Ob Haute Couture oder Prêt-à-porter, wer nach Querdenkern und Geheimtipps sucht, sollte derzeit bei den Männern schauen. Fern ab vom überfüllten Frauenmarkt haben junge Designer in der Männermode die Möglichkeit, ihr Talent unter Beweis zustellen.

In Paris sorgen zurzeit zwei junge Modemacher für Aufsehen, jeder auf seine Art. Damir Doma hat bei den Prêt-à-porter-Schauen am vergangenen Wochenende gezeigt, dass er mit seinen 28 Jahren bereits einen unverwechselbaren Stil hat. Seine düsteren Kollektionen wurden von der Presse als fantasievoll und intellektuell gepriesen.

Marc-Antoine Barrois, 26, kämpft hingegen noch um die Akzeptanz im kleinen Kreis der Luxusmode. Denn das, was der französische Modeschöpfer salonfähig machen möchte, kann und soll es nach Ansicht des französischen Schneiderverbandes nicht geben: Haute Couture für Männer.

Im Januar 2006 präsentierte der damals 23-jährige Barrois zum ersten Mal eine Couture Expérimentale. Es war eine kleine Revolution in der traditionsbewussten Welt der Edelmode. Denn die Bezeichnung "Haute Couture" ist juristisch geschützt. Um sich so nennen zu dürfen, muss ein Modehaus strenge Anforderungen erfüllen: Es muss ein Atelier in Paris besitzen, rund 20 Angestellte beschäftigen und jede Saison eine Kollektion aus mindesten 25 handgearbeiteten und maßgeschneiderten Kreationen fertigen.

"Ich arbeite wie ein Haute-Couture-Haus", sagt Barrois. Nur besteht seine Kollektion eben nicht aus Röcken und Roben, sondern aus Hemden und Smokings. Die Kreationen des jungen Textilingenieurs, der nach seinem Studium bei Dominique Sirop assistierte, sind keineswegs übertrieben oder untragbar, wie das bei der Damen-Haute-Couture manchmal der Fall ist. Barrois' Männerlinie ist schlicht und sehr maskulin.

Im Oktober 2009 erlaubte die Fédération Française de la Couture Barrois zumindest, seine Kollektion im inoffiziellen Programm der Haute-Couture-Schauen zu präsentieren. Seither kämpft er darum, ins offizielle Programm aufgenommen zu werden. Doch Männermode möchte der Verband der hohen Schneiderkunst bisher dort (noch) nicht sehen.