Berlin Fashion Week Lachshäute und Daunenjacken
Junge Berliner Designerinnen bestimmten den zweiten Tag der Berlin Fashion Week. Besonders überzeugte die Kollektion der beiden Modeschul-Absolventinnen PerretSchaad.
© Andreas Rentz/Getty Images

Alek Wek, das einzige Model von internationalem Rang, lief für die Berliner Designerin Anja Gockel
Anja Gockel, PerretSchaad und Mongrels in Common zeigten am zweiten Tag der Berlin Fashion Week neben glamouröser Abendmode und einigen winterlichen Basics vor allem Anzüge, Kostüme, Jacketts, Röcke und Hosen, die sich als Business-Outfit eignen, ohne dass die Trägerin dabei uniformiert wirkt.
Den Auftakt machte am Morgen Anja Gockel, die ihr Publikum mit einem lauten Krähen eines Hahns begrüßte, das aus den Lautsprechern am Laufsteg erklang. Auf diese Weise aufgeweckt, applaudierte das Publikum dann auch gleich dem ersten Entwurf – einem mit Pailletten besetzten schwarzer Blazer, präsentiert von Topmodel Alek Wek.

Für Anja Gockel war es der zweite Auftritt auf der Berlin Fashion Week. Mit Alek Wek konnte sie ein Model von internationalem Rang für ihre Show gewinnen
Gockel, die 1996 ihr eigenes Label in London gründete, zeigte eine derartige Vielzahl an Entwürfen, dass der Eindruck entstand, sie wolle gleich drei oder vier Winterkollektionen auf den Markt bringen. Das Pailletten-Thema fand sich in goldenen und schwarzen Kleidern und Röcken, aber auch als Glanzpunkt auf bürotauglichen Hosenanzügen wieder.
Ein weiteres wiederkehrendes Element ihrer Kollektion waren wattierte, aufwendig gesteppte Winterjacken und -mäntel in Rot und Schwarz, die an die Daunenklassiker des ursprünglich französischen, heute italienischen Labels Moncler erinnerten.
Wie eine ganz eigene Kollektion wirkten die rot-weiß karierten Jacken, Hosen und Kostüme – eine verspielte Variation des klassischen Schotten-Karos. Dazwischen mischte Gockel schlichte schwarze Wollkleider, die durch ihre fein eingesetzten Details bestachen. Ein ausladender Bolero überraschte mit einer völlig neuen Silhouette.
Nach etwa einer halben Stunde Schaulaufen schloss die Show mit einem cremeweißen Braut-Hosenanzug, zu dem Alek Wek einen ausladenden Kopfschmuck trug. An Hose und Oberteil zierten Korsagen-Schnürungen das Ensemble, in dem das sudanesische Model erschien wie eine Braut aus einer fremden Galaxie.

Frisch von der Modeschule: Johanna Perret und Tutia Schaad stellten ihre erste gemeinsame Kollektion "PerretSchaad" vor
Sachlicher ging es bei Johanna Perret und Tutia Schaad zu. Die Absolventinnen der Kunsthochschule Weißensee gaben ihr Debüt auf der Berlin Fashion Week. Warum sie auch als "Töchter Jil Sanders" bezeichnet werden, wurde schon zu Beginn der Show deutlich. Perret Schaad zeigten puristische Kleider aus Wolle, die sie mit Clutches in Form eines großen Briefumschlages kombinierten.
Und sie schafften es, die klassische Hemdbluse in mannigfaltiger Form zu variieren: Mal vorne wie ein Blazer geschnitten und hinter weit auslaufend, mal als Kleid inszeniert oder dank einer zusätzlichen Stoffbahn halb über einem Stiftrock getragen. Interessant geschnitten waren auch ihre Wollcapes, die durch einen Gummizug am hinteren Saum sportlich und dennoch elegant wirkten.
Die exzentrischste der drei Kollektionen präsentierten die Berliner Designerinnen Livia Ximénez Carrillo und Christine Pluess. Ihr Label Mongrels in Common steht für einen Mix aus Materialien, Schnitten und Einstellungen.
Wie schon im Vorjahr haben die beiden Frauen auch für ihre Winterkollektion 2010 wieder mit der Firma Nanai zusammengearbeitete, die Lachsleder von Fischen aus irischer Biozucht verarbeitet.

Die beiden Designerinnen Livia Ximénez Carrillo (li.) und Christine Pluess, zusammen betreiben sie ihr Label "Mongrels in Common"
Aus diesem besonderen Material kreierten Mongrels in Common zum Beispiel ein "Kleines Schwarzes" oder klassisch geschnittene Hot-Pants. Die robuste, aber dennoch zarte Lachshaut verarbeiteten die beiden Designerinnen außerdem in Form von Gürteln und Handtaschen als Kontrast zu nudefarbenen, fließend fallenden Seidenkleidern. Blazer, Trenchcoats und Kleider verzierten sie mir leicht gerafften Schulterpartieren, mehrlagigen Krägen oder diagonal versetzten Rückenklappen.
Am zweiten Tag der Berlin Fashion Week bekamen die Besucher am Bebelplatz eine große Auswahl an deutscher Mode vorgeführt, die sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen kann. Anja Gockel, Mongrels in Common und allen voran PerretSchaad führen damit die Tradition sachlicher, aber außergewöhnlicher Business-Bekleidung aus Deutschland fort.
Die neue Designergeneration sieht sich zwar in der Tradition von Jil Sander, Joop oder Boss, wagt aber mehr Individualismus. Dass neben dem Business-Look "Made in Germany" auch verrückte, verträumte und dennoch tragbare Kollektionen aus Deutschland kommen können, hatte der Nachwuchsdesigner Sam Frenzel bereits am Eröffnungstag der Fashion Week bewiesen.
- Datum 21.01.2010 - 17:04 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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