazu, immer wieder Events zu organisieren und die Kundinnen mit einer privaten Modenschau oder einem Lunch anzusprechen.
ZEIT ONLINE: Was unterscheidet die Münchnerin Ihrer Ansicht nach von beispielsweise der Berlinerin, Frankfurterin oder Kölnerin?
Talbot und Runhof: Oh je, wir tun uns schwer mit Verallgemeinerungen, weil wir immer auch das jeweilige Gegenteil erleben. Aber hier mal ein Versuch: Die Münchnerin zeigt bisweilen gerne, was sie hat, sie ist dabei aber nie vulgär. Das hingegen erlebt man in Frankfurt und Berlin, in Düsseldorf sowieso.
- Datum 16.09.2009 - 16:48 Uhr
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